Energie. Heiße Tage belasten beschädigte Stromkabel zusätzlich, sind aber selten die alleinige Ursache für Ausfälle. Der Netzausbau müsse mit dem Ausbau der Erneuerbaren Schritt halten.
Die Temperaturen sollen diese Woche in Wien wieder auf über 30 Grad steigen. In den vergangenen Wochen gab es vermehrt Stromausfälle, besonders an Tagen mit mehr als 30 Grad. Allerdings hat sich die Zahl der Ausfälle im langjährigen Durchschnitt trotz häufigerer Hitzewellen nicht wesentlich verändert, sagte Gerhard Fida, Chef der Wiener Netze am Wochenende in einem ORF-Interview.
Strom fällt bei Hitze nicht allein wegen der hohen Temperaturen aus. Kritisch werde es, wenn ein Erdkabel bereits beschädigt ist, etwa durch frühere Bauarbeiten oder Beschädigungen mit einem Bagger, erklärte Fida.
Bei großer Hitze trocknet der Boden aus und kann die Wärme schlechter ableiten. Dadurch erwärmen sich die Kabel stärker. An bereits geschwächten Stellen kann diese zusätzliche Belastung schließlich zu einem Defekt und damit zu einem Stromausfall führen.
Abgelegene stärker betroffen
Die Hitze ist also meist nicht die einzige Ursache, sondern bringt vorhandene Schäden zum Vorschein. Laut Wiener Netze habe sich die Zahl der Ausfälle aber langfristig trotzdem kaum erhöht.
Auch in ländlichen Regionen, wie der Steiermark, haben Stromausfälle nicht direkt mit der Hitze zu tun. „Wir verzeichnen weder im Netz der Energienetze Steiermark noch im Netz der Energie Graz eine auffällige Zunahme von Stromausfällen aufgrund hoher Temperaturen“, sagt der Konzernsprecher der Energienetze Steiermark zur „Presse“.
Die eigentliche Herausforderung liege vielmehr in den Wetterereignissen, die auf längere Hitzeperioden folgen können, wie starke Gewitter und Windböen, die dazu führen, dass etwa Bäume auf Leitungen stürzen und diese beschädigt werden. Einsätze im Zusammenhang mit umgestürzten Bäumen und Leitungsunterbrechungen sind in den vergangenen Jahren häufiger geworden, heißt es. In vielen Fällen lässt sich die Versorgung dennoch rasch wiederherstellen. Oft kann die Stromversorgung mithilfe einer Ersatzschaltung sichergestellt werden.
Schwieriger sei das aber bei abgelegeneren Haushalten, die über einzelne Leitungen durch Waldgebiete versorgt werden. Dort ist das technisch oft nicht so schnell möglich.
Milliarden für den Netzausbau
In Wien sei die Stromversorgung in der Regel nach 60 bis 90 Minuten wiederhergestellt. Statistisch fällt der Strom in Wien rund 14 Minuten pro Jahr aus, sagt Fida. Die größere wirtschaftliche Herausforderung liegt im langfristigen Umbau des Stromnetzes. Allein das Aufstellen von Windrädern und PV-Anlagen reicht nicht für eine Energiewende. Es braucht auch die Netze, die den Strom übertragen.
Der Rechnungshof kritisiert, dass der Ausbau von Wind- und Sonnenenergie schneller voranschreitet als die notwendige Anpassung der Netzinfrastruktur. Die vom Rechnungshof erwähnten Studien von E-Control und vom AIT beziffern den Investitionsbedarf der österreichischen Verteilernetze bis 2030, abhängig von Szenario und Ausgangsjahr, auf 13 beziehungsweise 24 Mrd. Euro.
Von 2015 bis 2024 investierten die Wiener Netze laut Rechnungshof rund 1,82 Mrd. Euro. Zwischen 2025 und 2029 sind durchschnittlich 315 Mio. Euro jährlich vorgesehen, vor allem für Umspannwerke. Für ihre gesamte Infrastruktur, neben Strom auch Gas, Fernwärme und Telekommunikation, wollen die Wiener Netze Investitionen von 490 Mio. Euro pro Jahr und insgesamt 2,4 Mrd. Euro von 2026 bis 2030 investieren.
Zuletzt rechneten die Wiener Netze mit einem Anstieg des Netznutzungsentgelts für Haushalte und Kleingewerbe um rund elf Prozent. Steigende Kundenzahlen und ein höherer Stromabsatz könnten den Kostenanstieg zwar dämpfen, aber nicht vollständig ausgleichen.
Der Rechnungshof sieht Sparpotenzial, wenn Stromverbrauch und Einspeisung flexibler gesteuert werden. Laut einer Modellrechnung der Wiener Netze könnte das den Investitionsbedarf bis 2040 um bis zu 15 Prozent senken.
Auch die Austrian Power Grid baut ihr überregionales Höchstspannungsnetz aus. 2026 sollen 680 Mio. Euro investiert werden, bis 2034 rund neun Mrd. Euro.
von Melanie Klug
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