Grüne Energie erstmals über 40 Prozent

3. April 2026, Kleine Zeitung

Steirer verheizten zuletzt weniger Öl und Gas: Neue Daten zeigen erfreulichen Trend, doch nur ein Teil geht aufs Konto von Maßnahmen.

Ein halber Prozentpunkt weniger Energieverbrauch, das klingt nach einer überschaubaren Menge. Tatsächlich hat die Steiermark 2024 mit diesem Rückgang rechnerisch die jährliche Erzeugungsmenge von drei Grazer Murkraftwerken eingespart. Wobei die Einsparung in diesem Fall nicht aufs Konto der Wasserkraft ging, sondern hauptsächlich von weniger Ölverbrauch getragen wurde.
Es sind durchaus erfreuliche Werte, die der druckfrische Energiebericht des Landes für das Jahr 2024 liefert. Während das Bruttoregionalprodukt, also die steirische Wirtschaftsleistung, um mehr als vier Prozent gewachsen ist, steht vor dem Erdöl- und Erdgasverbrauch im Land jeweils ein Minus von 4,8 bzw. 2,4 Prozent. Im Gegenzug hat der Anteil erneuerbarer Energieträger einen Sprung nach oben hingelegt und ist um 8,4 Prozent gewachsen. Erstmals liegt der Erneuerbaren-Anteil am steirischen Energieverbrauch damit knapp oberhalb der Marke von 40 Prozent. Von einer „unheimlich positiven Entwicklung“ spricht Energie-Landesrätin Simone Schmiedtbauer (ÖVP) nicht zuletzt mit Blick auf die aktuellen Verwerfungen durch den Iran-Krieg.


Am stärkstenzurückgegangen, nämlich um fast sechs Prozent, ist der Energiebedarf der Haushalte. Das ist laut dem Bericht zum einen der fortschreitenden Sanierung des Gebäudebestands geschuldet. Vor allem aber liegt es an einem Faktor, der eher ein Zufallsprodukt ist: der milden Witterung in den Wintermonaten. Laut Umweltbundesamt gab es 2024 im Österreichschnitt um 4,1 Prozent weniger Heizgradtage als noch im Jahr davor.


Bemerkbar macht sich allerdings auch der Wechsel weg von Öl und Gas beim Heizen. In rund 87.000 steirischen Haushalten läuft laut Statistik Austria noch eine Ölheizung, vor zehn Jahren waren es noch fast doppelt so viele. Mit Gas halten sich rund 40.000 steirische Haushalte warm. Heizte um die Jahrtausendwende noch mehr als jeder zweite Steirer mit Öl, Gas und Kohle, liegt der fossile Gesamtanteil heute nur noch bei etwas mehr als einem Fünftel


Wobei der Löwenanteil des importierten Erdöls ohnehin nicht in den Hauskellern verbrannt wird, fast zehn Mal so viel fließt in die Motoren der Kraftfahrzeuge. Hier zeigt sich 2024 ein ambivalentes Bild: Während der Benzinabsatz um 2,1 Prozent angestiegen ist, gab es beim Diesel einen Einbruch von 4,2 Prozent. Beim Fliegen scheint dagegen so gut wie keine Zurückhaltung zu existieren: Der Kerosinabsatz ist um 12,6 Prozent nach oben geschossen und hält bereits bei fast einem Drittel des gesamten Heizölbedarfs.
Auch beim Erdgas gilt: Nur sieben Prozent der importierten Menge entfallen aufs private Heizen, knapp 60 Prozent gehen an die Industrie, das restliche Drittel fließt in die Fernwärme- und Stromgewinnung. Letztere legte 2024 am Standort Graz-Mellach nach einer gaspreisbedingten Flaute im Jahr davor massiv um mehr als 60 Prozent zu. Die Gas-Importe ins Land stiegen in der Folge – den Einsparungen im Direktverbrauch zum Trotz – um ein Zehntel an.


Das, obwohl sich 2024 auch als sehr günstiges Jahr für die erneuerbare Stromerzeugung erwiesen hat. Die steirischen Laufwasserkraftwerke erzeugten die Rekordmenge von 4,6 Terawattstunden (TWh) Strom, die Photovoltaik speiste in Summe nie dagewesene 1,54 TWh ein und die rund 120 Windräder im Land lieferten ebenfalls davor unerreichte 0,63 TWh Strom in die Netze.


In Summe hat diese Entwicklung bewirkt, dass die Steiermark mit Stand 2024 auf Zielkurs ist, den Energieverbrauch bis 2030 wie geplant um 17 Prozent zu senken und den Erneuerbaren-Anteil auf 55 Prozent zu steigern. Allerdings dürfte das Jahr 2025 weniger erbaulich verlaufen sein. Laut Erstberechnungen des Umweltbundesamts war der Winter hier deutlich kälter – und das Jahr war so trocken, dass die Wasserkraftproduktion um rund ein Viertel eingebrochen ist. Umgelegt auf Energieverbrauch und Treibhausgasausstoß bedeutet das: In beiden Bereichen dürfte es, entgegen den Landeszielen, wieder ein Plus gegeben haben.


40,8 Prozent beträgt der Anteil erneuerbarer Energien am steirischen Gesamtverbrauch (Stand 2024). Die Haushalte liegen bei 68,4, die Industrie hält bei 43,3 und der Verkehr bei 11,9 Prozent. Beim Stromverbrauch liegt der Erneuerbaren-Anteil bei 63,6 Prozent.

Von Günter Pilch