Studie: Strommarktöffnung wirkte positive auf Wirtschaft

8. September 2026, Wien
Öffnung des Strommarktes wirkte laut Studie dämpfend auf Teuerung
 - Lassee, APA/THEMENBILD

Vor 25 Jahren wurde der österreichische Strommarkt für Haushaltskunden geöffnet, seither kann der Lieferant frei gewählt werden. Eine Studie der Energieagentur im Auftrag der E-Wirtschaft zeigt nun, dass sich die Umstellung positiv auf Preise, Beschäftigung, Wirtschaftsleistung und Inflation ausgewirkt hat. „Die Strommarktliberalisierung hat ihre Bewährungsprobe bestanden“, attestierte Energieagentur-Geschäftsführer Franz Angerer auf einer Pressekonferenz am Dienstag.

Der Bruttostrompreis, der neben dem Preis für Strom auch die Netzgebühren sowie Steuern und Abgaben enthält, habe sich in dem Zeitraum inflationsbereinigt relativ stabil entwickelt und lag für Haushalte in etwa zwischen 25 und 30 Cent je Kilowattstunde, erklärte Angerer. Unmittelbar nach der Liberalisierung seien die Strompreise gesunken, unter anderem gestiegene Ökostromabgaben ab 2005 und die Finanzkrise 2008 hätten wieder einen Anstieg bewirkt. Einen weiteren Preissprung brachte die Energiekrise ab 2022.

Preise durch Liberalisierung weniger gestiegen

Die Liberalisierung habe für mehr Wettbewerb in der Erzeugung und unter Lieferanten gesorgt und die Netzgebühren seien deutlich gesunken, sagte Angerer. Die Energieagentur hat die Preisentwicklung seit der Öffnung des Strommarkts bis 2025 mit einem fiktiven Szenario ohne diese Umstellung verglichen. Die Liberalisierung habe demnach für Haushaltskundinnen und -kunden um 16,3 Prozent günstigere Preise gebracht, was 509 Mio. Euro jährlich bzw. 12,7 Mrd. Euro insgesamt entspreche. Für Nicht-Haushalte fiel der Effekt kleiner aus, auch weil dort bereits vor 2001 teilweise liberalisiert wurde. Hier waren die Preise im Zeitraum von 2000 bis 2025 um 2,5 Prozent niedriger, was insgesamt 2,5 Mrd. Euro ausmache.

Weiters hat sich die Liberalisierung laut Energieagentur bis 2022 jährlich mit plus 0,11 Prozent positiv auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) und mit minus 0,2 Prozent dämpfend auf die Inflation ausgewirkt. Außerdem habe die Öffnung pro Jahr rund 2.700 zusätzliche Jobs gebracht. Mit der Energiekrise ab 2022 sei das angewendete ökonometrische Modell weniger belastbar, die positiven Effekte hätten sich abgeschwächt, seien aber weiterhin vorhanden. Während der Krise habe der Marktmechanismus gegriffen und den Verbrauch gesenkt.

Branche sieht „Erfolgsmodell“

„Für die Branche ist die Liberalisierung ein ganz klares Erfolgsmodell“, sagte Oesterreichs-Energie-Präsident Michael Baminger. Für Kundinnen und Kunden sieht er große Vorteile durch den Wettbewerb und die Wahlfreiheit. Die Versorgungssicherheit sei 2025 stabil gewesen wie nie zuvor. Auch für den Ausbau der erneuerbaren Energie habe die Liberalisierung die Grundlage gelegt. Baminger plädierte für mehr Tempo beim Ausbau der Erneuerbaren, der Speicher und der Netze. Notwendig dafür seien schnellere Genehmigungsverfahren und ausreichend Flächen. Baminger sprach sich unter anderem für die Implementierung von der CO2-Abtrennung und -Speicherung (CCS – Carbon Capture and Storage) und für die Aufhebung des CO2-Speicherverbots aus und betonte die Notwendigkeit von Maßnahmen zum Schutz der Energieinfrastruktur, etwa vor Cyberangriffen und Sabotageakten.

APA