Kernfusion-Start-up erreicht Bewertung von 2,4 Mrd. Euro

7. Juli 2026, München
Proxima Fusion will Pilotkraftwerk in fünf Jahren vorstellen
 - München, Proxima Fusion

Das Münchner Kernfusion-Start-up Proxima Fusion hat bei einer Finanzierungsrunde 411 Mio. Euro eingeworben und dabei eine Bewertung von mehr als 2,4 Mrd. Euro erreicht. Damit sei man das bestfinanzierte Kernfusionsunternehmen Europas und zähle zu den höchstbewerteten Branchenvertretern weltweit, teilte Proxima am Dienstag mit.

Zudem sei mit diesen Zusagen privater Investoren unter Führung von XTX Ventures und East X Ventures eine Bedingung für eine Förderung durch den Freistaat Bayern in Höhe von weiteren 400 Mio. Euro erfüllt.

Im Wettlauf mit Rivalen aus den USA und China will Proxima in rund fünf Jahren ein Pilotkraftwerk vorstellen. Mit Hilfe der Investoren RWE und Google soll in den 2030er-Jahren anschließend eine kommerzielle Magnetfusionsanlage auf dem Gelände eines früheren RWE-Kernkraftwerks in Deutschland in Betrieb gehen. Dafür hatten Bayern, RWE und Proxima im Februar eine Absichtserklärung unterzeichnet. Beteiligt ist auch das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik, aus dem das Start-up hervorgegangen ist. Proxima hat rund 200 Beschäftigte.

Energie aus Verschmelzung von Atomen statt Spaltung

Anders als in traditionellen Kernkraftwerken soll bei der Kernfusion Energie nicht aus der Spaltung, sondern aus der Verschmelzung von Atomen gewonnen werden. Als Vorzüge nennt die Branche, dass dafür keine gefährliche Kettenreaktion notwendig ist und dass der Abfall weniger lang und weniger stark strahlt. Allerdings steckt die Technologie noch in der Entwicklungsphase.

Die deutsche Bundesregierung hat zum Ziel erklärt, dass der erste Fusionsreaktor der Welt in Deutschland gebaut werden soll, um eine weitere Energiequelle zu erschließen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat die Kernfusion zu einem der wichtigsten Forschungsgebiete in seinem Bundesland erklärt. Die bayerischen Proxima-Konkurrenten Marvel und Gauss zählen ebenfalls zu den Vorzeigeunternehmen der Branche.

APA/Reuters