Energieexperten erwarten weiter steigende Energiepreise im Winter. Mit Verzögerung werden sich die Preisturbulenzen auf der Stromrechnung niederschlagen.
Alle, die jetzt Heizöl für den Winter bestellen müssen, haben es schon gemerkt. Für das Auffüllen des Tanks muss ein Durchschnittshaushalt bis zu 80 Prozent mehr zahlen als vor einem Jahr. Der Preisanstieg liegt damit deutlich über dem von Rohöl. Verantwortlich dafür sind der Krieg im Iran und die dadurch verursachten Sperren der wichtigen Transportwege Straße von Hormuz und Bab al-Mandab. „Diesel, Kerosin und Heizöl wurden bisher zu circa 30 Prozent aus dem arabischen Raum nach Europa verkauft. Nun mussten sich die europäischen Staaten umorientieren und haben viel in den USA eingekauft, wo es mehr kostet“, sagt der frühere E-Control-Chef Walter Boltz.
Der Preis von Rohöl ist um 30 bis 35 Prozent gestiegen und es herrscht keine Knappheit, wie der Energieexperte betont. Doch die europäischen Staaten können Mineralölprodukte wie Diesel, Kerosin und Heizöl nur teilweise selbst herstellen. Eine entsprechende Umrüstung der Raffinerien würde Jahre dauern. Daher bleibt nur der Import aus deutlich teureren Ländern. Das wird aufgrund der durch den Krieg zerstörten Raffinerie-Infrastruktur noch länger so bleiben. Zusätzliche Dynamik entsteht durch die Dieselpreisdiskussion in den USA. Denn die Bevölkerung empört sich über Kosten von sechs Dollar pro Gallone (1,39 Euro/Liter), was US-Präsident Trump unter Druck setzt. „Man kann nicht ausschließen, dass Trump den Export beschränkt“, sagt Boltz. Er geht davon aus, dass die Preise in der gesamten Heizsaison hoch bleiben werden: „Es gibt keine Entwarnung. Wir werden in den sauren Apfel beißen müssen.“ Denn auch viele Lager in verschiedenen Staaten sind nicht mehr so gut gefüllt wie im Frühjahr. Unter anderem fängt jetzt China wieder an, Öl einzukaufen und die Nachfrage steigt, was die Preise antreibt. Frühestens im Sommer 2027 könnte eine gewisse Entspannung spürbar werden.
Als „nicht so dramatisch“ beurteilt Boltz die im Vergleich zum Vorjahr niedrigeren Füllstände in den österreichischen Gasspeichern. Denn Österreich habe eine strategische Gasreserve, liege an einem Knoten in der Versorgung anderer Länder und insgesamt sei genug eingelagert. Allerdings ist wohl mit Preissteigerungen zu rechnen, was auch die Teuerung aufgrund der hohen Abhängigkeit der Industrie vom Gas anheizen wird. Im Sommer lag der Großhandelspreis von Gas noch bei 35 Euro pro Megawattstunde, mittlerweile sind es 70 Euro – Tendenz steigend. Das liegt auch daran, dass Länder wie Deutschland sehr niedrige Speicherstände haben und die Nachfrage steigt. „In Österreich gibt es genug Gas, aber die Versuchung für heimische Anbieter wird wohl groß sein, nach Deutschland zu liefern.“
Am Weltmarkt fehlende Erdgasmengen und die Trockenheit, die die Stromproduktion aus Wasserkraft um 30 bis 40 Prozent einbrechen ließ, werden die Strompreise in Österreich nach oben treiben, erwartet der CEO der Oekostrom AG, Ulrich Streibl. Ein Energieversorger zahle aktuell 16 Cent je kWh beim Stromeinkauf. „Wer heute einen 10-Cent-Tarif anbietet, macht einen Verlust“, kritisiert Streibl, „das Phänomen der 10-Cent-Tarife öffentlicher Unternehmen ist politisch gewollt.“ Energiewirtschaftlich sei das „nicht darstellbar“. In der Beschaffung werde Strom noch teurer: In den Winterquartalen kostet er schon mehr als 20 Cent/kWh.
Die Konsequenz: Auch Haushalte müssen bald mehr zahlen. Denn noch hatten sich viele Anbieter, auch die Oekostrom AG, vor der Iran-Krise günstige Strommengen gesichert. „Aber für alle, die jetzt einkaufen, wird es sehr teuer.“ Das schlage sich durch, meint Streibl: „Ich glaube, dass wir Ende 2026, Anfang 2027 bei Strompreisen für Haushalte einen Preiskorridor zwischen 15 und 20 Cent sehen werden.“ Ab 2028 sollten die Preise für Haushaltsstrom dann wieder sinken.
Es brauche daher einen massiven Ausbau der Windkraft, der PV sowie der Wasserkraft, um die von fossilen Brennstoffen verursachten Preisspitzen zu glätten. „Deswegen habe ich kein Verständnis für einen Landeshauptmann Fellner, der sagt, er hasse Windräder.“ Nicht unmittelbar, aber langfristig könnte der Ausbau von Erneuerbaren und von Batteriekapazitäten Österreich deutlich günstigere Preise bringen, ist auch Boltz überzeugt. In Kalifornien, Australien und Spanien habe man das bereits erfolgreich umgesetzt. Doch hierzulande bremse der Staat den Ausbau mit (zu) langen Verfahren und Unklarheiten über Anschlussbedingungen für Batteriespeicher. Solche würden „uns helfen, möglichst wenig von Gasstrom abhängig zu sein“, meint auch Streibl. Die Oekostrom AG will daher an jedem Produktionsstandort Batteriespeicher errichten. Alleine sechs Millionen Euro kostet der geplante 20-MW-Batteriespeicher in Parndorf. Eines von vier Projekten, die durch eine Kapitalerhöhung finanziert werden sollen.
Von Bettina Auer und Uwe Sommersguter
Kleine Zeitung





