Auch Digitalisierung soll Kosten drücken.
Transformation. Wenn Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) von der „größten Kompetenzverschiebung in hundert Jahren“ spricht, sind die Worte doch etwas größer als das Ergebnis: Energiethemen sind grundsätzlich Kompetenz der Länder, dennoch haben sich Bund und Länder im Energiebereich auf gewisse Verschiebungen, die für mehr Effizienz und mehr Tempo sorgen sollen, geeinigt. Konkret:
Netzkosten
Bis 2040 sollen Kosten für Netzausbau um rund 4,1 Milliarden Euro gesenkt (gedämpft) werden. Klingt nach viel, muss aber relativiert werden bei kolportierten Investitionskosten für Ausbau und Erneuerung der Stromnetze von über 50 Milliarden Euro (bis 2050).
Digitalisierung
soll massiv vorangetrieben werden – „um bestehende Netzkapazitäten besser zu nutzen, Engpässe im Netz früher zu erkennen und Investitionen gezielter zu planen“, sagt Zehetner. „Das muss unser Kernthema sein, derzeit sind wir nicht in der Lage, die vorhandenen Flexibilitäten auch operativ umzusetzen“, erklärt der Chef des Hochspannungsnetzbetreibers APG, Gerhard Christiner.
Netzkapazitäten
effizienter nutzen: Wer ans Stromnetz angeschlossen werden will – egal ob als Einspeiser oder Verbraucher –, muss ein Netzzugangsverfahren starten. Dann werden die Netzkapazitäten reserviert – und sind damit für alle anderen blockiert, egal ob die Projekte auch umgesetzt werden. Es gilt also „first come, first serve“. Das wird nun geändert, da derzeit Anfragen in der Größenordnung von 30.000 Megawatt vorliegen, die sicher nicht alle gebaut werden, sagt APG-Chef Christiner. „First ready, first serve“, lautet künftig das Motto. Das sollte viel mehr Effizienz ins Stromnetz bringen – und damit die Kosten deutlich senken.
Mit einer Kompetenzverschiebung des Themas Energiewirtschaft in der Verfassung sollen Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern klarer geregelt werden – derzeit gibt es einen Kompetenzdschungel, lobt Christiner die Ankündigung. Die Frage sei, wie gut das bis Ende 2026 rechtlich umgesetzt wird.
Aber was bringt das alles den Stromkunden? Die Stromnetze effizienter zu machen, ist sicher sinnvoll und sollte die Kosten dämpfen. Aber die größte Entlastung mit tatsächlich sinkenden Preisen sollte die kürzlich vorgestellte „Deutschland-Leitung“ ab April 2027 bringen – indem mehr billiger Strom aus dem EU-Stromnetz importiert werden wird.
Kurier





