
Eine Tarifreform soll die Stromnetzentgelte für das Gros der Haushalte drücken. Doch nun warnt die Arbeiterkammer (AK) im Vorfeld einer konkreten Entscheidung über die geplante Reform vor weitreichenden Entgeltbefreiungen für Stromspeicher. Deren Kosten dürften nicht auf andere Netznutzer abgewälzt werden und erst wieder Haushalte treffen, obwohl die Speicher wichtiger Baustein der Energiewende seien, schrieb die AK am Montag in einer Aussendung.
In der Debatte der vergangenen Wochen habe die Speicherbranche gemeinsam mit dem ÖVP-geführten Wirtschaftsministerium lobbyiert, so die SPÖ-nahe Sozialpartnerin. Dabei habe die Regulierungsbehörde E-Control „einen guten Vorschlag auf den Tisch gelegt, der nicht aufgeweicht werden sollte“. Beim Ruf nach Sonderregelungen für die Speicher werde aber „oft verschwiegen, dass jede Entgeltbefreiung für Speicher automatisch höhere Kosten für alle übrigen Netzkund:innen bedeutet, weil die Netzentgelte in Summe immer die Kosten der Netzbetreiber decken müssen“, kritisiert die AK.
AK: Haushalte zahlen, wenn Speicher befreit werden
Laut AK-Rechnung bezahlen die übrigen Netznutzer derzeit etwa 60 Mio. Euro im Jahr zusätzlich, weil zahlreiche Pumpspeicher von den Netzentgelten befreit sind oder reduzierte Entgelte fällig werden. „Würde das energiepolitische Ausbauziel von fünf Gigawatt Speichern vollständig von den Netzentgelten befreit, würde dies die übrigen Netzkund:innen laut Berechnungen mit rund 350 Millionen Euro pro Jahr belasten. Das entspricht etwa zehn Prozent der gesamten Netzkosten“, erklärt AK Energieexperte Joel Tölgyes. „Wer Speicher von Netzentgelten befreien will, muss auch sagen, wer am Ende die Rechnung bezahlen muss.“
Aus Sich der Arbeiterkammer können Speicher einen Beitrag für ein stabiles Energiesystem leisten, wie groß dieser sein werde, sei aber derzeit schwer einschätzbar. Durch die steigende Vernetzung des heimischen mit dem europäischen Strommarkt gebe es die Gefahr, dass hiesige Förderungen und Netzentgeltrabatte ins Ausland „abfließen“ könnten. Es brauche Speicher, aber auch eine faire Verteilung der Kosten, fordert die Arbeitnehmendenvertretung.
„Österreich braucht dringend mehr Speicher“
„Österreich braucht dringend mehr Speicher“, machte unterdessen am Montag die Energie Burgenland aufmerksam. „Rund 15 Prozent der Wind- und PV-Erzeugung werden aktuell abgeregelt. Gleichzeitig importiert Österreich wenige Stunden später wieder Strom aus dem Ausland.“ Das sei volkswirtschaftlich nicht sinnvoll, so der laut eigenen Angaben größte Erzeuger von Wind- und PV-Strom in Österreich. „Wir vernichten heimischen erneuerbaren Strom und importieren wenige Stunden später teuer. Die Lösung sind Speicher“, so Vorstandschef Stephan Sharma in einer Aussendung.
APA





