
Deutschland geht nach den Worten des Chefs des Gasimporteurs VNG trotz ungewöhnlich niedriger Füllstände in den Gasspeichern ohne unmittelbares Versorgungsrisiko in den Winter. „Verglichen mit 2022 ist das System in Summe deutlich robuster“, sagte Vorstandschef Ulf Heitmüller in einem am Montag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Er verwies unter anderem auf Importe von Flüssigerdgas (LNG).
„Wir haben mehr Zugang zu LNG und wir haben uns, was die Bezugsquellen angeht, breiter aufgestellt.“ Die deutschen Gasspeicher sind nur zu 57 Prozent gefüllt. Dies ist ein historischer Tiefstand für Ende September und liegt deutlich unter dem europäischen Durchschnitt. In Österreich sind die Gasspeicher aktuell zu 68 Prozent gefüllt, im Vorjahr betrug der Füllstand Ende September 2025 rund 86 Prozent.
Das Leipziger Unternehmen VNG, das mehrheitlich dem Versorger EnBW gehört, ist neben den verstaatlichten Energiekonzernen Uniper und Sefe einer der größten deutschen Gasimporteure. Sein Unternehmen habe das Portfolio so aufgestellt, dass es seine Lieferverpflichtungen auch bei einem kalten Winter erfüllen könne, betonte Heitmüller.
Gaspreise in 2026 mehr als verdoppelt
VNG bezieht Pipeline-Gas aus Norwegen und hat Verträge über Lieferungen aus Algerien und Aserbaidschan abgeschlossen. Diese Lieferanten haben seit dem Wegfall der russischen Pipeline-Lieferungen an Bedeutung gewonnen. Heitmüller wies darauf hin, dass die Gasspeicherung zwar Teil der Versorgungssicherheit sei, aber nicht der einzig entscheidende Faktor. „Es ist mehr ein Zusammenspiel aus Speichern, Importen und LNG-Verfügbarkeiten.“ Zusätzliche Importausfälle, eine Verknappung auf dem globalen Energiemarkt oder Störungen der Infrastruktur in Verbindung mit kälterem Wetter in diesem Winter könnten gleichwohl zu Preisspitzen führen.
Die europäischen Gaspreise haben sich in diesem Jahr auf rund 75 Euro pro Megawattstunde (MWh) mehr als verdoppelt, nachdem die Schließung der Straße von Hormus im Zuge des Iran-Kriegs das weltweite LNG-Angebot eingeschränkt hatte. EU-Energiekommissar Dan Jorgensen warnte in der vergangenen Woche, der Staatengemeinschaft drohe in diesem Winter eine Energiepreiskrise. Die Bundesregierung hat Forderungen nach direkten Eingriffen zur Erhöhung der Speichermengen bisher widerstanden, unterstützt jedoch die Ausschreibung von Reservegas für das erste Quartal 2027. Heitmüller begrüßte diesen Schritt. Er schaffe Anreize zur Gasspeicherung, ohne den Markt zu verzerren.
APA/ag




