Öl- und Gasmärkte massiv verunsichert

3. März 2026

Reaktion. Durch die Blockade der Straße von Hormus steigen Großhandelspreise bei Rohöl und Erdgas um bis zu 50 Prozent. Bei Treibstoffen ist besonders Diesel betroffen.

Am Montagmorgen konnte man an Tankstellen immer noch relativ günstig tanken. In Wien, St. Pölten oder Eisenstadt fand man den Liter Benzin noch um 1,45 Euro, Diesel um 1,50 Euro. Zu Mittag sah die Lage schon anders aus. Manche Tankstellen hatten die Preise um 20 Cent angehoben. Das spiegelt die Reaktion der Energiemärkte auf den aktuellen Konflikt im Nahen Osten wider.


„Eskalationsstufe eins“


Der Preis für die in Europa vorherrschende Rohölsorte Brent hat im Frühhandel einen Sprung um bis zu 13 Prozent hingelegt. Später pendelte sich der Preis wieder ein, aber die Verunsicherung ist spürbar groß. „Wir sind in der Eskalationsstufe eins“, sagt Energiemarktexperte Johannes Benigni von JBC Vienna. Die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel der weltweiten Öltransporte per Schiff führen, ist blockiert. Rund 150 Tanker sitzen beidseits der Meerenge fest. Anders als auf dem Seeweg ließen sich 15 Millionen Barrel Rohöl täglich kaum aus dem Persischen Golf befördern. Es gebe zwar zwei Pipelines, mit denen sich die Meerenge umgehen ließe – eine quer durch Saudi-Arabien, eine durch die Vereinigten Arabischen Emirate – deren Kapazität sei aber bereits ziemlich ausgelastet.


Kritische Infrastruktur


Die nächste Eskalationsstufe wäre, wenn Israel und die USA sowie der Iran begännen, Infrastruktur in großem Stile zu zerstören. „Das würde bedeuten, dass der Markt längerfristig beschädigt ist.“ Einen kleinen Vorgeschmack davon gab es aber bereits. Die Raffinerie Ras Tanura in Saudi-Arabien wurde von iranischen Drohnen angegriffen. Sie konnten abgewehrt werden, abstürzende Teile lösten dennoch einen Brand aus.
Besonders verwundbar sei Europa bei Diesel, meint Benigni. Große Mengen des fertig verarbeiteten Treibstoffs werden aus dem Nahen Osten importiert. Drohende Lieferausfälle haben sofort dazu geführt, dass Dieselpreise stark steigen. „Wir sind jetzt wieder auf dem Niveau, als die Russland-Sanktionen verkündet worden sind.“


50 Prozent in einer Woche


Bei Erdgas sind die Preisanstiege dramatisch. Während Großhandelspreise in der vergangenen Woche noch zwischen 32 und 35 Euro pro Megawattstunde pendelten, sind sie am Wochenende auf über 40 Euro gestiegen. Am Montag wurden im Handel für den Folgetag knapp 50 Euro erreicht – eine Steigerung um fast 50 Prozent innerhalb einer Woche.


Die Flüssiggasproduktion in Katar steht nach iranischen Angriffen still. Für die europäische Gasversorgung sei dies unangenehm. Der Kontinent habe aber ein relativ breites Spektrum an Importmöglichkeiten bei Erdgas, sagt Bernhard Painz, Vorstand von Austrian Gas Grid Management (AGGM): „Das Flüssiggas aus Katar kann kompensiert werden.“ Dass der Ausfall bei aktuell milden Temperaturen erfolgt, entspanne die Versorgungslage zusätzlich.


Die OMV sieht die Versorgung mit Öl und Gas als gesichert an. Für den Fall einer länger andauernden Einschränkung der Schifffahrtsroute bereite man jedoch alternative Szenarien vor. Mehrere große Schiffsversicherer kündigten an, dass sie den Versicherungsschutz für Kriegsrisiken in der Region zurückziehen werden. Das macht Transporte teurer.


Verzögerte Auswirkung


Die gestiegenen Großhandelspreise bei Erdgas werden sich auf die meisten Kunden stark zeitverzögert auswirken. Nutzer von Floater-Tarifen (mit monatlicher oder gar stündlicher Preisanpassung) werden sofort mehr bezahlen müssen. Sollte der Preis wieder sinken, profitieren sie wiederum als Erste davon. Painz: „Das ist eine Risikoabwägung der Kunden.“

Kurier