Russland will wegen Engpass Kerosin aus Japan importieren

3. Juli 2026, Moskau/Chiba
200.000 Barrel Kerosin soll in 1

Die ukrainischen Gegenangriffe auf die Energieinfrastruktur machen Russland immer mehr zu schaffen. Wegen Knappheiten soll Kerosin aus Japan importiert werden, sagten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen am Freitag laut Reuters. Demnach sollen mindestens 200.000 Barrel (je 159 Liter) Kerosin in der ersten Julihälfte im japanischen Chiba verladen und zunächst nach Südkorea verschifft werden. An dem komplexen Geschäft seien mehrere Händler beteiligt, hieß es.

Damit reagiert Russland offenbar auf eine schwere Treibstoffkrise als Folge von ukrainischen Drohnenangriffen auf russische Ölraffinerien und Depots. Die Regierung in Moskau hat bereits Beschränkungen für den Kauf von Treibstoff verhängt, während Landwirte warnten, die Ernte sei gefährdet.

Die Schwarzmeer-Hafenstadt Noworossijsk hat unterdessen den Benzinverkauf an Privatpersonen ausgesetzt. Die Behörden in Noworossijsk, dem größten russischen Öl-Exporthafen am Schwarzen Meer, teilten mit, dass Benzin nur noch über Tankkarten an städtische Dienste und Unternehmen ausgegeben werde. Diesel sei weiterhin erhältlich. Im Ferienort Anapa sollen Kosaken helfen, Konflikte in den langen Warteschlangen zu verhindern. Russland, der drittgrößte Ölproduzent der Welt, ist inzwischen gezwungen, Benzin aus Ländern wie Indien zu importieren.

Kerosin von Schiff zu Schiff

Der Plan mit Kerosin sieht Insidern zufolge vor, dass die Fracht vor der südkoreanischen Hafenstadt Yeosu per Schiff-zu-Schiff-Umladung auf einen anderen Tanker verladen wird, bevor sie nach Russland weitertransportiert wird. Das genaue Ziel in Russland sei noch unklar. Das Energieministerium in Moskau und das japanische Wirtschaftsministerium reagierten zunächst nicht auf Bitten um Stellungnahme. Das südkoreanische Industrieministerium lehnte eine Stellungnahme ab.

Die russischen Kerosin-Exporte sind nach Daten des Analysehauses Kpler in diesem Jahr auf etwa 13.000 Barrel pro Tag gefallen. Im vergangenen Jahr hatte Russland noch rund 30.000 Barrel pro Tag exportiert. Ein ähnlicher, wenn auch deutlich kleinerer Import von 22.000 Barrel Kerosin aus Südkorea nach Wladiwostok fand den Daten zufolge zuletzt im Februar 2022 statt.

APA/Reuters