
Die Ölpreise haben am Mittwochabend ihre Gewinne ausgebaut. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Referenzsorte Brent aus der Nordsee zur Lieferung im November kletterte im Abendhandel um bis zu viereinhalb Prozent auf 103,79 Dollar nach oben. Im frühen Geschäft war die Notierung zeitweise bis knapp unter 98 Dollar gefallen, bevor am Ölmarkt eine Gegenbewegung einsetzte. Der November-Kontrakt über ein Fass der US-Sorte WTI zog ebenfalls kräftig an.
Die geopolitische Lage im Nahen Osten bleibt ein bestimmendes Thema. Laut jüngsten Meldungen ist in der für den Ölhandel wichtigen Straße von Hormuz erneut ein Frachtschiff unter Beschuss geraten. Wie die britische Behörde für Sicherheit in der Schifffahrt (UKMTO) mitteilte, wurde ein Schiff von einem unbekannten Projektil getroffen und stehe in Flammen. Die Besatzung sei evakuiert worden.
Zuvor hatte die Hoffnung auf Fortschritte hin zu einer diplomatischen Lösung für ein Ende des Iran-Kriegs die Ölpreise noch belastet. Anleger hatten darauf spekuliert, dass den Vertretern der Vereinigten Staaten und des Iran am Rande der UN-Vollversammlung Fortschritte hin zu einer Annäherung gelingen könnten.
Keine Entspannungssignale auf UNO-Versammlung
Doch davon war auf offener Bühne nichts zu sehen. Irans Präsident Massoud Pezeshkian wies am Nachmittag vor den Vereinten Nationen die scharfe Kritik von US-Präsident Donald Trump vehement zurück. „Gestern sagte der Präsident der Vereinigten Staaten, wir seien Terroristen. Wir sind Opfer des Terrorismus“, sagte Pezeshkian bei der UN-Generaldebatte in New York. Der US-Vertreter verließ bei der Rede des iranischen Präsidenten demonstrativ den Saal.
Trump hatte dem Iran in seiner Rede am Vortag zum Auftakt der Generaldebatte zwei mögliche Optionen für den weiteren Verlauf des Konflikts skizziert: Ein Abkommen, das es dem Iran erlaube, zu großer wirtschaftlicher Stärke zurückzufinden. Oder die Vernichtung der Islamischen Republik, um dem Iran „niemals wieder die Chance zu geben, Menschen zu töten und Länder zu zerstören“. Wähle der Iran den Krieg, lande die Republik in der „Hölle, ohne Überlebenschance und ohne Hoffnung auf zukünftige Größe oder nachfolgende Generationen“.
Bisher waren zahlreiche Versuche zur Beendigung des Konflikts erfolglos geblieben, einschließlich eines kurzzeitig bestehenden Abkommens für eine Waffenruhe. Seither halten die USA eine Blockade der iranischen Häfen aufrecht, was die Exporterlöse des Landes einschränkt. Als Reaktion darauf setzte der Iran seine Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormuz fort.
Kursspitze zuletzt bei rund 110 US-Dollar
Die Sorge über die Folgen einer längeren Blockade von Öllieferungen durch die Straße von Hormuz hatte den Preis für Rohöl der Sorte Brent in der vergangenen Woche noch zeitweise bis an die Marke von 110 Dollar getrieben, bevor er wegen der Hoffnung auf eine Lösung im Iran-Krieg in den vergangenen Tagen zumindest zwischenzeitlich wieder deutlich fiel.
Seit Beginn des Jahres hat der Iran-Krieg den Rohstoff um mehr als 70 Prozent verteuert. Mit der aktuellen Notierung von knapp 104 Dollar liegt der Brent-Preis allerdings noch deutlich unter dem Jahreshoch von etwas mehr als 126 Dollar.
APA/dpa-AFX



