Rechenzentren brauchen strikte Regeln

29. September 2026, Wien

Hoher Energiebedarf müsse an die Stromnetze angepasst und besser gesteuert werden, sagen Forscher der TU Wien.


Nicht erst seit der intensiven Debatte über das in Bau befindliche Google-Rechenzentrum in Kronstorf ist der hohe Energiebedarf solcher Bauwerke ein nicht gelöstes Problem. Eine Studie eines von der TU Wien angeführten internationalen Forschungsteams kommt nun zum Schluss, dass sich Rechenzentren künftig an die Kapazitäten des Stromnetzes anpassen müssen und nicht umgekehrt.


Bisher würden Rechenzentren in der Planung der Stromnetze als gewöhnliche Verbraucher betrachtet, die jederzeit die gewünschte Anschlussleistung erhalten müssten. Das ließe sich allerdings ändern. Um die Lasten im Netz besser zu verteilen, könnte beispielsweise das Training großer KI-Modelle zu Zeiten stattfinden, in denen besonders viel erneuerbare Energie verfügbar sei. Das ließe sich mit Verträgen umsetzen, die neben einer garantierten Basisleistung eine bei Netzüberlastung vorübergehend reduzierbare Zusatzleistung vorsehen.


Eine US-Modellstudie habe ergeben, dass bereits eine Drosselung von höchstens 35 Stunden pro Jahr ausreiche, um die Netzkapazitäten nicht zu überschreiten. Rechenzentren würden nicht zwingend dort errichtet, wo billiger Strom verfügbar sei. Für die Entscheidung über den Standort sei der Status des Netzausbaus wichtiger, sagt Reda El Makroum vom Institut für Energiesysteme und Elektrische Antriebe der TU Wien. Gut geplant könnten Rechenzentren ein funktionierender Teil eines zukunftsfähigen Energiesystems werden. Ohne bessere Steuerung der Lasten bestehe die Gefahr, dass beim Boom der künstlichen Intelligenz vermehrt auf fossile Energiequellen zurückgegriffen werde. So waren Ende 2025 in den USA 39 Prozent der geplanten Gaskraftwerksleistung für Datenzentren vorgesehen. wie

Salzburger Nachrichten