Kriege, hohe Nachfrage, Transportkosten – Handlungsbedarf für Haushalte und Firmen
Rohöl ist fast doppelt so teuer wie zu Jahresbeginn, Erdgas drei Mal so teuer. Im Oktober haben die Preise noch einmal stark angezogen. Anfang dieser Woche kostete Öl der Sorte Brent rund 116 US-Dollar pro Fass, der richtungsweisende europäische Gas-Terminkontrakt TTF lag bei knapp 98 Euro pro Megawattstunde.
Das schlägt sich auf Konsumenten und Unternehmen durch. Diesel kostet mehr als zwei Euro pro Liter (zu Jahresbeginn 1,50 Euro). Für Heizöl muss man zwischen 1,80 und 1, 90 Euro zahlen (zu Jahresbeginn 1 bis 1,10 Euro).
„Es ist davon auszugehen, dass sich an dem hohen Preisniveau bei Rohöl und Erdgas in den nächsten Monaten nicht viel ändert“, sagt Johannes Benigni, Chef der Energieberatungsfirma JBC Vienna. Denn der Krieg im Nahen und Mittleren Osten dürfte noch länger dauern, womöglich bis zum Ende der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump Anfang 2029. Die Straße von Hormus ist weiter blockiert, andere Meerengen und Energie-Infrastruktur sind in Mitleidenschaft gezogen.
Preise vergleichen
Die Inflation ist im September auf 3,6 Prozent in Österreich und 3,8 Prozent in der Eurozone gestiegen – weit über den Zielwert der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent. Josef Baumgartner, Ökonom des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo, erwartet, dass die Teuerung in Österreich wegen der Energiepreise und Effekte auf andere Produkte bis Anfang 2027 auf rund vier Prozent steigen wird.
Ab März sollte der Basiseffekt (es ist dann genau ein Jahr her, dass die Preise für Mineralölprodukte nach oben gesprungen sind) die Inflation um etwa einen Prozentpunkt sinken lassen. Aber das absolute Preisniveau bleibt hoch. Und für das Gesamtjahr 2027 wird aus jetziger Sicht etwas unter drei Prozent Inflation prognostiziert.
Hohen Preisen für Heizöl, Diesel und Benzin sind Haushalte und Unternehmen ausgeliefert, wenn man nicht schon auf Alternativen umgestiegen ist. Beim Verbrauch zu sparen, ist eine Möglichkeit.
Bei Gas gibt es aber noch Möglichkeiten, wie Alfons Haber, Vorstand der Regulierungsbehörde E-Control, erklärt: „Man sollte Angebote vergleichen und mit seinem Anbieter verhandeln.“ Denn neue Gasverträge werden derzeit immer noch um einen relativ guten Arbeitspreis von sieben Cent netto pro Kilowattstunde angeboten. Es kommt auf Kündigungsfristen bei bestehenden Verträgen an. „Da aus jetziger Sicht in den nächsten Monaten von steigenden Preisen auch für Endkunden auszugehen ist, kann man sich jetzt noch niedrigere Preise sichern“, sagt Haber.
Die Gründe für die stark gestiegen Gas-Großhandelspreise sind Angriffe gegen Handelsschiffe, Sanktionspolitik und hohe Nachfrage zu Winterbeginn (Gasspeicher müssen aufgefüllt werden). Bei Öl kommt dazu, dass weltweit Lager geleert wurden und China seine Importe wieder erhöht. Bei beiden Energieträgern sind die Transportkosten stark gestiegen, weil Lieferwege beeinträchtigt sind, so Benigni und Baumgartner.
Trump, Netanjahu und Lobby
Dass Trump die Lage im Nahen Osten nach der kurzzeitigen Entspannung Ende Juni doch wieder eskalieren ließ, habe wohl damit zu tun, dass er Israels Premier Benjamin Netanjahu im Kampf gegen den Iran nicht in den Rücken fallen wollte, sagt Benigni: „Und es geht dem US-Präsidenten nicht in erster Linie um Frieden, sondern um Lobbygruppen.“ Die US-Öl- und Gas-Industrie profitiert davon, dass andere Anbieter wie Russland bzw. Katar sanktioniert bzw. abgeschottet sind. Der Energieexperte erwartet, dass Trump auch nach der Wahl in Israel und den US-Kongresswahlen, wie auch immer sie ausgehen, im Nahen Osten im Spiel bleiben wolle.
Oberösterreichische Nachrichten



