Die Bauarbeiten zur Erweiterung des Kraftwerks Sellrain-Silz des landeseigenen Tiroler Energieversorgers Tiwag biegen langsam in die Zielgerade ein. Vier Jahre nach dem Start der Vortriebsarbeiten im Kühtai erfolgte nun im Stubaital der Durchschlag des 25,6 Kilometer langen Beileitungsstollens, teilte das Unternehmen am Montag mit. Die Arbeiten am Großkraftwerk laufen „planmäßig“, die Eröffnung soll im Jahr 2027 stattfinden.
Der Vorstandsdirektor der Tiwag, Alexander Speckle, sprach gar von einer „Rekordleistung“. Der Beileitungsstollen sei „einer der längsten einseitig aufgefahrenen weltweit“. Die Tunnelbohrmaschine legte als „Höchstleistung“ 63 Meter pro Tag zurück, im besten Monat wurde ein Kilometer geschafft. Die 334 Meter lange und über 800 Tonnen schwere, elektrisch betriebene Maschine werde nun in den nächsten Wochen auseinandergebaut und abtransportiert, sagte Projektleiter Klaus Feistmantl.
Damm soll im Juli fertig sein
Zudem gab die Tiwag einen Ausblick auf die weiteren, anstehenden Arbeiten. Der 113 Meter hohe Damm stehe kurz vor der Fertigstellung, 6,9 Kubikmeter Material wurden dafür ausgehoben. Im Juli soll dann die „Krönung“ auf der Dammkrone durch Eigentümervertreter und Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) erfolgen.
Über den Sommer soll der Stausee dann langsam aufgefüllt werden. Neben dem natürlichen Zufluss sorge dafür eine neue Beileitung, die das Wasser über ein leichtes Gefälle ins Kühtai führt. „Generell wird nur eine ökologisch vertretbare Menge Wasser entnommen. Im Winter wird überhaupt kein Wasser entzogen“, versicherte Feistmantl.
Der Energieversorger hatte das Projekt im Jahr 2009 eingereicht. Im Juni 2016 hatte die schwarz-grüne Tiroler Landesregierung einen positiven Bescheid erster Instanz ausgestellt. Der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) hatte diesen im Jahr 2018 aufgehoben, im Jahr darauf wurde wieder ein positiver Bescheid ausgestellt. Das Projekt sieht einen zusätzlichen Speichersee mit 31 Mio. Kubikmetern Fassungsvermögen sowie ein Pumpspeicherwerk als zweite Oberstufe vor. Dadurch könne die Speicherkapazität der Bestandsanlage um rund 50 Prozent erhöht werden.
APA



