
Der Direktor der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, hat Italien dazu aufgefordert, seine ablehnende Haltung gegenüber der Kernenergie neu zu bewerten. Birol argumentierte im Interview mit der italienischen Zeitung „La Stampa“, Italien verfüge über begrenzte eigene Energiequellen. Zwar habe das Land große Fortschritte bei erneuerbaren Energien gemacht, doch brauche es auch eine stabile und kontinuierliche Energieversorgung.
Für wirtschaftliche Stabilität, Energiesicherheit und nationale Souveränität sollte die Kernenergie deshalb sorgfältig geprüft werden – sowohl in ihrer klassischen Form als auch in Form neuer Reaktortypen, so Birol.
Keine aktiven Atomkraftwerke in Italien
Italien verfügt derzeit über keine aktiven Atomkraftwerke und ist stark von Energieimporten abhängig, darunter auch Strom aus nuklearer Erzeugung aus Nachbarländern wie Frankreich. Atomenergie ist im Land nach Volksabstimmungen in den Jahren 1987 und 2011 verboten.
Die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni arbeitet jedoch bereits an einem neuen Rechtsrahmen, der den Weg für eine mögliche Rückkehr zur Kernenergie – einschließlich moderner Technologien wie modularer Reaktoren – ebnen könnte. Ein entsprechender Gesetzesentwurf soll in den kommenden Monaten im Parlament behandelt werden. Die Debatte bleibt in Italien politisch und gesellschaftlich umstritten. Kritiker verweisen auf Sicherheitsrisiken, hohe Investitionskosten und lange Bauzeiten von Atomkraftwerken.
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