Reduktion der Wohnfläche hätte größten Klimaeffekt

15. Juli 2026

Forschungsteam analysierte ganzen EU-Gebäudebestand

In Österreich ist der Gebäudesektor für rund zehn Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich, in der EU liegt sein Anteil aber bei fast dem Vierfachen. Damit kommt den Gebäuden eine zentrale Rolle bei der Erreichung der EU-Klimaziele bis 2050 zu.

Wie sich nun zeigt, hätte eine relativ simple Maßnahme einen großen Effekt: die Reduktion der Wohnfläche pro Person um nur zwei Quadratmeter. Zu diesem Ergebnis kam ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der TU Graz, das seine Erkenntnisse in der Fachpublikation Nature Communications veröffentlichte.


„In bisherigen Analysen standen vor allem die Emissionen im Gebäudebetrieb im Fokus“, erklärt Alexander Passer vom Institut für Tragwerksentwurf der TU Graz in einer Aussendung. Mit dem speziell entwickelten Prognose-Tool namens PULSE-EU, mit dem – im Auftrag der EU-Kommission – die CO2-Emissionen des europäischen Gebäudebestands über dessen gesamten Lebenszyklus analysiert werden konnten, habe man nun aber „erstmals systematisch auch Emissionen aus Materialherstellung, Bauprozessen, Renovierung, Wartung sowie Rückbau und Entsorgung“ berücksichtigen können. „Damit haben wir ein wichtiges Werkzeug, um für den Gebäudesektor Maßnahmen zu berechnen, die zur Erfüllung des Green Deal beitragen.“


Zwei-Grad-Ziel machbar
„Bei unseren Berechnungen stellte sich heraus, dass die Verringerung des durchschnittlichen Wohnraums pro Person um nur zwei Quadratmeter die größte Auswirkung hat“, sagt Nicolas Alaux, der die wissenschaftlichen Modelle im Rahmen seiner Dissertation entwickelt hat. „Dahinter folgen die Renovierungsrate, die Verringerung des Energiebedarfs, die Nutzung erneuerbarer Energie und die Reduktion des Leerstands.“


Würde der ambitionierteste Pfad eingeschlagen, bei dem alle verfügbaren Maßnahmen (striktere politische Rahmenbedingungen, Anwendung effizienter Technologien, Verhaltensänderungen) umgesetzt werden, ließe sich eine Reduktion von 90 Prozent der CO2-Emissionen bis 2050 – und damit das in Paris vereinbarte 2,0-Grad-Ziel – erreichen, berechneten die Wissenschaftler anhand von fünf Szenarien für Österreich, die sie in einer ergänzenden wissenschaftlichen Publikation im Fachjournal Environmental Science & Technology untersuchten.


Die Wohnfläche pro Person steigt in Österreich seit Jahrzehnten, insbesondere wegen der Zunahme von Ein-Personen-Haushalten, und lag zuletzt laut Statistik Austria zwischen knapp 30 (Gemeindewohnungen) und fast 57 Quadratmetern (Hauseigentum). So viel an Fläche hat also eine einzelne Person jeweils zur Verfügung.

Der Standard