Wie sicher ist Österreichs Energie-Infrastruktur?

15. April 2026

Versorgung. Ende März war die wichtigste Ölleitung in Mitteleuropa für drei Tage unterbrochen. Grund dafür war mutmaßliche Sabotage.

Die Bedeutung von Engstellen in der Energieversorgung ist spätestens seit Anfang März den Menschen weltweit bewusst. Denn seit Beginn des jüngsten Kriegs in Nahost blockiert der Iran die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des globalen Öls transportiert wird. Und nachdem keine Einigung zwischen den USA und dem Iran gefunden wurde, startete die US-Navy am Montag ihrerseits eine Blockade der Wasserstraße, um nun auch keine Tanker mit iranischem Öl mehr durchzulassen. Der zuletzt etwas entspanntere Ölpreis schoss in der Folge wieder auf über 100 Dollar hoch.


Österreich ist davon bisher vor allem durch höhere Preise betroffen. So stammt der Großteil des hierzulande verarbeiteten Rohöls aus Kasachstan (56 Prozent) und Libyen (15 Prozent). Doch auch in Europa gibt es Engstellen, die für die Versorgung mit Energie essenziell sind. Eine davon ist die Transalpine Ölpipeline (TAL), die vom Hafen von Triest ausgehend Österreich und Süddeutschland mit Rohöl versorgt. Und auch hier gab es Ende März eine mehrtägige Unterbrechung – mutmaßlich aufgrund von Sabotage.


So knickte am 25. März ein Strommast des italienischen Stromnetzbetreibers Terna knapp südlich der österreichischen Grenze um. Diese Leitung versorgte unter anderem auch die deutlich davon entfernte TAL-Pumpstation in Paluzza. Die TAL-Betreibergesellschaft war daher gezwungen, den Betrieb der Pipeline „ordnungsgemäß und kontrolliert“ herunterzufahren, wie es am Montag heißt. Nach einer dreitägigen Reparatur konnte „die Pipeline planmäßig wieder in Vollbetrieb genommen werden“. Bisher war man dabei von einem Erdrutsch als Ursache für den Zusammenbruch des Strommastes ausgegangen. Wie am Wochenende bekannt wurde, war es jedoch mutmaßliche Sabotage.


Attacken häufen sich


Wer genau für den Anschlag auf den Strommast verantwortlich ist, wird derzeit noch ermittelt. Hierbei ist laut Innenministerium auch der österreichische Geheimdienst DSN in Kontakt mit den italienischen Behörden. Unklar ist auch, ob die Attacke auf die Stromleitung im Bewusstsein um deren Bedeutung für die Pipeline erfolgt ist oder ob dies ein Zufall war. Klar ist jedenfalls, dass der Vorfall die Bedeutung und Fragilität kritischer Infrastruktur zeigt.


Zuletzt häuften sich in Europa die Attacken auf kritische Infrastruktur. So wurden in der Ostsee mehrere bedeutende Unterseekabel beschädigt, weil wahrscheinlich Schiffsanker absichtlich darüber geschliffen wurden. Die Nato vermutet Russland hinter diesen Attacken. Und in Berlin waren Anfang dieses Jahres 45.000 Haushalte und über 2000 Unternehmen tagelang ohne Strom, weil ein mutmaßlich linksextremistischer Anschlag eine Kabelbrücke zerstörte.


Bei der OMV, die mit 32,26 Prozent auch größter Anteilseigner der TAL-Betreibergesellschaft ist, will man zu dem konkreten Vorfall nur wenig sagen – etwa ob es eine Lieferunterbrechung für die Raffinerien in Schwechat gegeben hat, wie es von anderen Raffineriebetreibern bereits bestätigt wurde. „Wir kommentieren keine Lieferkettensachverhalte. Derzeit ist die Versorgung unserer Kunden sichergestellt“, heißt es auf Anfrage der „Presse“.


Klar ist allerdings, dass Burghausen zu 100 Prozent und Schwechat zu „mehr als 90 Prozent“ über die TAL versorgt wird. So wird auch das kasachische Öl in Südrussland auf Tanker geladen und so nach Triest gebracht. Der Rest der heimischen Versorgung (Libyen, Saudi-Arabien, Guyana, Aserbaidschan, Irak) kommt per Schiff. Und die Differenz auf 100 Prozent in der Raffinerie Schwechat ist die stetig sinkende österreichische Eigenproduktion.


Was würde eine längerfristige Unterbrechung der TAL somit für Österreich bedeuten? Bei der OMV verweist man auf die Lagerbestände, die sowohl bei ihr selbst als auch in Form der staatlichen strategischen Reserve gelagert sind. „Ausfälle können für eine bestimmte Zeit abgefedert werden“, heißt es. Laut Wirtschaftsministerium halten die heimischen Ölreserven für etwa 90 Tage.


In der Politik hat man das Thema schon länger am Radar, weshalb per Anfang März 2026 auch das „Resilienz kritischer Einrichtungen Gesetz“ (RKEG) in Kraft getreten ist. Aufgrund dieses Gesetzes wird von der DSN zusammen mit betroffenen Unternehmen eine nationale Resilienzstrategie und eine Risikoanalyse erstellt. Zudem kann die Behörde Unternehmen bei Schutzmaßnahmen nun stärker in die Pflicht nehmen. „Mit dem RKEG wird per Bescheid Infrastruktur als kritische Einrichtung eingestuft und den Betreibern mitgeteilt. Das nimmt sie mehr in die Pflicht. Bisher erfolgte der Austausch durch Sensibilisierungen und Beratungen“, heißt es im Innenministerium zur „Presse“.


„Bewusstsein verbessert“


Es gibt eine konkrete Liste an Unternehmen, die als kritische Infrastruktur eingestuft sind. Diese wird aus Sicherheitsgründen jedoch nicht öffentlich gemacht. „Die betroffenen Unternehmen sind in verschiedenen Bereichen, etwa Energie, Transport, Lebensmittelversorgung oder dem Gesundheitssektor.“ Mit diesen Unternehmen stehe man auch „sehr regelmäßig“ im Austausch.


Grundsätzlich sei das Verständnis für die Bedeutung von kritischer Infrastruktur sehr hoch, attestiert man bei der DSN der heimischen Wirtschaft. „Das Bewusstsein der Unternehmen für das Thema hat sich in den vergangenen Jahren stark verbessert. In manchen Bereichen gibt es aber immer noch Nachholbedarf, weshalb das RKEG nun die Grundlage hierfür bildet.“ Die konkreten Maßnahmen würden dann im Einzelfall mit den Firmen besprochen.

Von Jakob Zirm

Die Presse