Sprit und Heizöl könnten noch billiger werden

24. Juni 2026, Linz/Wien

Diesel unter 1,70 Euro: Wenn der Krieg in Nahost nicht wieder eskaliert, sollten die Preise laut Experten weiter fallen – die Frage ist, wann man fürs Heizen einlagert

Am Wochenende war es so weit: Der Preis für Diesel ist an vielen Tankstellen nach längerer Zeit wieder unter die Marke von 1,70 Euro pro Liter gefallen. Seit dem Höchststand Anfang April ist der mittlere Dieselpreis um 24 Prozent gesunken, jener für Benzin um 15 Prozent. Bei Heizöl ging es um 28 Prozent nach unten.


Grund dafür sind die gesunkenen Rohölpreise wegen der vorübergehenden Entspannung im Iran-Krieg und der Öffnung der für den Ölhandel wichtigen Straße von Hormus. Das gibt Hoffnung – wiewohl die Lage vor allem wegen der Spannungen zwischen Israel und dem Libanon fragil bleibt. Wie geht es weiter mit den Preisen für fossile Kraft- und Brennstoffe, und wie soll man als Konsument agieren?


Treibstoffe: Vor der stärksten Urlaubs- und Reisezeit sinken die Preise. Am Sonntag kostete Benzin im Mittel 1,614 Euro pro Liter und Diesel 1,685 Euro, geht aus Daten der Regulierungsbehörde E-Control hervor. Am Höhepunkt der Preisrally Ende März hatte Benzin rund 1,90 Euro und Diesel 2,20 Euro gekostet. Die Preise seien von internationalen Verwerfungen geprägt, sagt Bernd Zierhut, Obmann der Fachgruppe des Energiehandels der Wirtschaftskammer Oberösterreich: „Wenn es nun keine neue Eskalation in Nahost gibt und die Friedensverhandlungen über den Sommer andauern, werden die Preise in den nächsten Wochen weiter fallen.“ Es gehe dann auf den Märkten in Richtung Überproduktion, so wie es Anfang des Jahres gewesen sei. Also seien letztlich Preise für Diesel und Benzin um die 1,50 Euro im Sommer denkbar. Zwar sieht auch Johannes Benigni, Ölmarktexperte der Beratungsfirma JBC Vienna, die Möglichkeit weiter sinkender Preise. „Die Unsicherheit ist aber nach wie vor groß, der Konflikt ist nicht gelöst.“ Benigni erwartet eine Bodenbildung beim Rohölpreis bei 70 bis 80 Dollar pro Fass (am Montag kostete Öl der Sorte Brent rund 78 Dollar) – vor allem weil das preissensible China wieder mehr Öl kaufe und sich die Lagerbestände in den USA leerten. Wenn der Spritpreis unter 1,60 Euro falle, sei das „schon ein guter Preis“, sagt Benigni.


Kritik und Tipps: Dominik Graf, Verkehrswirtschaftsexperte des ÖAMTC, sieht rund 1,50 Euro pro Liter Sprit als durchaus realistisch. Gerade in den vergangenen Tagen habe es einen deutlichen Preisrutsch gegeben. Graf kritisiert aber die Ebene der Raffinerien, die den Tankstellenbetreibern vorgelagert ist: „Wir sehen wieder das Phänomen, dass Preisrückgänge auf den Märkten nicht so schnell weitergegeben werden wie Preiserhöhungen, die sofort durchschlagen.“ Graf gibt Tipps: Am besten an Sonntagen oder Montagvormittagen tanken, da sind die Preise am niedrigsten; nicht in den Stunden nach Mittag tanken, weil 12 Uhr jene Tageszeit ist, zu der Tankstellen die Preise erhöhen dürfen – eher dann wieder am Abend.
Noch hohes Preisniveau: Auch wenn die Preise aktuell sinken, sind sie nach wie vor relativ hoch. In der Woche vor Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar kostete Benzin im Mittel 1,52 Euro pro Liter und Diesel 1,57 Euro. Vor Ukraine- und Iran-Krieg waren die Preise noch viel niedriger gewesen – bei rund ein bis 1,30 Euro. Den Preis von einem Euro werde es jedenfalls nicht mehr geben, sagt Zierhut und argumentiert mit erhöhten Abgaben (etwa für CO2), Anforderungen zum Beispiel bei Bio-Beimischung und gestiegenen Personal- und Logistikkosten. Auch Graf sieht angesichts dieser Faktoren wenig Chancen, deutlich unter 1,50 Euro zu kommen – aber etwas schon.


Heizöl: Rund 64.000 Haushalte in Oberösterreich heizen noch mit Öl, wie aus dem Energiebericht des Landes vom Vorjahr hervorgeht (20 Jahre davor waren es 157.000). Vor fünf bis sechs Jahren kostete Heizöl rund 60 Cent pro Liter. Anfang dieses Jahres waren es im Mittel 1,02 Euro und am 2. April 1,79 Euro, wie aus dem Vergleichsportal der Arbeiterkammer Oberösterreich (online) hervorgeht, bei dem Heizölanbieter ihre Konditionen einmelden. Am Montag betrug der mittlere Preis im Vergleichsportal 1,28 Euro pro Liter (österreichweit sind die Preise im Schnitt etwas höher). Auch bei Heizöl erwartet Zierhut weitere Rückgänge, sollte es keine neue Eskalation geben. 2025 etwa betrug der Jahrespreis laut AK im Mittel 1,08 Euro. Wann sollen Haushalte ihren Öltank befüllen? Zierhut rät, noch etwas zuzuwarten – Ende August/Anfang September könne der richtige Zeitpunkt sein. Ulrike Weiß, Leiterin der Abteilung Konsumentenschutz der Arbeiterkammer, sagt: „Tendenziell sind laut den uns vorliegenden historischen Daten die besten Monate für den Heizöleinkauf Mai und Juni. Ab Herbst ziehen die Preise wieder an.“

Oberösterreichische Nachrichten