Kraftwerk darf umgebaut werden

23. April 2026, Rosenburg

Der jahrelange Streit um die Modernisierung des Kraftwerks Rosenburg ist beigelegt. Die EVN hat sich mit Umwelt- und Naturschutzorganisationen auf einen tragfähigen Kompromiss geeinigt. Der geplante Umbau soll im August starten. Mit der Inbetriebnahme rechnet die EVN im Oktober 2028.


Der jahrelange Streit rund um die von der EVN geplante Modernisierung des Kraftwerks Rosenburg scheint beigelegt. In einer Aussendung hießt es, dass nach mehreren Gesprächsrunden unter der Federführung des niederösterreichischen Umweltanwalts Tom Hansmann ein „Durchbruch für die Zukunft des historischen Wasserkraftwerks Rosenburg“ erzielt werden konnte. Laut EVN-Unternehmenssprecher Stefan Zach sei dabei von der EVN sowie Vertreterinnen und Vertretern von Natur- und Umweltschutzorganisationen ein „tragfähiger Kompromiss“ gefunden worden.


Das Wasserkraftwerk Rosenburg wurde 1908 von der Stadtgemeinde Horn errichtet und steht sinnbildlich für den Aufbau der Stromversorgung in Niederösterreich. Gleichzeitig ist Rosenburg ein Symbol für den Widerstand gegen Wasserkraftprojekte: Bereits in den 1960er-Jahren führten Proteste zum Rückzug von Plänen für eine vierte Staumauer.


EVN verzichtete auf zwei zentrale Punkte


Seit vielen Jahren standen Modernisierungspläne für den bestehenden Standort im Zentrum eines neuerlichen Konflikts. Während die EVN dem Kraftwerk eine Zukunft im Sinne der Energiewende geben wollte, sahen Gegner darin einen unverhältnismäßigen Eingriff in ein wertvolles Naturgebiet. Zahlreiche Gespräche blieben lange ohne Ergebnis.


Zuletzt hatte es 2024 seitens der EVN geheißen, dass man vom ursprünglichen Ausbau-Plan Abstand nehme und sich ab 2026 einer Sanierung des Bestands des Kraftwerks widmen wolle. Der jetzt gefundene Kompromiss sieht die Modernisierung des Standorts inklusive Krafthaus, Technik und Staumauer vor. Dabei sollen jedoch wesentliche Faktoren wie Stau- und Fallhöhe erhalten bleiben. Auf die ursprünglich geplante Stauzielerhöhung und die Unterwassereintiefung verzichtete die EVN hingegen. Außerdem wolle die EVN zusätzliche freiwillige Begleitmaßnahmen umsetzen. „Dazu zählen unter anderem eine höhere Wasserabgabe über den Umlaufberg sowie Schotterzugaben im Oberlauf des Kamp. Im Gegenzug stimmten NGOs und Bürgerinitiativen der Modernisierung zu“, so Zach.


Lob von EVN und Umweltanwaltschaft


Als Landesenergieversorger sei es zwar der Auftrag der EVN, möglichst viel erneuerbare Energie zu produzieren, jetzt habe man aber „einen guten Kompromiss im Sinne des Großen und Ganzen gefunden“, sagt Zach weiter. Und vielleicht sei das auch ein guter Start für die zukünftige Zusammenarbeit mit den maßgeblichen Umweltschutz-NGOs.


Seitens der Umweltanwaltschaft erklärt Tom Hansmann, dass man gerade wenn es um Konflikte zwischen Klima- und Naturschutz gehe, die unterschiedlichen Interessen an einen Tisch bringen müsse, um tragfähige Lösungen zu ermöglichen: „Voraussetzung dafür sind zwei Seiten, die aufeinander zugehen wollen.“ Die EVN sei dafür von den ursprünglichen Modernisierungsplänen abgerückt. Die NGOs hätten sich ihrerseits auf den schwierigen Weg gemacht, an einem Kompromiss für ein Wasserkraftprojekt mitzuarbeiten. „Ich darf anerkennend den Mut und das Durchhaltevermögen sowie das wertschätzende Miteinander aller Beteiligten hervorheben“, spart Hansmann nicht mit Lob.


Positiv zum Kompromiss äußert sich auch Franz Maier. Laut dem Präsident des Umweltdachverbandes sind in Österreich nur noch 10 Prozent der Flüsse ökologisch intakt, längere freie Fließstrecken seien kaum noch vorhanden. „Für deren Schutz und den Erhalt gefährdeter Arten sind deshalb Modernisierung und Effizienzsteigerung bestehender Kraftwerke immer einem Neubau vorzuziehen. Daher begrüße ich den Kompromiss mit der EVN in Sachen Rosenburg, der jedenfalls den Grundsätzen eines naturverträglichen Ausbaus der Wasserkraft entspricht“, sagt Maier.


Naturschützer gaben Entfernung der Wehr auf


Für die Naturschutzverbände sei es die größte Herausforderung gewesen, die Idee der völligen Entfernung des Wehres mit der Zurückgewinnung eines drei Kilometer langen, ökologisch intakten Flussabschnitts aufzugeben, ergänzt Erhard Kraus, Obmann-Stellvertreter von der Forschungsgemeinschaft für regionalen Umweltschutz „Lanius“. Doch der ausverhandelte Mehrwert einer deutlich erhöhten, dynamischen Restwassermenge, die Kieszugabe zur Anlage von Laichplätzen und das Artenschutzprojekt Huchen als freiwillige Zusatzmaßnahmen der EVN hätten schließlich auch alle am Prozess beteiligten Vertreter der Naturschutzorganisationen überzeugt.


Lob für die Einigung gibt es auch von Clemens Feigl von der Bürgerinitiative Lebendiger Kamp. Die Initiative begrüße, dass der über zehn Jahre andauernde Einsatz für eine in Österreich einzigartige naturnahe Flusslandschaft zu einem vertretbaren Kompromiss geführt habe. Er wolle sich bei allen beteiligten Bewohnern und Bewohnerinnen der Region für die Unterstützung und die bereitwillige Leistung tausender freiwilliger Arbeitsstunden und der EVN für die Bereitschaft zur Konfliktlösung danken.


„Schonzeiten“ könnten Fortschritt beeinflussen


Auf NÖN-Nachfrage erklärt EVN-Sprecher Zach, dass man durch die Modernisierung künftig um 25 Prozent mehr Strom in Rosenburg erzeugen könne – Strom für 1.400 Haushalte. Der Baubeginn soll im August erfolgen. Nach etwa zweijähriger Bauzeit rechnet man mit der Inbetriebnahme im Oktober 2028.
Ob der Zeitplan hält, könne man aber noch nicht sagen. Denn man müsse gewisse „Schonzeiten“ wegen einiger Tierarten – etwa Fledermäuse im Kraftwerkshaus, Fische wie Groppen oder Bachforellen, diverse Reptilien und Amphibien sowie Wasseramsel und Gebirgsstelzen – einhalten. Wie Zach erklärt, geht es dabei jeweils um mehrere Monate: „Da bleibt nicht viel Bauzeit übrig. Ein Problem mit einer Baufirma darf es also nicht geben.“

Thomas Weikertschläger

NÖN Niederösterreichische Nachrichten