Rumänien und Serbien leiden unter geringem Donaupegel

4. August 2026, Bukarest

Strommangel. Rumänien musste seine Atomstromproduktion stark zurückfahren und rief für den gesamten August einen Notstand aus.


Wegen eines massiven Rückgangs der Stromproduktion infolge niedriger Wasserstände der Donau hat Rumänien schon am vergangenen Freitag für den gesamten August einen landesweiten Notstand ausgerufen. Ein Reaktor des einzigen rumänischen Atomkraftwerks Cernavodă wurde laut Ministerpräsident Ilie Bolojan abgeschaltet. Die Regierung will das Wasser aus einem Kanal umleiten und so verhindern, dass auch der zweite Reaktor abgeschaltet werden muss. Zudem führt das Land Gespräche mit der Ukraine, Griechenland und Bulgarien, um in den abendlichen Spitzenzeiten Strom zu importieren.
Das staatliche Energieunternehmen Nuclearelectrica betreibt in Cernavodă zwei Reaktoren mit einer Leistung von jeweils 706 Megawatt, die normalerweise etwa ein Fünftel des rumänischen Strombedarfs decken. Nachdem der erste Meiler bereits zu Beginn vergangener Woche vom Netz genommen werden musste, sollte am Donnerstag schon der zweite Reaktor folgen. Die Bedingungen in der Nacht hätten es laut Betreiber jedoch zugelassen, den Betrieb vorerst aufrechtzuerhalten. Der Pegel der Donau war zuletzt drastisch gesunken: An der rumänischen Grenze flossen am Dienstag der Wasserbehörde zufolge nur noch 1650 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, während der Juli-Durchschnitt bei 4750 Kubikmetern lag. Bis Dienstag wird ein weiterer Rückgang auf 1500 Kubikmeter erwartet. Ein Wert, der sich dem historischen Tiefststand von 1400 Kubikmetern aus dem Jahr 1985 nähert. Erschwerend kommt hinzu, dass eine Hitzewelle den Strombedarf für Klimaanlagen in die Höhe treibt. Der Spitzenverbrauch lag in dieser Woche bei 7,3 Gigawatt, während die Produktion auf 4,3 Gigawatt gesunken war.


Probleme für Serbiens Wasserkraft


Durch den niedrigen Wasserstand der Donau gerät auch die Energieversorgung von Serbien in Schwierigkeiten. Die Leistung der größten Wasserkraftwerke ist stark gesunken: Bei Djerdap 1 ging die Leistung auf 20 Prozent der Kapazität zurück, Djerdap 2 läuft aktuell auf 30 Prozent der regulären Leistung. Die beiden Werke produzieren rund 18 Prozent des jährlichen Strombedarfs. Laut Energieministerin Đedović Handanović hatten sie im Mai, Juni und Juli die geringste Menge an Strom seit Inbetriebnahme in den 1970er-Jahren produziert. Für Serbien ist Wasserkraft essenziell: 70 Prozent des nationalen Stromverbrauchs werden durch sie gedeckt. Der Wassermangel hat zudem die Kühlsysteme der serbischen Kohlekraftwerke in Kostolac beeinträchtigt, sodass diese gezwungen waren, ihre Leistung zu drosseln.

(pm/Reuters)

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