Wechsel-Geld

29. Oktober 2026

E-Control Vorstand Michael Strebl erklärt, wie man durch einen Wechsel seines Energielieferanten Geld sparen kann – und worauf man dabei achten sollte.

Hohe Energiekosten sind ein leidiges Dauerthema, das im Winter immer besonders akut wird. Was kann man tun? Viele Haushalte haben keine Alternative: Als Mieter kann man sich sein Heizsystem ja nicht aussuchen. Was bleibt, ist ein Anbieterwechsel bei Strom und Gas. Immer mehr Menschen wollen auf das damit verbundene Einsparungspotenzial nicht verzichten. Tatsächlich ist ein solcher Wechsel ganz einfach und in wenigen Minuten erledigt. Wir haben beim Experten nachgefragt.


Sind in Zeiten angespannter Energiepreise größere Einsparungen beim Wechsel des Gas- oder Stromlieferanten überhaupt möglich?


Das hängt natürlich vom jeweiligen Produkt ab, das man derzeit hat. Wer also einen Tarif mit Fixpreis für Strom zu 10 oder 11 Cent netto pro Kilowattstunde (kWh) hat, bzw. mit rund 6 Cent netto pro kWh für Gas, liegt damit im Augenblick ziemlich gut. Wer aktuell schon mehr zahlt oder ein Produkt mit automatischer Preisanpassung – also einen sogenannten Floater bzw. ein Spotmarktprodukt – hat, muss über den Winter schon mit höheren Preisen rechnen. Die gute Nachricht dabei ist, dass man bei diesen Produkten immer wechseln kann. Hier gibt es keine Bindefristen. Was sich also auf jeden Fall lohnt, ist ein Blick auf den eigenen Liefervertrag bzw. auf die letzte Rechnung und dann ein Vergleich mit den aktuellen Angeboten, die man im Tarifkalkulator der E-Control unter www.tarifkalkulator.at findet.


Manche Marktteilnehmer werben auf verschiedensten Kanälen recht intensiv um Neukunden. Gibt es Gründe, skeptisch zu sein?


Wenn man im Internet oder auch an Pop-Up-Ständen in Einkaufszentren etc. auf interessant klingende Angebote trifft, ist ein anschließender Blick in den Tarifkalkulator immer nützlich. Wenn es den entsprechenden Anbieter dort mit dem jeweiligen Angebot gibt, handelt es sich auf jeden Fall um ein seriöses und in Österreich offiziell als Strom- oder Gaslieferant zugelassenes Unternehmen. Prüfen sollte man auf jeden Fall immer die Art des Angebots. Ist es ein Fixpreisprodukt, hat es eine Preisgarantie oder ist es ein Floater oder gar ein Spotmarkt-Produkt, bei dem man den Strom zum viertelstündlichen Börsenpreis kauft plus Händleraufschlag? Keines dieser Angebote ist besser oder schlechter, man sollte nur überlegen, was zum eigenen Typ passt. Bin ich sehr interessiert und beobachte Preisentwicklungen regelmäßig, dann ist vielleicht ein Floater passend. Wenn ich mich so wenig wie möglich kümmern möchte, dann greift man eventuell eher zu einem Fixpreisprodukt mit Preisgarantie.


Was ist mit Bindefristen?


Was „Klauseln“ wie Bindefristen betrifft, muss man sich in Österreich keine großen Gedanken machen. Hier ist der Verbraucherschutz schon sehr ausgeprägt. Die maximal erlaubte Bindefrist ist ohnehin ein Jahr und das auch nur bei Produkten ohne automatische Preisanpassung. Floater oder Spotmarktprodukte kann man jederzeit wechseln.

Sind einmalige Wechselrabatte nicht ebenfalls eine „Kundenfang“-Strategie? Oder anders gefragt: Wann macht es Sinn, auf so einen einmaligen Wechselrabatt zu setzen?


Rabatte geben Unternehmen aller Art doch immer, um Kunden zu gewinnen. Das ist beim Autohaus nicht anders als im Supermarkt oder eben bei Strom- oder Gasanbietern. Sollte man deswegen auf einen günstigeren Preis verzichten? Das Einzige, was man beachten muss, wenn man so ein Angebot mit Wechsel- oder Neukundenrabatt nimmt, ist, in einem Jahr wieder zu vergleichen, zu schauen, dass man ohne Rabatt nicht zu viel zahlt und sonst wieder zu wechseln.


Wie sieht es mit Preisgarantien aus? Würden Sie zum aktuellen Zeitpunkt eher ein Produkt mit oder ohne Preisgarantie empfehlen?


Als Behörde dürfen wir ja keine Empfehlungen abgeben, aber es kann sich leicht jeder überlegen, welcher Typ man ist. Für aktive Kundinnen und Kunden, die vielleicht auch die Möglichkeit haben, Verbräuche zeitlich zu verschieben, kann ein dynamisches Produkt attraktiv sein. Wer sich lieber möglichst lang nicht damit beschäftigen will, ist wahrscheinlich mit einer Preisgarantie gut unterwegs – jedenfalls wenn der garantierte Preis ok ist. Richtwert wären da derzeit wie gesagt 10 bis 11 Cent/kWh netto für die Energie beim Strom und 6 bis 7 Cent/kWh netto für die Energie bei Gas.


Beim Strom kennt man die Herkunft zu nahezu 100 Prozent. Beim Gas hingegen stammen rund 95 Prozent aus unbekannten Quellen. Wie erklärt sich dieser große Unterschied?


Die Kennzeichnung von Strom oder Gas erfolgt grundsätzlich über Herkunftsnachweis-Zertifikate. Die Ausstellung der Herkunftsnachweise erfolgt immer im jeweiligen Land auf Basis der nationalen Erzeugung und Einspeisung ins öffentliche Netz. Beim Strom gibt es in Europa schon viele Staaten, die eine Kennzeichnungspflicht wie Österreich haben. Zudem wird der Großteil des in Österreich verbrauchten Stroms auch in Österreich produziert. Beim Gas ist das ganz anders. Hier ist Österreich zum überwiegenden Teil auf Importe angewiesen, diese kommen großteils nicht aus Europa. Und selbst in Europa haben bisher nur wenige produzierende Länder ein solches Zertifikatwesen. Zwar wird sich künftig die Herkunft von Gas schon etwas besser verfolgen lassen, eine so hohe Abdeckung wie bei Strom wird man aber vermutlich kaum erreichen.


Manche blicken mit Sorge auf den kommenden Winter. Sind Österreichs Gasspeicher ausreichend gefüllt?


Ja. Der Blick auf die aktuellen Gasflüsse, in die Gasspeicher und auf die Verbräuche der letzten Jahre sagt uns, dass die Gasversorgung für Österreich auch für diesen Winter gesichert ist. Derzeit lagern in Österreichs Gasspeichern rund 70 TWh, was etwa 87 Prozent der österreichischen Jahresnachfrage entspricht. Das Beruhigende ist dabei auch, dass wir nicht mehr – wie noch 2022 – nur von einem Gaslieferanten aus einer Region abhängig sind, sondern Gas aus ganz unterschiedlichen Quellen und von verschiedensten Produzenten nach Österreich kommt. Daher spielen die Speicher auch gar keine so große Rolle mehr, da der Bezug aus diesen verschiedenen Quellen ja auch über den Winter weiterläuft.

Kronen Zeitung