
In einem europäischen Städte-Ranking der Umweltorganisation Greenpeace zum Gasausstieg beim Heizen ist Wien unter 15 Hauptstädten auf dem dritten Platz gelandet. Während die Bundeshauptstadt für ihre Strategien Höchstnoten erhält, ziehen der hohe Gasanteil in der Fernwärme und die Müllverbrennung die Bewertung nach unten. Die Vergleichsstudie basiert auf offiziellen Daten der EU-Kommission, richtet ihre Bewertungsmaßstäbe jedoch an den politischen Kriterien der NGO aus.
Wien erzielt im Gesamtergebnis 81,4 von 100 Punkten und rangiert hinter Stockholm (91,8) und Paris (83,5). In den Kategorien Politik sowie Governance/Finanzen erreicht die Stadt mit dem „Wärmeplan 2040“ und dem Programm „Raus aus Gas“ jeweils die volle Punktezahl von 100. In der Kategorie Emissionen und Ergebnisse kommt Wien hingegen nur auf 60 Punkte. Der Bericht verweist darauf, dass die Wiener Fernwärme weiterhin zu über 60 Prozent von fossilem Erdgas abhänge und rund ein Drittel der Wärme aus thermischer Abfallverwertung stamme.
Das Papier wurde vom Berater Mehmet Börühan Bulut für Greenpeace erstellt. Die Studie nutzt zwar harmonisierte EU-Emissionsdaten (EDGAR) und orientiert sich an OECD-Leitlinien, legt aber Kriterien der NGO an. Wiens Punkteverluste resultieren aus den Ist-Werten im Fernwärmemix und bei den Emissionen. Zudem deckelt die Methodik die Note für Fernwärmesysteme ab einem Müllverbrennungsanteil von 20 Prozent und wertet auch temporäre Gas-Investitionen als Verfehlung.
Stadtregierung sieht sich bestätigt, Kritik von Opposition
Erfreut über die Platzierung Wiens in dem Ranking zeigte sich am Dienstag die Stadtregierung. „Das Ranking ist eine Bestätigung für den Wiener Klimaweg und motiviert uns, stetig weitere Schritte zu setzen“, sagte Bürgermeister Michael Ludwig laut Aussendung. „Wir wollen, dass alle Wienerinnen und Wiener künftig leistbare, sichere und klimafreundliche Wärme und Kälte bekommen. Der Gasausstieg ist dabei eine der wichtigsten Maßnahmen“, so Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (beide SPÖ).
Zu langsam geht der Ausstieg aus Gas in der Stadt hingegen für die Wiener Grünen. Entscheidend sei nicht nur, „welches Ziel man sich für 2040 setzt und wie viel Geld man investiert, sondern ob und wie schnell man dieses Ziel auch erreicht. Und hier sind wir in Wien noch nicht, wo wir sein wollen“, kritisierte Parteichef Peter Kraus in einer Aussendung. Beim aktuellen Tempo würde es demnach noch mehr als fünfzig Jahre dauern, bis alle Wiener Haushalte auf nachhaltigere Heizsysteme umgestiegen sind.
Die Umweltorganisation Global 2000 forderte unterdessen Gesetze zum Gas-Ausstieg auf Bundesebene. „Ohne die rechtliche Ermöglichung von verbindlichen Gasnetzstillegungsplänen können die guten Vorhaben von Wien, sowie anderen Städten und Bundesländern nicht umgesetzt werden“, so die Kritik.
APA




