Brent-Ölpreis steigt auf höchsten Stand seit Juni

20. Juli 2026, Teheran/Washington
Nach einer leichten Entspannung steigen die Spritpreise wieder
 - München, APA/dpa

Die Ölpreise sind am Montag im frühen Handel wegen des sich weiter verschärfenden Iran-Kriegs erneut gestiegen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im September kletterte in der Nacht auf Montag um bis zu fast vier Prozent auf 91,42 US-Dollar (79,95 Euro) und damit zum ersten Mal seit Anfang Juni über die Marke von 90 Dollar. Das Niveau konnte der Brent-Preis nicht ganz halten. Zuletzt lag er bei 90,20 Dollar.

Seit Anfang Juli verteuerte sich die globale Öl-Referenzsorte um fast 30 Prozent. Das äußerte sich auch auf den heimischen Zapfsäulen. Betrug der österreichweite Median für Diesel am 1. Juli noch 1,72 Euro je Liter, stand er am Sonntag (19. Juli) bei 1,919 Euro je Liter, wie aktuelle Daten der E-Control zeigen. Der Median für Superbenzin kletterte von 1,669 Euro auf 1,794 Euro je Liter.

Sorge vor weiterer Eskalation

Im Nahen Osten wächst die Sorge vor einem noch umfassenderen Krieg. Washington verlegt US-Medienberichten zufolge weitere Kampf- und Tankflugzeuge in die Konfliktregion. Um Angriffe des Irans auf Handelsschiffe in der für den globalen Handel mit Öl, Gas und Dünger wichtigen Straße von Hormuz zu unterbinden, bombardierte das US-Militär unterdessen in der nunmehr neunten Nacht in Folge Ziele in der Islamischen Republik.

In Reaktion auf die nächtelangen US-Angriffe führt Teheran Vergeltungsschläge gegen Länder mit US-Militärstützpunkten in der Region durch. So meldete der Golfstaat Kuwait in der Nacht erneuten Beschuss. Die Luftverteidigung wehre „feindliche Drohnen“ aus dem Iran ab, teilte die Armee des Landes mit. Details gab es zunächst nicht. Auch im ebenfalls mit Washington verbündeten Bahrain heulten wiederholt die Sirenen.

Die zunehmenden Angriffe „deuten allesamt darauf hin, dass sich der Konflikt sowohl in seinem Ausmaß als auch in seiner Dauer ausweiten könnte“, erklärte Saul Kavonic, Energieanalyst bei MST Marquee der Nachrichtenagentur Bloomberg. Angriffe auf die Ölinfrastruktur in der Region oder erfolgreiche Versuche der Houthis, die Route durch das Rote Meer zu behindern, könnten den Preis weiter hochtreiben.

Keine LNG-Tanker mehr registriert seit Donnerstag

Seit Donnerstag wurden keine Tanker für verflüssigtes Erdgas (LNG) mehr bei der Durchfahrt durch die Meerenge registriert. Einige Schiffe schalten jedoch zeitweise ihre Transponder ab, um ihre Route zu verschleiern. Die LNG-Produktion in Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten hält sich S&P Global zufolge trotz der Behinderungen relativ stabil. Dadurch steigt die Menge an LNG, die auf wartenden Schiffen im Golf lagert.

An Bord von sieben beladenen katarischen LNG-Tankern befanden sich Mitte Juli schätzungsweise 570.000 Tonnen. Insgesamt befinden sich derzeit LNG-Tanker mit einer Gesamtkapazität von fast 1,9 Millionen Tonnen in der Region. Diese Schiffe könnten für einen raschen Anstieg der Exporte sorgen, sollte sich die faktische Blockade der Straße von Hormuz in den kommenden Wochen lockern, teilten die Analysten von S&P Global mit.

APA/Reuters/dpa