In Österreich hingegen gibt es bei Diesel leichte Entspannung – Opec dreht den Ölhahn etwas auf
Die Treibstoffpreise werden derzeit mit Argusaugen beäugt. In Deutschland knackte der Dieselpreis mit 2,486 Euro je Liter am Osterwochenende erneut einen Rekord. Am Sonntag lag er leicht darunter. 2,24 Euro kostete ein Liter Super. Bei einer Tankstelle in Eschborn bei Frankfurt erreichte der Dieselpreis zeitweise über drei Euro, dokumentierte Bild empört.
Seit Mittwoch dürfen die Tankstellen bei den Nachbarn nur noch einmal täglich die Spritpreise nach oben schrauben. Vorbild war Österreich. Hierzulande gilt mittlerweile zusätzlich die Spritpreisbremse, für einen Liter Diesel mussten am Sonntag im Schnitt 2,147 Euro, für einen Liter Superbenzin 1,752 Euro bezahlt werden. „Die aktuellen Spritpreise sind zwar ärgerlich, aber kaufkraftbereinigt nicht gerade ein nationaler Notstand“, kritisiert die industrienahe Denkfabrik Agenda Austria die staatliche Maßnahme und rechnet vor, dass ein Erwerbstätiger mit mittlerem Nettoverdienst für einen Liter Benzin rund sechs Minuten arbeiten müsse; genau wie im Schnitt der vergangenen drei Jahrzehnte.
Ruf nach Übergewinnsteuer
Zu hoch, finden dennoch Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) und seine Amtskollegen aus Deutschland, Spanien, Portugal und Italien. Sie drängen die EU-Kommission in einem Brief zu einer Übergewinnsteuer auf europäischer Ebene. Zur Erinnerung: Die EU hatte 2022 nach der Energiepreisexplosion zu Beginn des Ukraine-Krieges eine befristete Sonderabgabe auf Übergewinne bestimmter Unternehmen aus dem Energiesektor eingeführt. In Österreich hieß das Instrument Energiekrisenbeitrag. Die fünf EU-Finanzminister schlagen nun vor, dass die EU-Kommission anders als 2022 auch prüfen sollte, ob und wie die Auslandsgewinne multinationaler Ölkonzerne gezielter einbezogen werden könnten.
Entspannt hat sich die Weltlage, die auch den Ölpreis mitbestimmt, am Wochenende nicht. Zwar scheint die US-Regierung ihr Ultimatum an Teheran zur Öffnung der Straße von Hormus zum dritten Mal zu verschieben. Allerdings nicht ohne die Drohungen zu verschärfen: „Wenn sie bis Dienstagabend nichts unternehmen, bleibt kein Kraftwerk und keine Brücke stehen“, sagte Trump dem Wall Street Journal. Auf Truth Social klingt das noch deftiger: „Öffnet die verdammte Straße (von Hormus), ihr verrückten Mistkerle, oder ihr werdet in der Hölle landen“, wütete der Präsident wenig präsidial in einem Post am Ostersonntag.
Die Ölpreise zogen zu Wochenbeginn weiter an. Der Preis für Nordseeöl der Marke Brent stieg auf über 111 US-Dollar (96,31 Euro) je Barrel (159 Liter). Das sind fast 40 Dollar mehr als vor Beginn des Irankriegs. Vom bisherigen Allzeithoch von knapp 145 Dollar ist der Preis aber noch entfernt. Im März sind die Rohölpreise um mehr als die Hälfte gestiegen.
Ölhahn leicht geöffnet
Angesichts der Auswirkungen des Irankriegs auf die weltweiten Rohstoffmärkte haben die acht Kernstaaten des Öl-Kartells OPEC+ – zu ihnen gehören besonders betroffene Staaten wie Saudi-Arabien, Kuwait, Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate – am Wochenende beschlossen, den Ölhahn leicht aufzudrehen. Der Tagesausstoß könne im Mai um 206.000 Barrel (je 159 Liter) erhöht werden, hieß es. Inwieweit das den Preisauftrieb etwas eindämmen kann, wird sich zeigen. Denn ohne die strategische wichtige Straße von Hormus bleibt es eng. Und noch ist Teheran nicht bereit, dieses Nadelöhr wieder freizugeben.
Der Standard



