E-Control: Iran-Krise wirkte sich auf heimischen Strommarkt „moderat“ aus

20. Juli 2026, Wien

„Hitzeflaute“: Bei hohen Temperaturen sinkt PV-Wirkungsgrad und der Verbrauch steigt

Nach den ersten hundert Tagen zogen Michael Strebl und Alfons Haber als neues Vorstandsduo der Regulierungsbehörde E-Control gestern Bilanz. Der Beginn der Amtszeit sei geprägt gewesen von geopolitischen Krisen, volatilen Energiemärkten und neuen regulatorischen Aufgaben. „Gleichzeitig wurden wichtige Weichen für den österreichischen Energiemarkt gestellt“, so Michael Strebl.


Die globalen Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten hätten die Bedeutung einer resilienten Energieversorgung erneut vor Augen geführt. Österreich könne sich von weltweiten Krisen nicht abschotten, trotzdem blieben die Effekte auf österreichische Strom- und Gaspreise „bisher vergleichsweise moderat“, so Strebl. Mit dem Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) sei eine wichtige Basis für die künftige Gestaltung des Stromsystems geschaffen worden, das für Konsumenten mehr Transparenz bringen und die Energiewende vorantreiben soll.


Durch die Blockade der Straße von Hormus seien rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und LNG-Handels ausgefallen. Der durchschnittliche Preis für Strom liegt laut E-Control relativ konstant zwischen 13 und 14,5 Cent/kWh (netto) – für reine Energie. Die Iran-Krise führte nur zu einem schwachen Preisanstieg. Die günstigsten Stromprodukte sind bei knapp über 10 Cent/kWh, sodass ein Einsparpotenzial durch einen Produktwechsel von 4 Cent/kWh oder umgerechnet für den Standardhaushalt mit 3500 kWh Jahresverbrauch knapp 170 Euro pro Jahr bestehe. „Preise zu vergleichen, ist das Gebot der Stunde“, sagte Strebl. Der Ausbau der erneuerbaren Energie wirke sich dämpfend auf die Strompreise aus.
Ein neues Phänomen sei die „Hitzeflaute“: Bei zu hohen Temperaturen sinke der Wirkungsgrad der Photovoltaik, gleichzeitig steige der Verbrauch etwa durch Klimaanlagen. Durch wenig Wasser werde auch weniger Strom durch Wasserkraft erzeugt, und Atomkraftwerke müssten wegen des fehlenden Kühlwassers heruntergefahren werden.


Die Spritpreisbremse hat laut E-Control funktioniert, Österreich sei damit bei den Nettotreibstoffpreisen eines der billigsten Länder innerhalb der EU. Bei Gas liegt der Preis im Schnitt bei sechs Cent/kWh netto und damit auf ähnlichem Niveau wie im Vorjahr. „Es existiert ein relevantes Einsparpotenzial von ca. 1,5 Cent/kWh oder 270 Euro pro Jahr für den Standardhaushalt mit 15.000 kWh-Jahresverbrauch“, sagt Haber.


„Eine faire Verteilung“


Die Gasspeicher seien derzeit zu 57 Prozent gefüllt, bis zum Herbst sollen es 80 Prozent sein. Haber: „Wir blicken beruhigt Richtung Winter.“ Für Kunden werde das neue Gesetz Verbesserungen bringen: von Ratenzahlung, leichterem Lieferantenwechsel bis zur Absicherung im vertragslosen Zustand. Die Neugestaltung des Tarifsystems werde die größte Reform seit der Liberalisierung des Strommarktes werden. Dabei soll die tatsächlich beanspruchte Netzkapazität stärker gewichtet werden. Wer hohe Lastspitzen verursacht, soll mehr Netzkosten zahlen. „Ziel ist eine faire Verteilung der Kosten“, so Haber.

(ct)

Oberösterreichische Nachrichten