Stromhunger eröffnet Renditechancen

14. September 2026, Wien

Energieversorgung. In sämtlichen Bereichen des Alltags schreitet die Elektrifizierung zügig voran. Für Firmen, die den wachsenden Strombedarf abdecken können, sind die Aussichten gut.



Die Schlagzeilen zu den Anschlägen auf das deutsche Stromnetz reißen nicht ab. Anfang September gab es Sabotageangriffe auf die Umspannwerke bei Jänschwalde in Brandenburg und Bergheim in Nordrhein-Westfalen, weitere Vorfälle folgten. Die Nervosität der Unternehmensvorstände steigt, die Politik hegt bereits Pläne, die Drohnenabwehr zum Schutz kritischer Infrastruktur auszuweiten.


Aber auch weltweit steht die Sicherheit der Energieversorgung zunehmend im Fokus. Der Stromverbrauch wächst kräftig, flächendeckende Ausfälle können hohe Schäden in der Wirtschaft anrichten. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat sich in ihrem „Electricity 2026“-Bericht die Entwicklungen näher angesehen. Demnach wuchs die Stromnachfrage von 2020 bis 2025 um 4702 Terawattstunden (TWh). Der globale Gesamtverbrauch übersprang 2024 erstmals die Marke von 30.000 TWh. In den Jahren 2025 bis 2030 dürfte der Verbrauch um weitere 5394 TWh wachsen.


Die Gründe sind vielfältig. Philipp Finter, Nachhaltigkeitsanalyst bei Metzler Asset Management, verweist etwa auf das allgemeine Wirtschaftswachstum und auf soziodemografische Entwicklungen, wie den Trend zu kleineren Haushalten. Dazu kommt, dass in zahlreichen Segmenten der Elektrifizierungsgrad steigt. Ein Beispiel ist die zunehmende E-Mobilität.


Mehrbedarf in der Industrie


Auch in der Gebäudewirtschaft gibt es klare Trends. Die Nachfrage nach Klimaanlagen und Wärmepumpen steigt. Obendrein wächst die Zahl der Datenzentren für Künstliche Intelligenz (KI), die bekanntlich ebenfalls große Mengen an Strom benötigen. „Zusätzlich erfasst die Elektrifizierung industrielle Bereiche, die bisher kaum Strom nutzten: So werden Hochtemperaturprozesse in der Stahl- oder Chemieindustrie zunehmend auf Elektroöfen oder grünen Wasserstoff umgestellt“, sagt Finter.


Das könnte Chancen für Aktien von Firmen eröffnen, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Stromerzeugung tätig sind. Anleger können darauf mit ETFs breit gestreut setzen. Die drei in der Tabelle genannten Produkte wurden im Frühjahr lanciert. Im Global X-Produkt steht die Elektrifizierung insbesondere in den USA im Fokus. Dazu zählen Firmen aus dem Bereich der konventionellen und alternativen Stromerzeugung, der Netzinfrastruktur sowie Smart-Grid-Technologien. Investiert wird etwa in Dominion Energy, einen der größten regulierten Strom- und Gasversorger der USA, der auch ein landesweites Übertragungs- und Verteilungsnetz betreibt. Im Bundesstaat North Virginia profitiert der Konzern vom hohen Strombedarf der Rechenzentren.


Wind- und Solarparks


Auch Quanta Services zählt zu den größten Einzelgewichtungen. Das Unternehmen baut und wartet Hochspannungsleitungen, Glasfasernetze und Pipelines. Zudem ist Quanta im Bereich der Wind- und Solarparks sowie im Energiespeichergeschäft tätig. In The Southern Company und Duke Energy wird ebenfalls investiert. Der VanEck-ETF setzt den Schwerpunkt auf Industrieaktien weltweit, die zur Wertschöpfungskette der Elektrifizierung beitragen. Dazu zählt die französische Schneider Electric. Sie stattet Rechenzentren mit Strom- und Kühltechnik aus. Auch stellt die Firma Technik für Stromnetze und Umspannwerke her, um Energieverluste möglichst zu vermeiden. Im industriellen Bereich ist der Konzern in der Automatisierung tätig.


Die Schweizer ABB entwickelt digitale Schaltanlagen und Transformatoren sowie Technik für die energieschonende Steuerung und Automatisierung von Energieflüssen in Gebäuden. Zudem liefert ABB die Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität. Letztere Aktie ist auch Teil des Xtrackers-ETF. Die japanischen Firmen Hitachi und Mitsubishi sind es ebenfalls. Sie liefern etwa moderne Technik für den Ausbau der globalen Stromnetze. Bei allen Produkten sind Verluste möglich.

Von Raja Korinek

Die Presse