Konzerne geben deutschen Tankrabatt nicht komplett weiter

7. Oktober 2026, München

Der seit 1. Oktober geltende neue Tankrabatt der deutschen Bundesregierung kommt dem Ifo-Institut zufolge bisher größtenteils, aber nicht vollständig an den Zapfsäulen an. Beim Diesel haben die Tankstellen in den ersten fünf Tagen von den 17 Cent Steuersenkung je Liter durchschnittlich 15 Cent weitergegeben, wie die Münchner Forscher am Mittwoch mitteilten. Beim Superbenzin E5 waren es demnach durchschnittlich gut 16 Cent und bei Super E10 15 Cent.

„Am 1. Oktober wurde der Rabatt vollständig weitergegeben, während die Weitergabe am Wochenende unvollständig blieb“, sagte der stellvertretende Leiter des Ifo-Zentrums für Finanzwissenschaft, Florian Neumeier.

Kritiker: Spritsparen wäre sinnvoller

Angesichts der aktuellen Verknappung des Angebots trage diese Maßnahme nicht dazu bei, weniger Diesel und Benzin zu verbrauchen, kritisieren die Forscher. „Der Tankrabatt ist außerdem wenig zielgenau“, sagte Ifo-Experte Christian Gréus. „Haushalte mit geringem Einkommen, kleinen Autos und geringer Kilometerleistung profitieren kaum von diesem Entlastungspaket.“

Neumeier betonte, stattdessen solle der Verbrauch eingeschränkt werden. Ein höherer Preis biete dafür einen Anreiz. Zudem verzerre der Rabatt Kaufentscheidungen: Wer einen Benziner kaufe, mache sich von der Golfregion abhängig. Das solle der Preis auch zeigen.

Mehr E-Autos verkauft

Die hohen Spritpreise und die staatliche Förderung lassen Autokäufer in Deutschland verstärkt zu Elektrofahrzeugen greifen. Allein im September wurden 88.599 Elektroautos neu zugelassen, das sind fast doppelt so viele wie im Vorjahr, wie das Kraftfahrt-Bundesamt ermittelte. Der Marktanteil der Fahrzeuge stieg auf 34,5 Prozent und lag damit nur noch knapp unter dem Marktanteil der Hybridautos. Dieselfahrzeuge und Benziner rutschten dagegen kräftig ab.

Die staatlich subventionierte Entlastung gilt noch bis Ende Dezember. Sie soll die zuletzt stark angezogenen Spritpreise im Zuge des Krieges in Nahost um knapp 17 Cent je Liter Diesel und Benzin drücken. Der umstrittene Tankrabatt wird rund 2,5 Milliarden Euro kosten, die von Bund und Ländern je zur Hälfte getragen werden. 14 Cent je Liter gehen auf die Senkung der Energiesteuer zurück, wodurch noch einmal 3 Cent bei der Mehrwertsteuer entfallen. Schon im Mai und Juni hatte es einen Tankrabatt gegeben.

Rekordhohe Spritpreise haben die Inflation im September auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren getrieben. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich um 3,3 Prozent zum Vorjahresmonat, nach 2,9 Prozent im August. Der Tankrabatt dürfte die Inflation etwas dämpfen, erwarten Ökonomen.

APA/ag