Verkauf von Wiener Lukoil-Holding an Carlyle scheiterte

6. Oktober 2026, Wien/Moskau/Washington
FT und NYT sahen Trump-Unterstützer als möglichen Käufer
 - Wien, APA/THEMENBILD

Der Ende Jänner vereinbarte Verkauf der Lukoil International GmbH (LIG) in Wien an die US-Investmentfirma Carlyle ist im Sommer an der fehlenden Bewilligung des US-Finanzministeriums gescheitert. Darüber berichtet die österreichische Holdinggesellschaft des russische Lukoil-Konzerns in ihrem am Dienstag im Firmenbuch veröffentlichten Jahresabschluss für 2025. Die Erlaubnis wäre im Zusammenhang mit US-Sanktionen gegen Lukoil nötig.

Der Lukoil-Mutterkonzern habe seit den Sanktionierungen durch die Kontrollbehörde OFAC im US-amerikanischen Finanzministerium Ende Oktober 2025 laufend Verhandlungen mit unterschiedlichen Interessenten geführt, vermerkt Lukoil International in jenem Kapitel des Jahresabschlusses, der sich mit einer wesentlichen Unsicherheit im Zusammenhang mit der Unternehmensfortführung beschäftigt. Am 29. Jänner 2026 sei zwischen Carlyle in den USA und Lukoil in Moskau ein Kaufvertrag unterzeichnet worden, nach deren Closing die LIG und deren verbundene Unternehmen an Caryle übergehen sollten. Die Freigabe des Kaufvertrags liege bei der OFAC zur Genehmigung vor. „Mit Ende Juli verfiel die Gültigkeit des Kaufvertrags, da er seitens der OFAC nicht genehmigt wurde. Aktuell laufen intensive Verhandlungen mit anderen Interessenten über den möglichen Erwerb der LIG Gruppe“, heißt es im Dokument.

FT und NYT sahen Trump-Unterstützer als möglichen Käufer

Der russische Mutterkonzern selbst hatte das Scheitern des Deals mit Carlyle nicht öffentlich gemacht. Zuletzt hatte ein möglicher Verkauf der österreichischen Holdinggesellschaft im Zusammenhang mit Verhandlungen zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und den Emissären von US-Präsident Donald Trump, Steve Witkoff und Jared Kushner, für Schlagzeilen gesorgt. Die Financial Times und die New York Times berichteten Ende September und Anfang Oktober, dass der Milliardär und Trump-Unterstützer Todd Boehly, zwei Gesellschaften mit Geschäftsbeziehungen zu den Familien Witkoff oder Kushner sowie die US-Regierung selbst beim Kauf der internationalen Lukoil-Beteiligungen in etwa 20 Staaten zum Zug kommen könnten.

Die Zukunft der Lukoil International GmbH, deren Anlagevermögen im Jahresabschluss 2025 mit mehr als 10 Mrd. Euro beziffert wird, hängt derzeit insbesondere von der Verlängerung von Ende Oktober 2026 auslaufenden Ausnahmebestimmungen durch die zuständige US-Behörde ab. Sollte die Lizenz von OFAC nicht verlängert oder der Abschluss eines Verkaufs untersagt werden, würde die aktuell suspendierten Sanktionen schlagend werden, heißt es im Jahresabschluss. Auf Grund der angedrohten Sekundärsanktionen hätte dies negative Auswirkungen auf einzelne Geschäftsbeziehungen, Lieferketten sowie Absatzmärkte der Gesellschaft und der Gesellschaften der LIG Gruppe. „Diese Auswirkungen können im Speziellen den Zahlungsverkehr besonders betreffen, da es zu einer Sperrung der Konten käme, und dies zu einer technischen Zahlungsunfähigkeit der LIG führen würde“, schätzt man in der österreichischen Holdinggesellschaft dieses Szenario ein.

APA