Echtzeitdatensammlung zum Wetter spart Kosten.
Alle buhlen um einen Netzzugang: Windkraftanlagen, Solarparks, Batteriespeicher und zuletzt vermehrt auch Rechenzentren. Dem Stromnetzbetreiber Austria Power Grid (APG) liegen Netzzugangsanfragen von 36.000 Megawatt (MW) vor. Zuviel Leistung für zu wenig Netz. „Wir haben derzeit nicht die Netzkapazität für diese Anfragen“, sagte APG-Vorstand Gerhard Christiner. Am gezielten Ausbau der Stromnetze führt also kein Weg vorbei. Doch daneben müsse man das Maximum aus den bestehenden Stromnetzen herausholen. Ein kleiner, weißer Kasten kann dabei helfen.
Es handelt sich dabei um einen intelligenten Sensor von Grid Pulse – einem Joint Venture von Siemens Energy und der Mosdorfer GmbH. Der Sensor kann per Drohne an der Stromleitung angebracht werden – ohne dass die Leitung extra abgeschaltet werden muss. Grid Pulse liefert Echtzeitdaten zu Wind, Temperatur und Seil-Schwingungen direkt an die APG-Steuerzentrale. „Der Einsatz der Sensoren ermöglicht Leistungssteigerungen zwischen 10 und 50 Prozent“, sagt Aleš Prešern, Österreich-Chef von Siemens Energy. Ziel sei, die Übertragungskapazitäten im Stromnetz noch besser zu nutzen.
Mehr Fluss im Winter
Leistungssteigerung meint dabei: wie viel Strom durch eine Leitung geschickt werden kann. Dies hängt von der Außentemperatur, der Windstärke und dem Durchhang der Leiterseile ab. Tiefe Temperaturen und starker Wind kühlen die Seile, dadurch kann mehr Strom durch die Leitungen fließen, als etwa im Sommer bei Windstille. Im Winter sei die Kapazität daher aufgrund der tieferen Temperaturen tendenziell größer. „Dank dem Einsatz neuer Sensoren kann ein genaueres Echtzeitbild der Leitung digital erfasst, und die aktuell verfügbare Übertragungskapazität präzise berechnet werden“, sagt APG-Vorstand Christiner.
Um die Bedingungen um die Stromleitung exakt zu messen, kommen bereits Sensoren zum Einsatz. Sie liefern der APG neben Prognose-Wetterdaten der Geosphere Austria Echtzeitinformationen zu Temperatur und Windstärke. Rund 25 Prozent des APG-Netzes sind bereits damit ausgestattet, im Fachjargon „Witterungsabhängiger Freileitungsbetrieb (WAFB)“ genannt.
Die Technik ist seit 2013 im Einsatz. Die Sensoren sind speziell an 220kV-Leitungen angebracht, weil diese immer wieder durch Engpässe gefährdet sind. Dadurch können Eingriffe ins Stromnetz, das sogenannte Redispatch, verhindert werden. „Die Sensor-Technik hat uns geholfen, zwischen 30 und 50 Millionen Euro pro Jahr einzusparen“, erklärt Christiner.
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