Wer zahlt wie viel bei Batterien mit?

22. September 2026

Ohne Batterien keine Energiewende: Der Streit zwischen Unternehmen und dem Strommarktaufseher E-Control über Netzentgelte für Energiespeicher spitzt sich zu. Wer hat die besseren Argumente?

Australien kommt schnell voran. Das Land ist drauf und dran, von seinen Gaskraftwerken loszukommen. Batterien deckten im August 2026 während der Abendstunden 49 Prozent des Bedarfs an Strom ab, zeigt eine Analyse des Unternehmens Energy Edge. Im Jahr 2020 waren das gerade 0,4 Prozent. Im Gegensatz dazu sank der Anteil von Gas im selben Zeitraum von 65,9 Prozent auf 20,6 Prozent.
Der Preisverfall der vergangenen Jahre und staatliche Förderungen machen Speicher in Australien wirtschaftlich lukrativ.


Der Boom steht erst an


In diese Richtung soll es auch in Österreich gehen, da sind sich Regierung, Strommarktaufseher und Energieunternehmen einig. Mit Batterien soll billiger Mittagsstrom für den teuren Abend gespeichert werden. Doch rund um die Umsetzung tobt derzeit ein heftiges Tauziehen.
Die E-Control hat Anfang Juli einen Entwurf für eine Verordnung zur Begutachtung vorgelegt, die ab 2027 die Spielregeln für den Einsatz von Großbatterien in Österreich neu regeln soll. Strittig ist, wann die Speicher von den Netzentgelten befreit werden können.


Derzeit gehen fast wöchentliche neue Großspeicher ans Netz, wie erst am Donnerstag jener von NGEN in Pischelsdorf am Engelbach (Bezirk Braunau). Doch insgesamt steckt die Entwicklung in den Kinderschuhen, der Boom steht erst an.
Eine Reihe von wichtigen Marktplayern ist überzeugt, dass die Strommarktaufseher drauf und dran sind, ihr Geschäftsmodell kaputtzumachen. Der Boom wäre abgewürgt, so die Leseart.


Um Batterien gewinnbringend zu betreiben, reicht einmaliges Laden nicht: Die Betreiber wollen mehrmals am Tag ihre Zyklen fahren und den Strom über die Börse verkaufen. Die E-Control fürchtet, dass die vielen geplanten Speicher zu mehr Netzausbau führen werden, was natürlich kostet. In besagter Verordnung macht die E-Control daher sehr strikte Vorgaben dazu, unter welchen Bedingungen Batteriespeicher von Netzentgelten für 20 Jahre befreit sein sollen, wenn diese Strom aufnehmen. Nur „systemdienliche Speicher“ sollen voll befreit sein. Im aktuellen Vorschlag zur Verordnung wären etwa Standorte, an denen Windkraftanlagen und Solarparks mit Batteriespeichern betrieben werden, nicht voll befreit. Auch gibt es genaue Vorgaben dazu, wie stark Netzknotenpunkte an Batteriestandorten von Batterien ausgelastet sein dürfen, damit ein Speicher noch systemdienlich ist.


Als zweite Variante bietet die E-Control Speicherbetreibern an, sie nur von einem Teil der Netzentgelte zu befreien. Voraussetzung dafür ist, dass sich die Betreiber von Energieunternehmen Zeitfenster vorgeben lassen, wann sie Strom speichern und einspeisen können. Flexibler statt voller Netzzugang also.
Energiemarktexperte Lukas Stühlinger (Fingreen) hat eine Analyse vorgelegt, die zeigt, dass die geplanten Vorgaben dazu führen würden, dass die meisten Speicher nicht wirtschaftlich betrieben werden können. Kaum ein Speicher wird es schaffen, vollständig von Netzgebühren befreit zu sein und die Teilbefreiung biete wahrscheinlich zu wenige Vorteile. Lukas Püspök, Chef des gleichnamigen Energieunternehmens, argumentiert ähnlich.


Tauziehen um Entgelte


Er bringt deshalb einen Kompromissvorschlag ein: Ein flexibler Netzzugang sei für die Betreiber der Speicher ausreichend, dafür bräuchten sie etwas Entgegenkommen der E-Control bei der Höhe der für sie anfallenden Netzentgelte. Ein flexibler Netzzugang sorge dafür, dass Speicher und Erzeugungsanlagen (Windkraft, Solaranlagen) nicht bei der Nutzung der Netze in Konkurrenz treten müssen, so Püspök. Solche dynamischen Vorgaben können dabei helfen, beim Ausbau der Netze zu sparen.
Allerdings gibt es auch Gegenargumente: Joel Tölgyes, Energiefachmann der Arbeiterkammer, argumentiert, dass eine vollständige Befreiung der Speicher für Haushalte und Unternehmen teuer kommen wird. Ziel ist ja, fünf Gigawatt Speicher in Österreich bereitzustellen. Wäre der Bezug von Strom für diese vollständig befreit, würden für Netzbetreiber jedes Jahr 350 Millionen Euro pro Jahr entgehen – etwa zehn Prozent der gesamten Netzkosten.


An dieser Betrachtung kommt aber auch Kritik, und zwar von den Neos: Deren Energiesprecherin Karin Doppelbauer sagt, dass diese Rechnung einseitig wäre. Denn ein rascher Ausbau der Batteriespeicher werde dafür sorgen, dass Strompreise nach unten gehen, weil die großen Unterschiede bei Nachfrage und Verbrauch durch Speicher geglättet werden können. Und sie moniert, dass die E-Control mit ihren strikten Vorgaben über das hinausgeht, was der Gesetzgeber wollte, nämlich den Batterienausbau zu ermöglichen.
Ein Problem für die E-Control: Im Gesetz steht, dass netzdienliche Speicher gleich 20 Jahre ausgenommen werden müssen von Netzkosten, ein Kompromiss mit einer zehnjährigen Ausnahme ist damit verwehrt. Ziemlich vertrackt.

Der Standard