Norwegen will Arktis-Öl auch gegen Willen der EU fördern

24. August 2026, Stavanger

Norwegen geht in der Energiepolitik auf Konfrontationskurs zur EU. Das skandinavische Land will ungeachtet der Haltung der EU an seinen Plänen zur Öl- und Gasförderung in der arktischen Barentssee festhalten, wie Energieminister Terje Aasland am Montag der Nachrichtenagentur Reuters sagte. „Wir werden diese Gebiete erschließen, und dann wird es an der EU liegen, ob sie ein Moratorium für den Kauf dieses Gases oder Öls verhängen will“, erklärte Aasland.

Angesichts der geopolitischen Sicherheitslage und der Ressourcenknappheit diene eine fortgesetzte Aktivität in der Barentssee sowohl norwegischen als auch europäischen Interessen. Die EU befürwortet aus Umweltschutzgründen eigentlich ein Verbot neuer Bohrungen in der Arktis.

EU erwägt Neubewertung ihrer Politik

Die Union erwägt jedoch angesichts von Sorgen um die Energiesicherheit eine Neubewertung ihrer Politik. Seit der russischen Invasion in der Ukraine 2022 ist Norwegen zum größten Gaslieferanten Europas aufgestiegen. Das Land deckt rund 30 Prozent des Bedarfs der EU und Großbritanniens. Es will seine Öl- und Gasproduktion mindestens bis 2035 auf dem derzeitigen Niveau halten. Ohne die Erschließung neuer Vorkommen droht die Förderung nach offiziellen Prognosen jedoch nach 2030 stark zu fallen. Norwegen gehört nicht der EU, aber dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) an.

Der Chef des norwegischen Ölkonzerns Equinor, Anders Opedal, sagte, Öl und Flüssigerdgas (LNG) aus der Barentssee könnten in die ganze Welt geliefert werden, sollte die EU sie ablehnen. „Das Einzige, was darunter leiden wird, ist tatsächlich die europäische Sicherheit“, betonte Opedal.

Norwegen will nicht grüne Batterie Europas sein

Der norwegische Energieminister Aasland erteilte zudem der Vorstellung eine Absage, Norwegen könne als „grüne Batterie“ für Europa dienen. Diese Idee sei fehlerhaft gewesen, sagte der Minister. Diese Politik hatte zwar den Bau neuer Stromverbindungen, unter anderem nach Deutschland, vorangetrieben. Wegen der in der Folge gestiegenen Strompreise stößt sie in Norwegen jedoch auf Widerstand. Aasland sagte, Norwegen werde keine neuen Verbindungsleitungen bauen, bleibe aber einer engen Zusammenarbeit im Stromsektor mit Europa verpflichtet. Er forderte die Länder auf dem Kontinent auf, ihre eigene stabile Stromversorgung zu stärken.

Die norwegische Regierung zieht unterdessen im Streit um die Ölförderung vor das Oberste Gericht des Landes. Sie will damit ein Urteil niederer Instanzen kippen lassen, das die Genehmigungen für drei Ölfelder wegen mangelnder Klimaprüfung für ungültig erklärt hatte. Geklagt hatten die Umweltorganisationen Greenpeace und Friends of the Earth. Die Regierung argumentiert, ihre nachträglichen Prüfungen der Klimawirkungen seien ausreichend. Zwei der betroffenen Felder sind bereits in Betrieb, während das dritte im kommenden Jahr die Produktion aufnehmen soll.

APA/Reuters