Energie Steiermark sucht Investor für Kapitalerhöhung

14. September 2026, Graz
Geld soll für den Netzausbau verwendet werden
 - Brauweiler, APA/dpa

Die Energie Steiermark will sich frisches Kapital mit der Ausgabe von 25 Prozent neuer Aktien sichern, hieß es am Montag in einer Aussendung des Landes Steiermark: Die Landesregierung stimmte den Plänen zu. Das Land Steiermark hält seit 2023 100 Prozent der Anteile an der Energie Steiermark. Mit einem neuen Investor soll eine Kapitalerhöhung um 25 Prozent erreicht werden. Mit dem Geld will der Landesenergieversorger den Netzausbau in den kommenden Jahren vorantreiben.

Die langfristige Partnerschaft soll bis zumindest 2035, bis zum Ende der geplanten Investitionsphase, laufen. Das war eine Bedingung der blau-schwarzen Landesregierung. Weitere Rahmenbedingungen für den Investor seien auch festgelegt worden: „Es darf zu keinem Verkauf bestehender Aktien kommen; das Land muss überwiegender Mehrheitseigentümer bleiben; der Unternehmenswert muss größer sein als zum Zeitpunkt des Rückkaufs 2023; das zufließende Kapital muss direkt in die Energie Steiermark fließen“, hieß es in der Aussendung. Als Untergrenze sind somit jene 533 Mio. Euro festgelegt, die das Land Steiermark 2023 für 25 Prozent plus 150 Aktien bezahlt hat.

„Mit dem Kapital eines Wachstumspartners kann die Energie Steiermark bei ihrem Investitionsprogramm den Turbo zünden“, meinte Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ). „Wir holen privates Kapital ins Boot, aber wir geben das Steuer nicht aus der Hand. Das Land bleibt Mehrheitseigentümer und behält die strategische Verantwortung für die Energieversorgung der Steiermark“, unterstrich Landeshauptmannstellvertreterin Manuela Khom (ÖVP). 2023 hatte das Land Steiermark – damals noch unter Landeshauptmann Christopher Drexler (ÖVP) und seinem Stellvertreter Anton Lang (SPÖ) – die kompletten Anteile am Landesenergieversorger zurückgekauft. Schon damals war geplant, Anteile zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu verkaufen oder sich Investoren an Bord zu holen.

NEOS und Grüne sehen Chance

Die Energie Steiermark will mit dem Geld „Investitionen von rund 5,8 Milliarden Euro bis zum Jahr 2035 in höherem Tempo und in größerem Umfang umsetzen“, erklärten die Vorstände Martin Graf und Werner Ressi. Konkret werde nach einem Investor aus dem Finanzsektor gesucht – sprich Banken, Versicherungsfonds oder dergleichen. Es müsse eine Übereinstimmung mit der Unternehmensstrategie der Energie Steiermark herrschen. Dauern wird der gesamte Prozess zumindest ein Jahr, denn zuerst muss der Prozess bis Jahresende strukturiert und die fachlichen Begleiter festgelegt werden. Danach würden mögliche Partner geprüft, Verhandlungen mit diesen geführt und eine Short List erstellt. Erst im dritten Quartal 2027 ist mit einem Abschluss zu rechnen.

Der steirische NEOS-Chef Niko Swatek sowie die Grünen Steiermark sehen in der Kapitalerhöhung mit Investoren grundsätzlich eine Chance: „Die Steiermark braucht massive Investitionen in Netze und erneuerbare Energie. Ein privater Partner kann dabei doppelt helfen: Er bringt zusätzliches Geld für notwendige Investitionen und mehr externe Kontrolle in ein Unternehmen, das heute stark von der Landespolitik geprägt ist,“ so Swatek. Die Bewertung müsse aber stimmen und die Rechte des neuen Partners müssten transparent auf dem Tisch liegen. Grünen-Chefin Sandra Krautwaschl sagte: „Mit diesem Geld muss der immer wieder versprochene Turbo beim Ausbau der Erneuerbaren endlich vollzogen werden, um die Steiermark unabhängig zu machen und stabile Strompreise sicherzustellen. Gleichzeitig ist der Ausbau der Stromnetze und der Speichermöglichkeiten vorrangig.“

Die steirische KPÖ dagegen sieht die Kapitalerhöhung kritisch, denn die Ausgabe neuer Aktien bedeute nicht nur, dass das Land nur noch 75 Prozent der Anteile halten werde, sondern die Ausgabe der neuen Aktien „de facto eine Teilprivatisierung des Landesunternehmens“ sei. Besonders skeptisch sei die KPÖ, weil dezidiert ein Käufer aus dem Banken- und Versicherungswesen gesucht werde. „Solche Unternehmen investieren nicht aus Nächstenliebe, sondern erwarten sich hohe Dividenden“, warnte KPÖ-Landtagsabgeordneter Alexander Melinz.

APA