Zertifikate. Der Stromverbrauch wächst weltweit, die steigenden Öl- und Gaspreise heizen den Bedarf nach alternativen Energiequellen nun an. Welche Chancen gibt es?
Auf dem jüngsten Pariser Atomgipfel sorgte eine Aussage von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen für reichlich Aufsehen. So sei die Abkehr von Atomenergie in Europa ein Fehler gewesen. Vor allem Deutschland hat seit dem Reaktorunglück im japanischen Fukushima im Jahr 2011 eine dramatische Kehrtwende vollzogen. Doch seit Ausbruch des Iran-Krieges hat sich die Meinung rund um den strahlenden Energieträger schlagartig gewendet. Der Ölpreis schießt nach oben und der Handel mit Gas bleibt, auch aufgrund der Angriffe auf die weltweit größte Produktionsanlage von Flüssiggas in Katar, wohl noch länger deutlich beeinträchtigt. Die Chancen für ein Comeback der Atomenergie stehen also gut.
Angesichts der immer weiter steigenden Energiepreise werden die Forderungen nach mehr Atomkraft in Europa auch immer lauter. Freilich, in einigen Teilen ist sie ohnedies seit Jahrzehnten ein wesentlicher Teil des Strommix. In Frankreich etwa stammt knapp mehr als 67 Prozent der Stromerzeugung aus Atomkraft. Der Anteil ist damit der weltweit größte, gefolgt von der Slowakei, wo er bei 60,6 Prozent liegt. Dies geht aus Statistiken der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) hervor. Auch in weiteren europäischen Ländern spielt nukleare Energie eine große Rolle, so etwa in Ungarn und auch Belgien. Nun könnte sich das Blatt auch in Deutschland allmählich wieder wenden. So fordert Bayerns Ministerpräsident Markus Söder den Bau von Mini-AKW, die mit Atommüll betrieben werden sollen.
Größter Produzent USA
Doch wie sieht es abseits Europas aus? Der weltweit größte Atomstromproduzent sind die USA. Auch in anderen Regionen wird verstärkt auf Atomkraft gesetzt. Zu Jahresbeginn 2026 waren 66 Reaktoren in elf Ländern im Bau, wie aus dem World Nuclear Industry Status Report hervorgeht. Mehr als die Hälfte davon entfällt auf China, wo derzeit 57 Meiler stehen. Auch die Internationale Energieagentur beobachtet die Entwicklungen genau. Und schätzt die globale Atomstromproduktion für 2025 auf rund 2.900 Terawattstunden, ein neues Rekordhoch. Dies umfasst rund zehn Prozent des globalen Strommix.
Damit wird schnell klar, dass die Atomkraft nicht erst seit Ausbruch des Iran-Krieges an Fahrt gewinnt, wenngleich der Konflikt den Ausbau beschleunigen dürfte. Schließlich wächst der Strombedarf seit Jahren und wird derzeit etwa von der steigenden Zahl an Rechenzentren angetrieben. Damit wächst freilich auch die Nachfrage nach Uran. Laut World Nuclear Association, einer Interessenvertretung der Atomindustrie, dürfte sie bis 2030 auf 79.400 Tonnen ansteigen. 2021 lag die Nachfrage bei 62.500 Tonnen.
Anleger, die auf entsprechende Branchenaktien setzen wollen, können dies mit Zertifikaten tun. So setzt das Vontobel Nuclear Energy Indexzertifikat (DE000VX5TNQ3) auf zehn Titel, die im Uranabbau und in der Erzeugung von Atomstrom tätig sind. Energy Fuels aus den USA fördert unter anderem Uran und Seltene Erden. Vor Kurzem vermeldete der Konzern eine erhöhte Fördermenge in der White Mesa Mill, im US-Bundesstaat Utah und dies bei steigenden Uranpreisen. NexGen Energy, ebenfalls Teil des Indexes, ist ein kanadisches Uranexplorations- und -förderunternehmen. Berichten zufolge hat die Firma Fortschritte bei der Erschließung des Rook I-Projekt im kanadischen Bundesstaat Saskatchewan vermeldet. Das Projekt liegt im Athabasca-Becken, wo eines der größten unerschlossenen Uranvorkommen des Landes liegt. Auch Kazatomprom, der weltweit größte Uranproduzent, ist Teil des Index, wie auch der kanadische Uranförderer Cameco.
Mögliche Zertifikate
Ein wenig anders ist die Zusammensetzung des Solactive Uranium Mining Indexzertifikats der Société Générale (DE000SH02Q84). Darin enthalten sind 14 Titel. Dazu zählt auch die kanadische Denison Mines. Im Vorjahr konnte der Uranförderer den Umsatz steigern. Jedoch wurde der Nettoverlust auf 217,29 Millionen kanadische Dollar kräftig ausgeweitet. Die US-amerikanische Ur-Energy, ebenfalls Teil des Index, fördert Uran wiederum im US-Bundesstaat Wyoming. Auch diese Firma weitete ihre roten Zahlen 2025 aus. Bei beiden Zertifikaten sind größere Verluste möglich.
Von Raja Korinek
Die Presse





