Oberösterreich bleibt bei der Windkraft eine Entschleunigungszone

13. April 2026, Linz

Sind Luchse, Elche, Tschechen und die VP-FP-Koalition natürliche Windrad-Gegner?

Energielandesrat Markus Achleitner (VP) war am Donnerstag auf „Energiewendetour“ im Mühlviertel und verwies auf den „oberösterreichischen Weg: konsequenter Ausbau der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz“. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Denn etwa zur selben Zeit wurde bekannt, dass das Land bei der Festlegung der Beschleunigungszonen für den Ausbau der Erneuerbaren konsequent auf der Bremse steht.


Als Beschleunigungszonen sollen jene Gebiete ausgewiesen werden, in denen der Ausbau erneuerbarer Energien durch kürzere und einfachere Verfahren erleichtert werden soll, etwa durch den Entfall von Umweltverträglichkeitsprüfungen. Diese Vorgaben der EU sind dazu da, etwas zu beschleunigen, während das Land Oberösterreich den Eindruck erweckte, ihm sei es wichtiger, Ausschlusszonen festzulegen, die den Ausbau vor allem der Windkraft verhindern sollen.


Wie berichtet, fremdelt vor allem die FP Oberösterreich unter ihrem Obmann und Naturschutzreferenten Manfred Haimbuchner massiv mit Windkraftwerken. Zufällig ist das auch ein Phänomen, das andere rechtspopulistische Parteien in Europa und den USA befallen hat: Der Kampf gegen Windmühlen hat bisweilen religiösen Charakter angenommen und wird mit zum Teil sehr originellen Argumenten unterstützt. Hingegen plädieren die Freiheitlichen laufend dafür, den Russen wieder mehr Gas und Öl abzukaufen, offenbar damit diese den Krieg gegen die Ukraine einfacher finanzieren können. Warum die ÖVP sich vor diesen Karren spannen lässt, wissen nicht einmal ÖVP-nahe Unternehmer, in der Wirtschaftskammer ist man ob der Vorgangsweise von Achleitner ohnehin irritiert.


Fledermaus in Gefahr?


Waren schon bisher nur noch wenig konkrete Beschleunigungszonen für Windkraft vorgesehen, wird nun auch Sternwald (rund um den bestehenden Windpark bei Vorderweißenbach) aus dem Plan genommen. Begründet wird das mit den Einwänden von tschechischer Seite. Dort sehen Windkraftgegner zwölf Fledermausarten beim Lipno-Stausee, die natürlichen Wege von Luchsen, Elchen und anderen Lebewesen gefährdet, Vögel sowieso. Und hässlich seien die Windräder, heißt es aus Böhmen, wo reizende Atommeiler das Landschaftsbild behübschen. Die Opposition ist verärgert. „Haushalte und Industrie brauchen dringend sichere und günstige Energie. Und dafür ist Windkraft unverzichtbar. Selbst von den paar wenigen angekündigten Beschleunigungszonen bleibt jetzt kaum mehr etwas übrig, Schwarz-Blau unterbietet die eigenen mickrigen Ankündigungen sogar noch und liefert den nächsten traurigen Höhepunkt in ihrem langjährigen Energiewende-Versagen“, sagt der Klubobmann der Grünen, Severin Mayr. Auch SPÖ und Neos werfen der VP-FP-Koalition Versagen vor.


Landesrat Achleitner verweist auf die generelle Vorreiterrolle Oberösterreichs bei den Erneuerbaren. Und Sternwald befinde sich ohnehin in einem UVP-Verfahren, habe also gute Chancen auf Umsetzung.
Geschäftsführer Andreas Reichl bestätigt den OÖNachrichten, dass das Verfahren laufe und er zuversichtlich sei, dass das Projekt mit neun neuen Anlagen und gut 100 Millionen Euro Investitionssumme umgesetzt wird.


Die Einwände aus Tschechien, die jenen der Windkraftgegner in Österreich und in der FPÖ frappant ähneln, kann er nicht nachvollziehen. „Luchse und Elche fühlen sich rund um die Windräder wohl. Das lässt sich mit Fotos belegen. Der Rotmilan, der einst geschützt war, siedelt sich sogar hier an, weil er sich offenbar wohlfühlt“, sagt Reichl.


Auch gegen den geplanten Windpark in Sandl wird nach wie vor mobilisiert, auch in Tschechien. Brauchen würden wir mehr Windkraft dringend. Erst diese Woche hat der Chef des größten Netzbetreibers APG gefordert, dass der Windkraftausbau wichtiger sei als der Ausbau der PV-Anlagen. Dass diese Anlagen entlang des oberösterreichischen Wegs stehen werden, ist allerdings unwahrscheinlich.

Oberösterreichische Nachrichten