Eigentümer. Nur rund die Hälfte des Gases gehört Österreich. Im Krisenfall Zugriff auf ausländische Lagerbestände möglich.
„Österreich bei der Gasspeicherung ganz vorne mit dabei“, postete ÖVP-Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer unlängst. Mit 85,4 Prozent des Jahresverbrauches liege man deutlich über dem EU-Durchschnittswert von 22,9 Prozent. Und Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) jubelte in Hinblick auf den bevorstehenden Winter über die „starke Absicherung für Krisensituationen“.
Stimmt schon, statistisch betrachtet hat nur Lettland mehr Gas (im Verhältnis zum Verbrauch) eingespeichert als die Alpenrepublik. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn zur Frage, wem das Gas in den heimischen Speichern tatsächlich gehört, hat sich die Regierung nie klar geäußert. Auch vorherige Regierungen haben das Thema nicht angeschnitten. Öffentlich bekannt gegeben werde immer der gesamte Speicherstand, beobachten Energie-Experten.
Schaut auch wesentlich beruhigender aus. Tatsache ist allerdings, dass nur knapp 54 Prozent Österreich gehören. Mit Stichtag 27. Oktober 2026 lagerten in Österreich insgesamt rund 68 TWh. Der gesamte Jahresverbrauch hierzulande liegt bei 75 TWh.
Niedrigst-Stand seit 2013
20 TWh sind die strategische Gasreserve, quasi der staatlich kontrollierte Erdgasvorrat der Bundesregierung. Plus kleinere „immunisierte Mengen“, die Unternehmen gemäß Energielenkungsgesetz selbst eingespeichert haben. Dazu sind weitere Mengen für geschützte Kundinnen bevorratet, also für Haushalte und beispielsweise Spitäler, die immer mit Energie versorgt werden müssen (siehe Grafik). Rund 31,5 TWh, das sind mehr als 46 Prozent, gehören ausländischen Kunden, großteils internationalen Gashändlern. Laut E-Control ist dieses Gas vor allem für Deutschland, Italien und Slowenien vorgesehen.
Nicht nur Österreich, die gesamte EU hat den Füllstand ihrer Speicher auf dem niedrigsten Niveau seit 2013. Was E-Control-Gasexpertin Carola Millgramm mit den heuer extrem hohen Preisen erklärt. Um die Versorgungssicherheit sorgt sie sich nicht, „wir haben einen ganz guten Polster. Das Thema sind mehr die Preise.“
Für den äußersten Notfall
Mit der strategischen Gasreserve „können wir rund ein Viertel des österreichischen Jahresverbrauchs bzw. zwei kalte Wintermonate abdecken“, kalmiert man im Wirtschaftsministerium. Im Krisenfall erlaube das Energielenkungsgesetz unter bestimmten Voraussetzungen darüber hinaus Eingriffe in Speicherung, Verteilung und Handel mit Gas. Unabhängig davon, ob dieses österreichischen oder ausländischen Unternehmen gehöre. Das wäre im Einklang mit EU-Recht möglich und wird für den „äußersten Notfall“ auch von der E-Control bestätigt.
Insider glauben freilich nicht, dass Österreich dann so locker auf beispielsweise deutsches Gas zugreifen könnte.
Kurier



