Biogasanlagen-Betreiber warten seit Jahren auf neues Gas-Gesetz

30. April 2026, Amstetten

Biogasanlagen stecken in der Bredouille. Mitte 2027 läuft die Ökostromförderung endgültig aus. Stattdessen soll dann Biomethan ins öffentliche Netz eingespeist werden, was hohe Investitionen erfordert. Dafür wollen die Betreiber eine Abnahmegarantie – die dafür notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen hat die Politik aber nicht beschlossen.



Die Einspeisepflicht betrifft laut Erneuerbarem-Ausbau-Gesetz alle Biogasanlagen mit einer elektrischen Leistung höher als 250 KW, die nicht weiter als zehn Kilometer Luftlinie von einem Einspeisepunkt ins öffentliche Gasnetz entfernt sind – also auch das Biogaskraftwerk in der Amstettner Doislau. „Wir müssten bis April 2027 umgestellt haben und wir hätten das auch gerne getan. Es gibt aber noch kein Vermarktungssystem, das den Absatz von Biomethangas in Österreich sicherstellen würde“, klagt dessen Geschäftsführerin Katharina Hader.


Derzeit wird das Methangas in ihrem Biogaskraftwerk, das sie im Jahr 2017 übernommen hat, mittels Blockheizkraftwerken in Strom und Wärme verwandelt. Wenn im Frühjahr 2027 die Ökostromförderung ausläuft und Hader den Strom zum Marktpreis ins Netz einspeisen muss, rechnet sich das nicht mehr. Schlimmstenfalls droht der Anlage dann sogar das Aus. „Die wichtige Recycling-Dienstleistung, die hier passiert, würde dann wegfallen“, warnt Hader.
Die Politik lässt sich aber Zeit mit dem Erneuerbaren-Gas-Gesetz, das die Bedingungen für die Einspeisung von Biomethan ins Gasnetz regeln soll. Im Jahr 2024 kam die nötige Zweidrittelmehrheit im Nationalrat nicht zustande.


Warten auf das Erneuerbaren-Gas-Gesetz


„Ohne dieses Gesetz fehlt uns und allen anderen Anlagen in Österreich aber der nötige stabile Rahmen, um in neue Projekte investieren zu können. Weil erneuerbares Gas eine Lösung für die Vorbeugung großer Klimaschäden ist und in bestehender Infrastruktur anwendbar, kann es unsere Wirtschaft vor hohen Aufwänden und Emissions-Strafzahlungen schützen. Dazu benötigt es aber die gesetzliche Anerkennung der Umweltvorteile.“

Um das Biogas ins öffentliche Gasnetz einzuspeisen, muss es zuvor gereinigt und verdichtet werden. Das bedeutet hohe technische und natürlich auch finanzielle Aufwendungen. Wir benötigen daher eine Abnahmezusage für die nächsten zehn bis 20 Jahre.“


Hader kann das Zögern der Politik nicht verstehen. Denn Biomethan hat aus ihrer Sicht große Vorteile. Es entstehe aus Biogas, das durch die Vergärung von organischen Reststoffen gewonnen werde – etwa aus der Landwirtschaft, kommunalen Abfällen oder Produktionsabfällen der Lebensmittelindustrie, die damit sinnvoll verwertet würden. „Wird dieses Gas aufbereitet, kann es direkt eingespeist werden. Es handelt sich um eine heimische Energiequelle, die kontinuierlich verfügbar ist. Gerade in unsicheren Zeiten wäre es doch naheliegend, dieses Potenzial zu nutzen. Stattdessen wird noch immer Gas über tausende Kilometer aus Krisenregionen aus dem Ausland importiert.“ Allein am Standort in Amstetten werden derzeit rund 10.000 Tonnen Abfälle zu Gas verarbeitet und damit Strom für 700 Haushalte und Wärme für 1.000 Haushalte erzeugt. „Wir produzieren rund drei Gigawatt Strom im Jahr. Könnten wir das Gas direkt ins Netz leiten, hätten wir die zehnfache Leistung. Zudem planen wir, die Bestandsanlage auf das Doppelte zu erweitern“, sagt Hader.


Die Unternehmerin weist darauf hin, dass in der ganzen Gasbranche derzeit viele Projekte auf Eis liegen – dabei wären diese gerade in Zeiten der Konjunkturschwäche ein wichtiger Impuls für die Bauwirtschaft. „Um sie zu verwirklichen, braucht es aber eben das Erneuerbare-Gas-Gesetz. Und da bremst die Regierung uns leider aus. Dabei würde jeder investierte Euro rund 3,30 Euro regionale Wertschöpfung bringen und natürlich auch Arbeitsplätze“, betont Hader.


Biomethan vielfältig verwendbar


Ein wesentlicher Vorteil von Biomethan sei die vielfältige Verwendbarkeit und dass man es, im Gegensatz zum Strom, der in der Biogasanlage derzeit erzeugt werde, langfristig speichern könne. Somit könne erneuerbare Energie, die im Sommer erzeugt werde, in den Winter gebracht werden. Österreich verbrauche derzeit 80 Terawattstunden fossiles Gas. „Die Biogasanlagenbetreiber in Österreich könnten davon 20 Prozent umweltneutral aus Abfällen und Reststoffen produzieren.“


Der Biogasanteil am Gesamtverbrauch in Österreich liegt derzeit noch unter einem Prozent, in anderen Ländern wie Schweden beträgt er schon 35 Prozent. „Würde bei uns das gesamte Biomassepotenzial aus organischen Reststoffen, etwa aus der Landwirtschaft, kommunalen Abfällen oder Produktionsabfällen der Lebensmittelindustrie zu Biomethan verarbeitet, würde das eine verlässlichere Versorgung bedeuten, stabilere Preise und die Vermeidung hoher Strafzahlungen, die bei Nichterreichen der Klimaziele drohen. Gleichzeitig würde ein Großteil der Wertschöpfung im Land bleiben, anstatt – wie bisher – in Form von Importzahlungen ins Ausland zu fließen.

Petition für Biogasausbau


Rund 100 Biogasanlagen könnten künftig in Österreich Biomethan ins Gasnetz einspeisen. Viele davon stehen schon, andere sind in Planung. Bis 2035, so die Schätzung der Gasindustrie, könnte damit Energie für 400.000 Haushalte hergestellt werden. Der Bundesverband „Zukunft Biogas“ hat inzwischen auch eine Petition für den Biogasausbau gestartet: www.zukunft-biogas.at.
„Mitmachen und unterschreiben für mehr heimische Unabhängigkeit“, fordert Hader die Bevölkerung auf.

von Hermann Knapp

NÖN Niederösterreichische Nachrichten