
Die steirische FPÖ-ÖVP-Landesregierung hat am Montag den Entwurf für das sogenannte Sachprogramm Windenergie 2026 vorgelegt. Die Novelle baut auf das Sachprogramm aus dem Jahr 2019 auf und weist 18 neue Zonen aus – darunter neun komplett neue Vorrangzonen, fünf neue Eignungszonen und vier Erweiterungen bestehender Zonen. In ihnen sollen von Projektwerbern bis 2030 Windräder mit einer Leistung von zumindest 400 Megawatt (MW) gebaut werden.
„Energie ist angesichts der geopolitischen Lage ein wertvolles Gut geworden“, unterstrich Landeshauptmannstellvertreterin Manuela Khom (ÖVP). Die nun in Begutachtung gehende Novelle soll ein „Turbo“ für den Ausbau von Windkraftanlagen in der Steiermark sein. „Wir pflastern die Steiermark aber nicht zu“, entgegnete sie schon im Voraus möglicherweise aufkommender Kritik. Immer wieder gebe es Sorge und Widerstand in der Bevölkerung – man erinnere sich nur an das Murkraftwerk in Graz, so Khom. Doch wer sich die Energiepreise ansehe, werde schnell erkennen, dass die Notwendigkeit da ist.
Bis zu 150 neue Windkraftanlagen
Für die Ausarbeitung der Zonen habe das Land „sämtliche große Player“ an den Tisch geholt, versicherte Energielandesrätin Simone Schmiedtbauer (ÖVP) bei der Pressekonferenz. „Die Verfügbarkeit von Energie wird künftig bestimmen, wie attraktiv ein Bundesland sein wird.“ Vor allem für den Industriestandort sei das ein entscheidendes Kriterium. „Mit der Novelle schaffen wir Möglichkeiten für den Ausbau“, so Schmiedtbauer. Die Flächen im 2019 aufgelegten zweiten Sachprogramm – das erste gab es 2013 – seien beinahe ausgeschöpft. Insgesamt wurden bisher 122 Windkraftanlagen in der Steiermark errichtet, 60 seien in Bau und mit der neuen Novelle sollen 100 bis 150 weitere dazukommen.
Derzeit leisten die Windkraftanlagen rund 324 MW, die 18 neuen Zonen haben ein Potenzial von 430 bis 700 MW. 400 MW sollen es jedenfalls bis 2030 sein, so der Wunsch der Landesregierung. Für den Entwurf der neuen Zonen wurden 140 Planungsinteressen von 20 unterschiedlichen Projektwerbern eingemeldet. Das Land Steiermark hat alle geprüft und rund 90 für geeignet eingestuft. Auf Basis des Interesses wurden anhand von Kriterien wie Windangebot, Netzinfrastruktur und Erschließungswege nun rund 4.800 Hektar neue Vorrang- und Eignungszonen ausgewiesen. Rund acht Wochen lang ist die Novelle ab Montag in öffentlicher Begutachtung.
Sachprogramm für Energiespeicher angedacht
Treten die neuen Zonen in Kraft, werden in der Steiermark dann insgesamt 30 Windenergie-Zonen (25 Vorrangzonen und fünf Eignungszonen) ausgewiesen sein. Sie haben ein Gesamtausmaß von 9.356 Hektar. Das entspricht rund 0,57 Prozent der Landesfläche. Gleichzeitig wurden im neuen Sachprogramm auch rund weitere 40.000 Hektar als Ausschlusszonen definiert, auf denen keinesfalls Windkraftanlagen gebaut werden. Das entspreche insgesamt rund 27 Prozent der Landesfläche, schilderte der für Regionalentwicklung zuständige Landesrat Stefan Hermann (FPÖ). Er gab auch einen Ausblick auf ein mögliches weiteres Sachprogramm für Energiespeicher, das wohl in Zukunft immer wichtiger werden wird, um den erzeugten Strom auch speichern zu können.
Sämtliche neuen Vorrangzonen wurden einer strategischen Umweltprüfung (SUP) unterzogen, wobei Lebensräume von gefährdeten Tieren und andere weitere ökologische Kriterien beachtet wurden. Mit der Novelle werden Vorrangzonen bereits als gewidmete Flächen für den Bau von Windkraftanlagen zur Verfügung stehen. Die Eignungszonen dagegen seien noch nicht passend gewidmet, könnten aber ebenfalls entwickelt werden.
Die neuen Zonen
Die neuen Vorrangzonen im Detail: Hiasbauerhöhe, Kampelekogel/Stoffkogel, Hauereck, Hahnkogel, Ochsenkogel/Bärenkogel, Himberger Eck, Veitschbachtörl, Eisnerkogel/Langeben und Floning. Neu sind die Eignungszonen Bundschuh, Perchauer Eck, Hubereck/Klosterkogel, Brandwald/Steinplan und Steineck/Kammern. Die Vorrangzonen Moschkogel und Rosskogel werden erweitert – ebenso wie die Eignungszonen Herrenstein und Pongratzer Kogel.
APA




