Wie teuer wird der Winter?

8. Oktober 2026

Die kalte Jahreszeit kommt. Und so viel ist sicher: Wohlige Wärme wird nicht günstig. Mit welcher Heizung man am besten fährt und wer tiefer in die Tasche greifen muss.

Aktuell steigen die Preise für Energie deutlich an. Das bereitet vielen Menschen Sorge, denn mit dem Jahreswechsel erhalten die meisten ihre Jahresabrechnung. Billig wird die aktuell anlaufende Heizsaison wohl nicht, die anhaltenden geopolitischen Verwerfungen am Energiemarkt prophezeien nichts Gutes. Gas und Öl werden noch länger teuer bleiben: „Der Preisdruck könnte sich weiter verstärken, da die Nachfrage mit dem Beginn der kalten Jahreszeit auf der Nordhalbkugel steigt und die Länder ihre Reserven wieder auffüllen“, sagte Kristalina Georgiewa, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), bei einer Rede am Mittwoch. Was heißt das für die österreichischen Haushalte? DER STANDARD gibt einen Überblick.


Erdgas


Der Preis für den für Europa richtungsweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF liegt derzeit bei rund 76 Euro je Megawattstunde. Das ist ein Plus von knapp 116 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mit dem US-israelischen Angriff auf den Iran hat der Preis für Gas deutlich zugelegt, weil durch die De-facto-Sperre der Straße von Hormus die Lieferwege unterbrochen sind. Höher war der Preis zuletzt 2022, als der Future nach einem russischen Lieferstopp infolge des Ukraine-Kriegs zeitweise auf über 300 Euro gestiegen war.
In Österreich heizen aktuell rund 850.000 bis eine Million Haushalte noch immer mit Gas. Das entspricht mehr als jedem vierten Haushalt. Hinzu kommt, dass die Gasspeicher erst zu 68,81 Prozent gefüllt sind. Im Vorjahr waren es um diese Zeit bereits 85,2 Prozent.
Ähnlich wie die Sorte Brent beim Rohöl gibt der TTF-Future den Takt für die europäischen Gaspreise und Tarife vor. Die Großhandelspreise kommen bei den Kunden verzögert an. „Ein Großteil der Verträge hat eine Jahrespreisgarantie. Der Preis ändert sich erst nach Ablauf des Vertrages“, sagt Lukas Zwieb, Energieexperte bei der Österreichischen Energieagentur. Kunden mit Verträgen, die sich monats- oder quartalsweise an den Börsenpreisen orientieren, spüren Preissteigerungen schneller.


Heizöl


Rund 443.000 Ölheizungen waren 2024 in Österreich verbaut. Wann der richtige Zeitpunkt zum Tanken ist, ist schwer zu sagen. Derzeit ist Heizöl sehr teuer: Laut Österreichischer Energieagentur kostete es im August um fast die Hälfte mehr als vergangenes Jahr. Denn der Preis von Heizöl ist eng an die Erdölpreise gekoppelt. „Heizöl wird direkt eingelagert und bezahlt. Die Weltmarktpreise kommen sehr schnell bei den Kunden an“, sagt Zwieb. Aktuell muss man für einen Liter im Schnitt 1,80 Euro bezahlen, es gibt jedoch regionale Unterschiede und der Preis pro Liter wird niedriger, je mehr gekauft wird. In Oberösterreich etwa muss man laut Vergleichsportal der Arbeiterkammer Oberösterreich rund 5400 Euro für eine Tankfüllung (3000 Liter) bezahlen. Damit kommt ein durchschnittliches Einfamilienhaus rund ein bis eineinhalb Jahre aus.


Fernwärme


Rund jeder dritte Haushalt in Österreich wird mit Fernwärme versorgt. Zwischen 2021 und 2023 sind die Preise laut Bundeswettbewerbsbehörde um 4 bis 5 Cent pro Kilowattstunde angestiegen. Das liegt vor allem an den Wärmequellen für Fernwärme. Bei der Erzeugung besteht weiterhin eine erhebliche Abhängigkeit von fossilen Energieträgern: 2024 entfielen rund 44 Prozent der eingespeisten Wärme auf Erdgas. „Bei Fernwärme kommen die Entwicklungen an den Energiemärkten noch mal verzögerter als bei Gas an“, sagt Energieexperte Zwieb.


Seit Jänner 2025 sind die Fernwärmepreise relativ stabil. In Oberösterreich wurden sie jedoch mit Anfang August erhöht. In Wien versorgt die Wien Energie rund 480.000 Haushalte mit Fernwärme. Rund die Hälfte der Verträge sind Index-gebunden, die andere Hälfte unterliegt dem von Landeshauptmann Michael Ludwig erlassenen Preisbescheid. Dieser gibt einen Höchstpreis vor, der nicht überschritten werden darf. Zuletzt wurde im Herbst 2022 ein Preisbescheid ausgestellt. „Ob in der kommenden Heizsaison ein Antrag auf einen neuen Preisbescheid gestellt wird, wollte die Sprecherin nicht kommentieren.


Strom


Rund elf Prozent aller Haushalte verfügen über Wärmepumpen. Sie gelten als effizient, umweltfreundlich und günstig im Betrieb. Dem stehen hohe Anschaffungskosten gegenüber. Daneben heizen rund sechs Prozent der Österreicher mit Stromdirektheizungen, also etwa Infrarotheizungen oder Heizlüftern. Strom ist laut Energieagentur im Vergleich zum Vorjahr um rund elf Prozent günstiger, aber auch auf dem Strommarkt werden sich die internationalen Entwicklungen widerspiegeln. „Für Strom gilt ähnlich wie für Erdgas: Die Preisanpassungen werden in den kommenden Monaten schlagend werden“, sagt Zwieb. Laut Verband Wärmepumpe Austria kommt eine Wärmepumpe bei einem Einfamilienhaus mit 20.000 kWh Jahresgasverbrauch auf Kosten zwischen 1260 und 1440 Euro pro Jahr.


Pellets und Holz


Pellets sind laut Energieagentur um 32 Prozent teurer als im Vorjahr. Eine Tonne Pellets kostet aktuell 419 Euro. Wer etwa ein Haus mit 200 Quadratmetern Wohnfläche und 100 kWh/m2 Heizwärmebedarf mit einer Pelletsheizung auf Temperatur bringen will, zahlte im Vorjahr für Pellets 1480, heuer hingegen 1981 Euro, rechnete jüngst etwa der Kachelofenverband vor. Erfahrungsgemäß steigen die Preise in den kalten Monaten weiter an. In Österreich sind rund 240.000 Pelletkessel und Pelletheizungen in Betrieb. Gar nicht so wenige haben auch einen Kachelofen im Einsatz. 460.000 gibt es in Österreich, in rund elf Prozent aller Haushalte. Zumindest die Holzpreise sind relativ stabil. Für die vom Verband erstellte Beispielrechnung einer 200 Quadratmeter-Einheit fallen die Heizkosten mit 1581 Euro am günstigsten aus. Im Vorjahr waren es 1447 Euro.

Der Standard