Windatlas: Viel Potenzial – vor allem in Ausschlusszonen in Oberösterreich

21. August 2026, Linz

Neuer Windatlas: Mehr Windkraft-Möglichkeiten in Österreich als bisher angenommen

Der neue Windatlas für Österreich, der von der Innviertler Energiewerkstatt im Auftrag des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur und in Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) erstellt wurde, zeigt mehr Potenzial für Windkraft in vielen Regionen Österreichs als bisher vermutet – auch in Oberösterreich.


Die erstmals seit 15 Jahren umfassend aktualisierte Analyse basiert „auf modernsten Klimamodellen, Satellitendaten und Windmessungen und liefert die bisher genaueste Darstellung der Windverhältnisse“, sagt Andreas Krenn, Geschäftsführer der Energiewerkstatt. Der Windatlas 2026 zeigt zusätzliche Potenzialräume in Oberösterreich, Kärnten, Niederösterreich, der Steiermark, Salzburg und Tirol. In Oberösterreich stechen insbesondere das südliche Traunviertel (Ennstal), der Hausruck (Raum Ried) sowie das nördliche und nordöstliche Mühlviertel hervor. Diese Gebiete liegen derzeit überwiegend innerhalb der vom Land Oberösterreich geplanten Windkraft-Ausschlusszonen. Für den Windatlas wurden hochauflösende Klimamodelle mit Satellitendaten der ESA kombiniert, sie zeigen (siehe Grafik) die Windgeschwindigkeiten in 100 Metern Höhe, öffentlich abrufbar sind die Daten auch im Internet windatlas.energiewerkstatt.org


Laut Experten sind Orte mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 5,5 Metern pro Sekunde wirtschaftlich interessant. Die im Windatlas dargestellten Potenzialflächen seien aber nur ein Faktor, so Krenn: „Für konkrete Windkraftprojekte müssen weiterhin Aspekte wie Naturschutz, Raumordnung, Netzanschluss und Genehmigungsfähigkeit berücksichtigt werden.“ Gleichzeitig liefere der Windatlas nun für ganz Österreich eine neue wissenschaftliche Grundlage für künftige Planungs- und Entscheidungsprozesse.


Weniger Wind im Raum Graz


Auch im Grenzraum zwischen Niederösterreich und Steiermark zeigen sich laut Windatlas etwa im Alpenvorland großflächige Gebiete mit besseren Windverhältnissen als bisher angenommen, in Gebieten westlich von Graz sind sie hingegen geringer als gedacht. „Oberösterreich liegt im Bundesländervergleich beim Wind-Potenzial im Durchschnitt“, sagt Krenn. Das Potenzial von Standorten wie Sandl oder Sternstein werde durch die neuesten Daten belegt.


Aus dem Büro des Wirtschafts- und Energie-Landesrates Markus Achleitner (VP) heißt es dazu: „Zum Ausbau der Windkraft in Oberösterreich gibt es eine klare Linie: Alle Windkraftprojekte, an deren Standorten es genügend Wind gibt und die genehmigungsfähig sind, sollen umgesetzt werden“. 31 Großwindkraftanlagen seien derzeit in Betrieb, „64 weitere Windkraftanlagen in den verschiedensten Etappen der Genehmigungsverfahren“.


In Oberösterreich würden Beschleunigungsgebiete für Windkraft mit rund 8900 Hektar Fläche ausgewiesen. Gesamt stünden potenziell rund zwei Drittel der Landesfläche für den Windkraftausbau zur Verfügung, so Achleitner.


Umweltanwalt bremst


„Es gibt, wie schon die Energiewerkstatt festgestellt hat, berechtigte Energieerzeugungsinteressen, aber auch andere berechtigte Interessen“, sagt Oberösterreich Umweltanwalt Martin Donat. Dazu zählten etwa Tourismus, aber auch Natur- und Landschaftsschutz, etwa im Süden im Bereich Dachstein, Totes Gebirge und Sengsengebirge (Nationalpark) oder im Norden im Böhmerwald. „Eine Reduktion der Erzeugung erneuerbarer Energie und des Klimaschutzes auf die Errichtung von Windkraftanlagen allein halte ich für eine unzulässige Verkürzung“, sagt Donat.


Wichtig sei allgemein Planungssicherheit, deshalb sei eine Ausweisung von Beschleunigungs- und Ausschlusszonen von verschiedenen Energieinfrastrukturanlagen sinnvoll. Donat: „Der neue Windatlas bringt dort und da neue Detailinformationen, zeichnet aber kein grundsätzlich anderes Bild vom Windangebot in Oberösterreich.“ Er löse, so der Umweltanwalt, auch nicht die Nutzungskonflikte und die raumordnerischen Fragestellungen auf.

Oberösterreichische Nachrichten