Salzburg AG & Co. weisen die Kritik von Ex-Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber an ihren hohen Eigenkapitalquoten zurück.
Aus Sicht von Österreichs Ukraine-Koordinator Wolfgang Anzengruber haben die Energieunternehmen zu viel Eigenkapital. Die höheren Energiekosten der vergangenen drei Jahre seien zum Teil auch bei der E-Wirtschaft gelandet, merkte der frühere Verbund-Chef dieser Tage bei einer Diskussion im SN-Saal an. „Ich würde mir mal die Eigenkapitalquoten ansehen“, rät er den meist öffentlichen Eigentümern der Landesversorger, die oft bei 60 bis 70 Prozent liegen.
Es kommt nicht sehr oft vor, dass ein Manager die Branche ins Visier nimmt, in der er einst selbst tätig war. Anzengruber hält zwar die politische Debatte über Übergewinne und Abschöpfung für „problematisch“. Doch es habe deutlich höhere Gewinne bei den Versorgern gegeben, und deren Argument, das Kapital werde für Investitionen benötigt, sei nicht schlüssig. Die Voestalpine sei mit einer Eigenkapitalquote von 35 Prozent ein gesundes Unternehmen und investiere auch, argumentiert er. Man investiere nicht, weil man Geld habe, sondern weil man wirtschaftliche Projekte umsetzen wolle. „Als Eigentümer würde ich einmal auf die Struktur der Unternehmen schauen“, sagt Anzengruber, „weil man da Mittel freikriegen kann.“
Worauf er anspielt? Eine Kapitalherabsetzung. Ein solcher Schritt würde dem Aktienkurs nicht schaden, sei steuerlich günstiger für Aktionäre und würde die weitere Dividendenfähigkeit nicht beeinträchtigen, argumentiert Anzengruber. Außerdem würde es Investitionen erleichtern, weil hohe Eigenkapitalquoten immer höhere Renditen bei den Projekten erfordern.
Höchste Quote beim Vorarlberger Landesversorger
Tatsächlich zeigt ein Blick in die letzten verfügbaren Jahresabschlüsse, dass die meisten Versorger beeindruckende Eigenkapitalquoten haben. Den Spitzenplatz nahm 2024 die Vorarlberger Illwerke VKW mit 68 Prozent ein, gefolgt von Niederösterreichs EVN mit 60,4 Prozent sowie Verbund und der Kärntner Kelag mit 60 Prozent. Die Energie AG Oberösterreich hält bei 55 Prozent, die Wien Energie bei 50,5. Die restlichen Landesversorger, darunter die Salzburg AG, kommen auf rund 45 Prozent, die Burgenland Energie wies 2023/24 nur 40,7 Prozent aus.
30 bis 40 Prozent Eigenkapital wären aus Sicht von Anzengruber ausreichend. Eine Kapitalherabsetzung wäre aber wie Sonderdividenden etc. nur eine einmalige Maßnahme. Bei den ohnehin voll regulierten Netzbetreibern könnte man dagegen auf Dauer auf 20 Prozent Eigenkapital gehen, weil es keinen Wettbewerb und kein Risiko gebe, rechnet Anzengruber vor. Das könnte niedrigere Netztarife und damit eine Ersparnis für Haushalte und Unternehmen ermöglichen.
Christof Germann, Vorstandsvorsitzender der Illwerke VKW, sieht keinen Grund, den Kapitalstock zu verändern. „Sie müssen sehen, in welchen Vermögensgegenständen wir investiert sind“, sagt er zu den SN. In den vergangenen 20 Jahren seien zwei Pumpspeicherkraftwerke dazugekommen, deren Bau natürlich mit Krediten finanziert wurde, die aber langfristig mit Eigenkapital unterlegt seien. Im aktuell instabilen Marktumfeld sei es gut, eine solide Finanzierungsbasis zu haben. Die bis 2040 geplanten Investitionen von neun Mrd. Euro würden die Eigenkapitalquote auf rund 50 Prozent senken. „Daher ist es wichtig, fit für die Gespräche mit den Banken zu sein“, sagt Germann. Grundsätzlich sei mit dem Land als Eigentümer vereinbart, dass 35 Prozent der Gewinne über die Dividende ausgeschüttet werden und 65 Prozent im Unternehmen bleiben.
Verbund: „Solide Eigenkapitalbasis ist kein Selbstzweck“
Auch von der teilstaatlichen börsenotierten Verbund AG heißt es: „Die Diskussion über angebliche Überkapitalisierung bei Energieversorgern greift aus unserer Sicht zu kurz.“ Die außergewöhnlich hohe Investitionsdynamik sowie das deutlich volatilere Marktumfeld würden nicht ausreichend berücksichtigt. Zur Einordnung: Verbund investiert von 2026 bis 2028 rund 6,8 Mrd. Euro in Netze, Kraftwerke und Speicher. Die Projekte müssten über viele Jahre vorfinanziert werden und ließen die Verschuldung in der Branche ohnehin deutlich ansteigen. In diesem Umfeld sei eine solide Eigenkapitalbasis „kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für stabile Ratings, günstige Finanzierungskosten und langfristigen Zugang zum Kapitalmarkt. Jetzt das Kapital herabzusetzen, würde die Verschuldungskennzahlen verschlechtern und zusätzlichen Druck auf das Rating ausüben. Eigenkapital ist auch ein Risikopuffer. Michael Frostel, Sprecher der Salzburg AG Bei der Salzburg AG sei die Eigenkapitalquote von 45 Prozent wie bei Versorgern üblich im weiteren Sinn definiert, sagt Sprecher Michael Frostel. Im engeren Sinn, wenn also nur das einbezahlte Kapital, Gewinn- bzw. Kapitalrücklagen und Bilanzgewinn enthalten sind, liege sie bei 29,9 Prozent. „Unternehmen, die so langfristig investieren, brauchen die hohe Eigenkapitalquote für die gute Bonität“, so Frostel. Das Eigenkapital sei außerdem ein Risikopuffer, um Krisen wie in den vergangenen Jahren – von Corona über Ukraine-Krieg bis zur Eskalation im Nahen Osten – abfedern zu können.
Monika Graf
Salzburger Nachrichten





