Raffinerieboom lässt bei OMV Milliarden sprudeln

2. November 2026

Der teilstaatliche Ölkonzern OMV verdient kräftig, vor allem mit dem Raffineriegeschäft: Die Marge für ein Fass hat sich mehr als verdreifacht. Die SPÖ hält eine Margenbegrenzung für „sinnvoll“.

Für die OMV läuft das Geschäft rund. Der teilstaatliche Energiekonzern hat im dritten Quartal dank hoher Erdölpreise und außergewöhnlich starker Raffineriemargen kräftig verdient: Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis (CCS) stieg um 68 Prozent auf 2,12 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg infolge höherer Marktpreise, hauptsächlich in den Bereichen Fuels und Energy, auf fast neun Milliarden Euro – ein Umsatzplus von 43 Prozent.


In der Energiesparte gab es eine Steigerung um 51 Prozent auf 936 Millionen Euro. Das Ergebnis je Aktie verdoppelte sich fast auf 3,14 Euro. Das Geschäft mit der Öl- und Gasförderung (Energy) profitierte ebenfalls von den höheren Rohstoffpreisen. Das operative Ergebnis stieg um 51 Prozent auf 936 Millionen Euro. Das Chemiegeschäft hingegen schwächelte: Es verzeichnete einen Rückgang um 72 Prozent auf 63 Millionen Euro.


Geopolitische Situation


„Angesichts der anhaltenden geopolitischen Herausforderungen richteten wir unseren Fokus weiterhin auf einen sicheren und zuverlässigen operativen Betrieb sowie eine disziplinierte Umsetzung unserer Projekte“, sagte Vorstandschefin Emma Delaney. Die langjährige BP-Managerin hat die Führung der OMV erst vor wenigen Wochen übernommen.


Hauptgrund für das gute Ergebnis ist das Raffineriegeschäft (Fuels). Dessen operatives Ergebnis verdreifachte sich nahezu auf 1,12 Milliarden Euro. Die Raffineriemarge hat sich von 11,54 Dollar je Fass im Vorjahreszeitraum auf 37,50 Dollar je Fass mehr als verdreifacht. Die Marge gibt die Gewinnspanne zwischen einem eingekauften Fass Rohöl und dem Marktpreis des Endprodukts, also etwa Diesel, Benzin oder Kerosin, an.


Die Ursache für den starken Preisanstieg liegt in der angespannten geopolitischen Situation im Nahen Osten. Über die Straße von Hormus werden rund 20 Prozent der globalen Öl- und Flüssiggaslieferungen abgewickelt. Der Krieg zwischen den USA und Israel und dem Iran haben die Durchfahrten stark dezimiert. Zwar fahren nun wieder täglich Tanker durch die Seestraße, doch der Iran hat in den vergangenen Wochen Angriffe auf Schiffe intensiviert. Zudem haben die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen die Meerenge von Bab al-Mandab unter Kontrolle und greifen saudi-arabische Ölraffinerien und Ölpipelines an. Neben den Konflikten im Nahen Osten sind auch die Folgen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine eine Ursache für die angespannte Versorgungslage. Denn die russische Raffinerieinfrastruktur wurde zum Ziel von ukrainischen Gegenangriffen.


Vom neuen Gasförderprojekt Neptun Deep erwartet sich die OMV einen großen Beitrag zum Ergebnis. Die Anlage, die im Schwarzen Meer Erdgas fördern soll, sei laut OMV-Chefin Delaney zu „89 Prozent“ fertig. Bei voller Produktion soll das Projekt rund eine halbe Milliarde Euro pro Jahr zum bereinigten CCS-Betriebsergebnis beitragen, sagte Delaney in einer Telefonkonferenz.


Gas aus Neptun Deep ab 2027


Neptun Deep ist das größte Erdgaserschließungsprojekt in der Europäischen Union. Die OMV ist über ihre Tochter Petrom zu 50 Prozent beteiligt, die andere Hälfte gehört dem rumänischen Staatskonzern Romgaz. Die erste Gasförderung ist für die erste Hälfte des kommenden Jahres geplant, die Plateauproduktion soll bis Ende des dritten Quartals 2027 erreicht werden.
Die Offshore-Plattform und die Pipeline zum Festland seien installiert, die Bohrungen für die verbleibenden zwei von zehn Quellen liefen. Bei Erreichen der Plateauproduktion soll das Feld für fast zehn Jahre täglich rund 140.000 Barrel Öläquivalent fördern. Davon entfallen 70.000 Barrel auf OMV Petrom.


Für das Gesamtjahr 2026 plant die OMV organische Investitionsaufwendungen in Höhe von 3,5 Milliarden Euro. Mit Blick auf das Ölgeschäft rechnet die OMV mit einem durchschnittlichen Preis je Barrel Brent-Öl von 95 US-Dollar. Beim Gas wird ein durchschnittlicher Preis von 45 Euro je Megawattstunde (MWh) erwartet. Derzeit liegt der europäische Gaspreis auf einem Rekordhoch von rund 100 Euro je MWh.


Begrenzung „notwendig“


Die Meldung von den hohen OMV-Gewinnen rief auch die Politik auf den Plan. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim hält angesichts der OMV-Quartalszahlen die Spritpreisbremse und die Begrenzung der Gewinnmargen für „sinnvoll und notwendig“. „Es kann nicht sein, dass sich die Ölkonzerne auf Kosten der Bevölkerung eine goldene Nase verdienen, während die Menschen für Sprit immer tiefer in die Tasche greifen müssen“, sagte Seltenheim laut einer Aussendung.
Die Grünen in Deutschland gehen noch einen Schritt weiter: Sie fordern aufgrund der saftig gestiegenen Gewinne der Öl- und Gaskonzerne – Shell und Total Energies erzielen Milliardengewinne – eine Sonderabgabe. „Während wir alle unter hohen Spritpreisen und den Folgen der Klimakrise ächzen, erbeuten Shell, Total und die anderen Ölkonzerne auch in diesem Quartal wieder Rekordprofite“, sagte Lisa Badum der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Standard