DHL erwartet keinen Kerosin-Notstand – „Sehen kein Risiko“

2. Juni 2026, Bonn/Guntramsdorf
DHL kann Flugrouten bei Bedarf anpassen
 - Schkeuditz, APA/dpa

Der Logistikriese DHL sieht trotz der Unsicherheiten durch den Iran-Krieg seine Versorgung mit Kerosin für die Sommermonate als gesichert an. Dies liege an einer Entspannung auf den Märkten und diversifizierten Bezugsquellen, sagte der Europa-Chef der DHL-Expresssparte, Mike Parra, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. „Im Moment sehen wir kein Risiko“, betonte er.

Der Markt für Flugkraftstoff habe sich in den vergangenen Wochen entspannt, da die Nachfrage zurückgegangen sei und die Importe nach Europa aus den USA, Nigeria und Südkorea gestiegen seien. „Alles in allem gab es bisher keine Versorgungsengpässe“, sagte der Manager.

DHL kann potenzielle örtliche Knappheiten abfedern

Der Konflikt zwischen dem Iran und den USA hat die Ölströme durch die Straße von Hormuz am Persischen Golf zeitweise nahezu zum Erliegen gebracht. Normalerweise passiert etwa ein Fünftel des weltweiten Öls und ein Viertel des europäischen Flugtreibstoffs diese Route. Sorgen um eine Knappheit des wichtigen Rohstoffs waren die Folge.

Parra fügte hinzu, dass das globale Netzwerk und die Notfallpläne des Unternehmens es ermöglichen würden, potenzielle örtliche Knappheiten abzufedern. Flugzeuge könnten an alternativen Standorten betankt und Flugrouten bei Bedarf angepasst werden. Zudem könne DHL Express Fracht auf den Straßentransport verlagern oder über andere Knotenpunkte umleiten. Insgesamt verfüge die Sparte bei Kerosin zudem über eine breite Basis von Lieferanten, mit denen sie seit langer Zeit zusammenarbeite. Auch mache nachhaltiger Flugkraftstoff (SAF) inzwischen zehn Prozent des Treibstoffmixes aus.

Zuschläge ändern Verhalten der Kunden nicht

Das Verhalten der Kunden habe sich trotz der erheblich gestiegenen Kerosin-Zuschläge nicht verändert. Zuletzt lag der Zuschlag bei DHL bei 48,75 Prozent für internationale Express-Sendungen. Auch die Konkurrenten FedEx und UPS machen Mehrkosten durch gestiegene Sprit-Preise geltend. Die Zuschläge dienten ausschließlich der Deckung der Kosten und seien „keine zusätzliche Einnahmequelle“, unterstrich der Manager. Die Ergebnisse für das zweite Quartal bei Express Europa würden in etwa auf dem Niveau des ersten liegen: „Ich würde sagen, sie liegen auf dem Level, das wir im ersten Quartal gesehen haben.“

Die größte DHL-Sparte, die eilige Dokumente und Waren transportiert, beschäftigt weltweit rund 120.000 Menschen und verfügt über eine Flotte von rund 295 Flugzeugen. In Europa sind es rund 40.000 Mitarbeiter und über 100 Flugzeuge. Die Sparte Express hatte im ersten Quartal weltweit einen leichten Umsatzrückgang auf sechs Milliarden Euro verbucht, ihr operativer Gewinn (EBIT) zog dagegen deutlich um 20,6 Prozent auf 799 Millionen Euro an. In Europa verzeichnete DHL Express im ersten Quartal dabei ein Umsatzplus von 3,4 Prozent.

APA/Reuters