Österreich importiert nachts zwischen 2000 und 3000 Megawatt, Hauptlieferant ist Frankreich. In der jüngsten Dürreperiode mit weniger Wasserkraft stieg unser Bedarf an.
Mit einer klaren Aussage sorgt Gerhard Christiner, Vorstand der Netzbetreibergesellschaft Austrian Power Grid AG (APG), für Aufsehen: „Österreich lebt vor allem in der Nacht von Atomstromexporten aus Frankreich.“ Eine unbequeme Wahrheit für ein Land, das stolz auf seine Wasserkraft und den Erneuerbaren-Ausbau ist.
Christiner liefert Zahlen: Während Deutschland nachts rund 5000 Megawatt importiert, sind es in Österreich 2000 bis 3000 MW. Es handle sich nicht um einen Ausnahmezustand – im Winter, wenn Photovoltaik kaum Strom liefert, sei die Importabhängigkeit sogar noch größer als im Sommer. Doch auch in der jüngsten Dürreperiode mit weniger Wasserkraft ist unser Bedarf an Atomstrom gestiegen.
Erneuerbare Energie liefert nicht immer und konstant Hauptgrund: Erneuerbare liefern nicht konstant. Tagsüber kann Photovoltaik mit 11.000 MW installierter Leistung den Bedarf decken, doch sobald die Sonne verschwindet, bricht die Produktion ein. Pumpspeicher reichen nicht aus, die Lücke wird durch Importe geschlossen. Der größte Lieferant: Frankreich mit 63.000 MW Nuklearkapazität. Abends exportiert es 10.000 bis 15.000 MW – genug, um Europas Defizite auszugleichen. „Das wahre Back-up Europas ist noch immer die Atomkraft“, so Christiner.
Er warnt vor falschem Vertrauen in die Erneuerbaren: „Der Glaube, wir hätten schon ausreichend, ist ein Trugschluss.“ Ohne massiven Ausbau von Speichern und Netzen bleiben wir abhängig. Zwar gebe es Anschlussbegehren für 15.000 MW Wind- und PV-Leistung, doch die Netzkapazität reiche nicht aus. Die Politik habe mit Gesetzen zwar Fortschritte erzielt, doch die Umsetzung hapere.
Christiner stellt klar: Wer die Abhängigkeit beenden will, muss mehr in Erneuerbare investieren. Bis dahin ruht Österreichs Stromversorgung auch auf französischer Atomkraft.
Vergil Siegl
Kronen Zeitung



