
Die Verbund AG hat am Freitag das revitalisierte Flusskraftwerk Laufnitzdorf nördlich von Frohnleiten wieder ans Netz genommen. In das im Jahr 1931 nach zwei Jahren Bauzeit errichtete Laufkraftwerk – das erste in der Steiermark mit Kaplan-Turbine – investierte man rund 65 Mio. Euro. Mit den neuen Maschinensätzen kann Laufnitzdorf mit 24,3 Megawatt (zuvor: rund 18) den Jahresstrombedarf von 40.000 Haushalten decken und ist damit das stärkste Wasserkraftwerk an der Mur.
Seitens des Verbunds sprach man von der größten Kraftwerkserneuerung der Steiermark. Laufnitzdorf war in den 1930er-Jahren das größte Laufwasserkraftwerk Österreichs gewesen. Es ist eines von 43 Wasserkraftwerken der Verbund-Kraftwerksgruppe Steiermark, diese besteht aus 36 Laufkraftwerken und sieben Speicherkraftwerken. Seit Oktober 1931 hat es mehr als zehn Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt. Vor fast hundert Jahren hatte der Ingenieur und Erfinder der nach ihm benannten Turbine, Viktor Kaplan, den Einbau der Wasserturbine mit verstellbarem Laufrad begleitet. Heute sind Kaplan-Turbinen in allen großen Laufwasserkraftwerken im Einsatz. „Diese Kraftwerke sind nicht nur die wichtigste Säule der erneuerbaren Stromerzeugung, sondern vielmehr auch ein Rückgrat der hohen Stromversorgungssicherheit in Österreich“, so Achim Kaspar, im Verbund-Vorstand für den Bereich Wasserkraft zuständig.
Revitalisierung begann 2024
Im Herbst 2024 hatte das Revitalisierungsprojekt begonnen. Im historischen und denkmalgeschützten Krafthaus wurden neue Turbinen und Generatoren eingebaut, wobei das Erscheinungsbild der beiden Maschinensätze jenem der Original-Maschinen entspricht. „Die Geschichte dieses Kraftwerks war uns Auftrag, die Erfordernisse des Denkmalschutzes mit dem Anspruch größtmöglicher Effizienz in Einklang zu bringen“, sagte Karl Heinz Gruber, Geschäftsführer der Verbund Wasserkraft. „Das Ergebnis ist eine beeindruckende Leistungssteigerung der Gesamtanlage um mehr als 30 Prozent.“
Bei der Eröffnung war auch die Enkelin von Viktor Kaplan, Gerlind Weber, dabei. Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ) sagte bei dem Festakt, die Revitalisierung stärke „die Versorgungssicherheit, unseren Wirtschaftsstandort und sichert Wertschöpfung und Arbeitsplätze“. Für ÖVP-Landesrat Willibald Ehrenhöfer zeige das Kraftwerk Laufnitzdorf, „wie sich durch den Einsatz innovativer Technik das Potenzial bestehender Infrastruktur optimal nutzen lässt“.
Denkmalschutz berücksichtigt
Parallel zu den Arbeiten im Hauptkraftwerk wurden auch bei der Wehranlage in Mixnitz die österreichweit einzigartigen Wehrwalzen vollständig erneuert. Die beiden neuen Verschlusssegmente wiegen jeweils 120 Tonnen und wurden mittels Sondertransporten zur Wehranlage transportiert und mit Schwerlastkränen eingehoben. Als Auflage des Denkmalschutzes wurden dabei sämtliche neuen Betonarbeiten künstlich gealtert, damit optisch kein Unterschied zum Bestandsbauwerk erkennbar ist. Zusätzlich wurde im Bereich der Wehranlage ein neues Wehrkraftwerk errichtet. Entlang des sieben Kilometer langen Ausleitungskanals, der das Wasser von der Wehranlage bis ins Krafthaus leitet, wurden vier Brücken erneuert bzw. saniert und verbreitert. Auch die Fischwanderhilfe wurde erneuert und als Kombination eines naturnahen Umgehungsbachs und Vertical-Slot-Becken neu errichtet. Die 70 Becken sind mit einer Schlitzweite von 35 Zentimetern auf den gefährdeten Flussfisch Huchen mit einer Größe von einem Meter ausgelegt.
APA




