Energie Steiermark nahm Wasserstoffleitung in Betrieb

6. November 2026, Gabersdorf
Teil einer größeren Infrastruktur
 - Bad Hersfeld, APA (dpa/Themenbild)

Die Energie Steiermark setzte im südsteirischen Gabersdorf (Bezirk Leibnitz) am Freitag einen nach eigenen Angaben „Meilenstein für die Energiewende“: Im Zuge der Netzeinspeisung von Wasserstoff und Biomethan wurde erstmals in Österreich eine bestehende Erdgasleitung auf den Betrieb mit 100 Prozent Wasserstoff umgestellt und nach dem Gaswirtschaftsgesetz genehmigt. Erstmals werde real getestet, wie die bestehende Gasinfrastruktur für Wasserstoff genützt werden könne.

Ziel ist eine Beschleunigung bei der Dekarbonisierung der Industrie und eine Senkung der Investitionskosten. Konkret werden die Eignung bestehender Materialien, die Sicherung der Wasserstoffqualität in gebrauchten Leitungen, notwendige Aufbereitungsverfahren und der gesetzliche Prüf- und Umwidmungsprozess in der Praxis untersucht, teilte die Energie Steiermark mit. Das Forschungsprojekt HyGrid2 – mit 2,3 Mio. Euro dotiert – liefere dazu wesentliche Grundlagen.

Teil einer größeren Infrastruktur

Erstmals werde in der Steiermark auch die Energieversorgung eines Industriebetriebes auf neue Beine gestellt: Das Unternehmen PUREA in Gabersdorf stellte in Kooperation mit der Energie Steiermark seine Erdgas-Anlagen um und arbeitet ab sofort mit einer Zehn-Prozent-Beimischung von Wasserstoff. Die technischen Vorbereitungen für einen 20-Prozent-Anteil sind abgeschlossen.

In diesem Zusammenhang sei auch die aktuelle Errichtung der größten steirischen Elektrolyse-Anlage in Bergla (Bezirk Deutschlandsberg) mit einem Investitionsvolumen von 25 Mio. Euro in Kooperation mit dem Sandvik-Konzern zu sehen. „Unser strategisches Ziel dabei liegt auf der Hand: Die Energie Steiermark als einen der führenden Innovatoren und Taktgeber beim Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in Österreich zu positionieren“, so Martin Graf und Werner Ressi, Vorstandsteam der Energie Steiermark, bei der Inbetriebnahme der Wasserstoffleitung. Bis 2030 sollen in der Steiermark insgesamt 20 Megawatt Elektrolyseleistung aufgebaut werden.

Ausbau auch in Obersteiermark

In den kommenden Jahren soll in der Steiermark ein mehr als 200 Kilometer langes Wasserstoffnetz entstehen. Ziel ist es, insbesondere energieintensive Industriebetriebe mit Wasserstoff zu versorgen und ihnen damit eine klimafreundliche Alternative zu fossilem Erdgas zu eröffnen. Während neue Wasserstoff-Leitungen bereits alle Voraussetzungen für den Betrieb haben, müssen „alte“ Netze einen umfassenden Umstellungs-Prozess durchlaufen. Derzeit errichten die Energienetze Steiermark eine neue H2-taugliche Leitung zwischen den obersteirischen Orten Bruck/Mur und St. Michael/Traboch in den Bezirken Bruck-Mürzzuschlag und Leoben. Sie soll Teil des künftigen steirischen Wasserstoffkernnetzes werden und dazu beitragen, heimische Industriestandorte langfristig an nationale und internationale Wasserstoffquellen anzubinden.

APA