Für Unabhängigkeit, Klima und günstigere Preise: Österreich brauche viel rascheren Ausbau „grüner“ Stromquellen, heißt es beim Alpen-Energieforum.
Der Ukraine-Krieg und der Krieg im Iran mit der Sperre der Straße von Hormuz führten in den letzten Jahren zu Turbulenzen auf den Energiemärkten mit massiven Preissteigerungen bei Öl, Gas und Strom. Europa braucht in Zukunft viel mehr Strom, um sich von dieser Erpressbarkeit zu lösen und das Energiesystem für den Klimaschutz und den stark erhöhten Bedarf für die
Digitalisierung und die Künstliche Intelligenz umzurüsten.
Am Energiesystem hänge auch Österreichs Wettbewerbsfähigkeit und damit Arbeitsplätze und Wohlstand, so der Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), Holger Bonin, beim hochkarätig besetzten 3. Alpen-Energieforum in Igls. Gerade auch Energie werde als politische Waffe eingesetzt.
Europa und damit auch Österreich müssten hier mit dem kräftigen Ausbau von erneuerbarer Energie selbst wieder mehr Souveränität erlangen. Der Vorteil sei, dass diese „grüne“ Energie aus Wasser, Sonne und Wind auch günstiger sei, sagt Bonin. Bei den Energiekosten gebe es momentan ohnehin Nachteile gegenüber den USA und Asien. Der IHS-Chef plädiert auch für eine Änderung des von Gas getriebenen Merit-Order-Preissystems.
Enkel und tiefere Preise
„Ist die öffentliche Vermittlung der Energiewende eine ,Mission Impossible‘?“, fragte der Politik-Professor und Chef des Instituts für Strategieanalysen, Peter Filzmaier. Aus seiner Sicht keinesfalls, wenn vor allem auch die Vorteile genannt werden. Und diese seien die Unabhängigkeit, Sicherheit und Generationen-Gerechtigkeit. „Ja, da geht es eben auch um die Kinder und Enkel.“
Laut Umfragen seien 90 Prozent in Tirol für die Energiewende und je drei Viertel auch in Tirol für den Ausbau von Wasserkraft und Photovoltaik. Und auch Windstrom und der Kaunertal-Ausbau hätten Mehrheiten hinter sich. Raschere Verfahren möchten 90 Prozent, auch viele Projekt-Skeptiker. Die Zustimmung nehme freilich dann oft ab, wenn es um Projekte in der Nähe geht. Damit es nicht bei Lippenbekenntnissen bleibe, muss laut Filzmaier viel stärker kommuniziert werden, was die Vorteile für die Konsumenten und die Wirtschaft sind. „Alle müssen den Nutzen, und den gibt es, verstehen.“
Für den Energieexperten und Professor an der OTH Regensburg, Michael Sterner, geht es um einen kräftigen Ausbau von Stromkapazitäten und der Netze. Tirol habe „einmalige Bedingungen“ gerade auch für den Ausbau von Pumpspeichern. Wasserstoff-Speicher seien die derzeit am wenigsten rentable Möglichkeit. Deutschlands größter Batteriespeicher bringe 300 Megawatt und sei in zweieinhalb Stunden leer, ein Kaunertal-Ausbau mit Speicher im Platzertal 400 Megawatt und bei vollem Betrieb erst in 160 Stunden leer. „Der Faktor ist hier also mal 90.“ Wenn man einrechne, dass der Stausee die zehnfache Fläche der Batterieanlage brauche, liege der Vorteil der Wasserkraft noch immer bei einem Faktor von neun, betont Sterner.
Laut Tiwag-Vorstand Alexander Speckle investiere man in den nächsten Jahren 2 Mrd. Euro in die Energiewende. Umso wichtiger wären planbare Rahmenbedingungen. Das neue Energie-Ausbaugesetz (EABG) benachteilige leider die Wasserkraft. „Da werden Fische anders behandelt als Vögel.“ Tirols Industriellen-Präsident Max Kloger drängt auf leistbare Preise. Den versprochenen schnelleren Ausbau bei Projekten „glauben wir erst, wenn wir ihn auch tatsächlich sehen“.
„Es gibt in Österreich deutliche Mehrheiten für den Ausbau von eigener, nachhaltiger Energie.“
Peter Filzmaier Politik-Professor
Von Alois Vahrner
Tiroler Tageszeitung




