Energiestudie zeigt Kärntens Stromlücke

16. April 2026

Laut der Austrian Energy Agency muss Energiemix bis 2040 deutlich erhöht werden, um Importabhängigkeit zu lösen.



Die Diskussion rund um die Rolle der Windkraft in Kärnten geht weiter. Mit einer neuen Studie der Österreichischen Energieagentur (Austria Energy Agency) wurde gestern im Landtagsausschuss der letzte Punkt der „Vier-Parteien-Einigung“ behandelt.


Konkret wurden Szenarien der künftigen Stromversorgung aufgezeigt, je nach Erneuerbaren-Ausbau, mit der saisonal bilanziellen Selbstversorgung als Ziel. „Bisher waren sehr viele Mythen und Märchen und unterschiedlichste Zahlen dazu in Umlauf. Wir haben nun endlich eine gesicherte Datengrundlage, auf deren Basis wir weitere Gespräche führen können“, betonte Ausschussvorsitzender Herbert Gaggl (ÖVP) nach der Sitzung.


Die Differenz zwischen dem Strombedarf und der erneuerbaren Stromerzeugung im Winterhalbjahr (Oktober bis März) in Kärnten, die nicht durch Erzeugung gedeckt werden kann und daher durch Importe ausgeglichen werden muss, betrug laut Studie für 2023 12 Prozent bzw. 340 Gigawattstunden. In einem schlechten Wasserjahr würde die Lücke gar auf bis zu 35 Prozent steigen.


Zur Deckung der Winterstromlücke bis 2040 ist laut der Energieagentur ein kräftiger Ausbau des Technologiemix in Kärnten notwendig: Die Wasserkraft müsste umgerechnet 60 Kleinwasserkraftwerke zusätzlich beisteuern. Der Windkraftausbau hängt teils auch vom Ausmaß des PV-Zubaus ab. Hier liegt der Bedarf an Freiflächen je nach Szenario aber zwischen 700 und 880 Hektar. Insgesamt 90 bis 100 Windkraftanlagen sind laut den Energieexperten nötig, um die Winterstromlücke schließen zu können.
Das wären doppelt so viele Windräder wie die Anzahl, auf die man sich politisch verständigt hat. „Wir brauchen Wasser, Sonne und Wind, um Kärntens wachsenden Energiebedarf nachhaltig decken zu können“, betont SPÖ-Klubobmann Luca Burgstaller in einer Aussendung. Aktuell würden noch Atomstrom, Gas und Kohle die Stromlücke füllen.


Bei der Windkraftlösung samt Zonierung bleibe man aber auf Kurs: „Wir bekennen uns ausdrücklich zur getroffenen Lösung in der Windkraftfrage. In Kärnten dürfen also 50 Windräder errichtet werden.“
Die wissenschaftliche Einschätzung zur Entwicklung des Strombedarfs: Von 2023 bis 2040 wird ein Anstieg um rund 65 Prozent prognostiziert. „Es braucht einen ergebnisoffenen Diskurs, wie wir die Importabhängigkeit reduzieren können“, so Gaggl. FPÖ-Klubobmann Erwin Angerer bezeichnet die Studie hingegen als „spekulative Hochrechnung“, in der eine realistische Strombedarfsprognose völlig fehle. Die Pflichten Kärntens für die Energiewende seien längst erfüllt. Noch Potenzial gebe es weiter bei der Wasserkraft, vor allem durch neue Kleinwasserkraftwerke.


Während die FPÖ keinen Handlungsbedarf sieht, stellen sich Team Kärnten, Grüne und Neos hinter einen stärkeren, erneuerbaren Energiemix, um die Lücke zu schließen und teure Stromimporte zu reduzieren.

Von Alexander Tengg

Kleine Zeitung