KI als Wachstumsturbo

15. Juli 2026

Infineon. Acht Milliarden Chips werden in Österreich produziert. Sie sparen 14 Millionen Tonnen CO2 jährlich ein. Learnlabs in der Linzer Niederlassung mit der IT:U.

Der Chiphersteller Infineon Austria, Teil des deutschen Infineon-Konzerns, profitiert vom weltweiten Hype um die Künstliche Intelligenz (KI). Das 5.787-Mitarbeiter-Unternehmen mit Hauptsitz in Villach und Forschungs- bzw. Vertriebsniederlassungen in ganz Österreich (Wien, Linz, Graz, Klagenfurt, Innsbruck) stellt jährlich acht Milliarden Chips her, die unter anderem für Datencenter verwendet werden. Das Besondere: Es handelt sich um energieeffiziente Chips, die deutliche Einsparungen beim Stromverbrauch möglich machen. Infineon ist in diesem Bereich laut eigenen Angaben Weltmarktführer.


KI frisst Strom
„Künstliche Intelligenz treibt im Moment ganz massiv die Nachfrage bei uns“, sagt Infineon Austria-Chefin Sabine Herlitschka im Gespräch mit dem KURIER. Sie rechnet vor, dass vom globalen Strombedarf im Jahr 2030 rund sieben Prozent auf KI-Rechenzentren entfallen werden, „da braucht es effiziente Halbleiterlösungen“. Die aus den drei Halbleitermaterialien Silizium, Siliziumkarbid und Galliumkarbid hergestellten Chips können demnach die Verluste in den Stromversorgungmodulen nahezu halbieren. Herlitschka: „In diesem Bereich haben wir schon gesehen, dass die Nachfrage massiv steigt, wir haben auch schon den Ausblick für den Konzernumsatz erhöht.“


15 Mrd. Konzernumsatz
Der börsennotierte Infineon-Konzern mit Sitz in München beschäftigt 57.000 Mitarbeiter und setzte im Vorjahr 14,7 Milliarden Euro um. Für heuer werden 16 Milliarden Euro erwartet. In Österreich lag der Umsatz 2025 bei 4,69 Milliarden Euro. Laut Herlitschka sorgen die acht Milliarden in Österreich produzierten Chips für eine Einsparung von 14 Millionen Tonnen CO2 jährlich – das entspricht rund 20 Prozent des Gesamtausstoßes von CO2 in Österreich pro Jahr. Für die Forschung und Entwicklung betreibt Infineon mehrere Zentren in Österreich, darunter auch eines in Linz. 170 Mitarbeiter tüfteln dort unter anderem an Hochfrequenzbauteillösungen – unter anderem für Radarchips, die für mehr Sicherheit im Auto sorgen und Anwendung in Abstandsmessern sowie in Notbrems- und Navigationssystemen finden.
Erst vergangene Woche wurden in Kooperation mit der IT:U Linz drei „Lernlabore“ eingerichtet, in denen projektbasiertes Lernen in internationalen Teams möglich wird. Die „Lernlabs“ sollen dazu beitragen, die Fachkräfteentwicklung zu fördern.


Infineon Austria beschäftigt 2505 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung. Das sind fast die Hälfte aller Jobs. Im Vorjahr lagen die Forschungsausgaben bei 721 Mio. € – das ist Rekord, Infineon Austria ist das forschungsintensivste Unternehmen im Land. Die Produktion erfolgt in Villach, wo rund 5.000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Jährlich werden dort 1,75 Millionen Wafer (Siliziumscheiben) verarbeitet, wobei pro Wafer rund 1.000 Arbeitsschritte nötig sind. Die Scheiben werden u. a. von der deutschen Siltronic AG geliefert, die neben anderen Werken auch in Burghausen am Inn eine große Produktion betreibt und dort ein wichtiger Arbeitgeber für Pendler aus OÖ ist.

Kurier