US-Zölle führen bisher nicht zu Firmen-Abwanderung

13. Mai 2026, Wien
Österreichs Firmen investieren trotz US-Zöllen nicht mehr in den USA
 - Hamburg, APA/dpa

Ein Blick auf die Direktinvestitionen in die USA zeigt bisher keine Anzeichen für eine Abwanderung österreichischer Firmen zur Umgehung der US-Zölle, geht aus der Außenwirtschaftsbilanz der OeNB für 2025 hervor. Direktinvestitionen aus Österreich ins Ausland wie aus dem Ausland nach Österreich stagnierten 2025 generell. 2026 seien aber einige größere Investitionen angekündigt, was auf eine Belebung hoffen lasse, so Regina Fuchs, Direktorin der Hauptabteilung Statistik.

Der Anstieg der Energiepreise, vor allem bei Rohöl, durch den Krieg im Iran beziehungsweise die Sperre der Straße von Hormuz werde die Leistungsbilanz 2026 zwar negativ beeinflussen, diese Effekte dürften aber weniger stark sein als im Krisenjahr 2022. OeNB-Chefökonom Wolf Heinrich erwartet, dass die gestiegenen Energiepreise heuer den Leistungsbilanzüberschuss um rund 0,75 Prozentpunkte des BIP dämpfen werden. 2022 sei der Effekt bei rund 2 Prozentpunkten gelegen. Das liege einerseits daran, dass die Preise derzeit weniger stark gestiegen sind als bei Ausbruch des Kriegs in der Ukraine vor vier Jahren, andererseits aber auch an der sinkenden Abhängigkeit Österreichs von Öl und Gas.

Es gebe auch positive Entwicklungen für die heimische Leistungsbilanz, hält die OeNB fest. Dazu gehörten „neue und vertiefte“ Handelsabkommen mit der Schweiz, Australien, Indien und den Mercosur-Staaten. 2025 machten diese Märkte zusammen „mit großem Potenzial etwa 8 Prozent der Exporte und strategischen Firmenbeteiligungen aus, was vergleichbar mit dem Anteil der USA ist“. Gut für die heimischen Exporte seien auch die aktuellen Initiativen zur Stärkung des Binnenmarkts innerhalb der EU.

Leistungsbilanz 2025 mit Überschuss

Die heimische Leistungsbilanz, die nicht nur den Handel mit Waren, sondern auch mit Dienstleistungen inklusive Reiseverkehr und Einkommenstransaktionen umfasst, erbrachte im Vorjahr einen Überschuss von 9,5 Mrd. Euro. „Eindeutiger Stabilitätsanker für Österreichs Leistungsbilanz ist und bleibt auch 2025 der Tourismus“, sagt OeNB-Vize-Gouverneurin Edeltraud Stiftinger. Der Überschuss dieses Sektors deckte den ganzen Leistungsbilanzüberschuss ab, da ausländische Touristen in Österreich um 9,7 Mrd. Euro mehr ausgaben, als Österreicher im Ausland. Im Schnitt ließen sich Ausländer hierzulande jede Übernachtung 222 Euro kosten – in Summe 26 Mrd. Euro.

Heuer dürften zwar weniger Fernreisende, insbesondere aus dem arabischen Raum, nach Österreich kommen, das könnte aber durch Gäste aus dem nahen Ausland zumindest teilweise kompensiert werden, erwartet die OeNB. Gäste aus dem arabischen Raum generieren zwar nur rund zwei Prozent der gesamten Reiseverkehrseinnahmen, sind aber für einzelne Reiseziele innerhalb Österreichs bedeutsam.

Die Summe aller Ein- und Ausfuhren von Gütern und Dienstleistungen ist 2025 um 2,7 Prozent auf rund 554 Mrd. Euro gestiegen. Der Warenhandel alleine kam nach Zahlen der Statistik Austria auf 387 Mrd. Euro bei einem Defizit von 6,6 Mrd. Euro. Die OeNB berechnet aber den Güterhandel nach Außenwirtschaftsstatistik, der nicht nur den grenzüberschreitenden Handel sondern beispielsweise auch Exporte österreichischer Unternehmen über ausländische Niederlassungen erfasst. Nach dieser Berechnung brachte der Güterhandel sogar einen Überschuss von gut 5 Mrd. Euro.

APA