Die Anschlussanfragen übersteigen den Bedarf um das Fünf- bis Achtfache. Die neuen Netztarife sollen den Netzausbau steuern.
Die E-Control dämpft die Goldgräberstimmung bei Großbatteriespeicher-Projekten in Österreich. Laut der Regulierungsbehörde übersteigen die Netzanschlussanfragen den Bedarf um das Fünf- bis Achtfache. „Es gibt eine absolute Überzeichnung“, sagt Vorstand Alfons Haber am Donnerstag. Bis zu 25 Gigawatt (GW) sind bei Netzbetreibern angefragt, darunter viele Mehrfachanfragen. „Wir gehen davon aus, dass es in den nächsten zehn Jahren einen Bedarf von drei bis fünf Gigawatt geben wird.“ Damit ließe sich in nachfragestarken Zeiten fast die Hälfte des Stromverbrauchs Österreichs decken.
„Nicht jeder Speicher ist systemdiendlich“
Österreich brauche zwar Speicher, „aber nicht jeder Speicher ist auch netzdienlich“, betont Haber. Großspeicher mit einer Leistung von mindestens einem Megawatt (MW) können, wie bisher Pumpspeicher, für 20 Jahre von den Netzentgelten befreit werden, wenn sie „systemdienlich“ sind und dazu beitragen, dass beim milliardenschweren Netzausbau gespart werden kann. Ob das der Fall sei, hänge vom Standort und der Betriebsweise ab, so Haber, also etwa, ob der Netzbetreiber in Stunden mit hoher Netzlast den Speicher drosseln darf. Für Haushalte mit Photovoltaikanlagen, die in der Regel kleinere Stromspeicher haben, soll es einen Netzrabatt geben, wenn der Netzbetreiber die PV-Anlage und den Speicher steuern kann.
Der künftige Umgang mit Speichern ist Teil der seit Jahren diskutierten Reform der Netztarife, die die E-Control vor 14 Tagen in Begutachtung geschickt hat. Damit wird das sogenannte „Systemnutzungsentgelt“ ab Jänner 2027 erstmals nicht mehr nur von den verbrauchten Kilowattstunden (kWh) abhängen, sondern zur Hälfte davon, wie stark das Netz belastet wird. Nach Berechnungen der E-Control sollen drei Viertel der Haushalte von der Umstellung profitieren. Bei Wärmepumpen- bzw. E-Auto-Besitzern sowie Gewerbebetrieben werde es vom Energiemanagement, den Betriebszeiten bzw. der Ladeintensität abhängen. „Grundsätzlich hat jeder die Möglichkeit, das zu steuern“, ist Co-Vorstand Michael Strebl überzeugt. Der Grundsatz laute: „Wer das Netz stärker belastet, soll mehr zahlen.“ Der gebürtige Salzburger und frühere Chef der Wien Energie hat im März Wolfgang Urbantschitsch an der Spitze der Behörde abgelöst. Neu ist auch, dass es für die nachfrageschwachen Nachtstunden im Winter einen Netzgebührenrabatt geben soll.
Welche der vielen Batterieprojekte umgesetzt werden, wird nach Ansicht Strebls der Markt regeln. „Wenn Speicherbetreiber ein gutes Business-Modell sehen, werden sie es umsetzen.“ Erste Großspeicher finden sich in der Nähe von Wind- oder Solarparks, um Erzeugungsschwankungen zwischen Tag und Nacht auszugleichen.
Markteingriffe mit Vorsicht
Ob angesichts der Eskalation im Nahen Osten und steigender Spritpreise die Spritpreisbremse wiederbelebt werde, sei eine politische Entscheidung, sagt Strebl. Markteingriffe sollten mit besonderer Vorsicht erfolgen, da sie schwer zu beenden seien. „Die Spritpreisbremse hat gewirkt, das zeigen unsere Analysen“, sagt er. Die E-Control hat im Auftrag der Regierung die Margenbegrenzung bei Benzin und Diesel überwacht.
Monika Graf
Salzburger Nachrichten




